# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_December 1857_S367 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 367 Lutherisch⸗theologische Pfarrers⸗Bibliothek. (Fortsetzung.) 2. Außer dem, daß es gewisse Perioden der Entwicklung der Kirche gibt, wie die der Reformation, in Betreff welcher der lutherische Pfarrer das Bedürfniß hat, Specielleres zu erfahren, als ihm die allgemeine Kirchengeschichte darbietet, so gibt es auch gewisse Puncte in derselben, welche für ihn eine so große Wichtigkeit haben, daß er sich mit der Berücksichtigung und Behandlung, die dieselben in einer allgemeinen Kirchengeschichte erfahren, nicht völlig befriedigt sieht. Solche Puncte sind namentlich die Geschichte der Lehre und des Cultus; welche denn auch, jenem Bedürfniß zu entsprechen, in einer gesonderten Darstellung behandelt worden sind. a. Was die Darstellung der Dogmengeschichte betrifft, so ist zwar in neuerer Zeit, namentlich monographisch, Ausgezeichnetes geliefert worden. Allein die in den neueren Werken befolgte Tendenz entspricht mehr dem Bedürfniß des gelehrten Forschers und Kritikers, als dem eines lutherischen Pfarrers, wie wir ihn uns denken und dem wir durch unsere „Bibliothek“ zu dienen wünschen. Der nächste wichtigste Zweck der Dogmengeschichte für einen lutherischen Pfarrer ist nach unserem Dafürhalten: den Nachweis zu liefern, daß es eine successio doctrinalis gebe, daß nehmlich mit der Kirche die Lehre derselben sich ununterbrochen fortgepflanzt und fort und fort ihre Bekenner und Zeugen gehabt hat, daß also die Lehre unserer Kirche nicht eine neue und temporäre, sondern die alte ursprüngliche und stete Lehre der wahren Kirche sei. Davon überzeugt zu werden, dazu dient nun zwar schon vortrefflich das große Werk Gerhards: „Loci theologici“ und, was insonderheit das scholastische Zeitalter betrifft, dessen „Confessio catholica“, welche beide Werke wir früher weitläuftig recensirt haben; als eine gedrängte übersichtliche zusammenhängende Darstellung glauben wir jedoch noch folgendes Werkchen empfehlen zu müssen: „Dr. Joh. Guil. Baieri Compendium theologiae historicae. Vinariæ 1690.“ 8. Den Verfasser haben wir bereits bei Gelegenheit der Recension seines „Compendium theologiæ positivæ“ characterisirt. Was die angegebene Geschichte der Lehre desselben betrifft, so ist dieselbe zwar ein opus posthumum, jedoch von dem Sohne des Verfassers, J. Wilh. Baier (gestorben als Doctor und Professor der Theologie zu Altorf 1729), aus einem hinterlassenen Manuscript mit eben so großer Sorgfalt, als Sachkenntniß herausgegeben worden. Das Buch enthält auf etwas über 700 Seiten die Geschichte der reinen Lehre und ihrer Schicksale durch alle Perioden der christlichen Zeit bis zum Jahre 1674, nach 21 loci geordnet: 1. von der heil. Schrift; 2. von dem dreieinigen Gott; 3. von der Schöpfung; 4. von den Engeln; 5. von der Vorsehung; 6. von der Erschaffung des Menschen nach dem göttlichen Ebenbild; 7. von der Erbsünde; 8. von den wirklichen Sünden; 9. von der Person Christi; 10. von der Prädestination; 11. von der Wiedergeburt und Bekehrung des Menschen; 12. von der Rechtferti⸗