# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_December 1857_S363 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Dr. Martin Luthers Anweisung zum rechten Studium der Theologie. 363 lutherischen Reformation. Dahin gehören nicht nur jene Männer, die bei dem Reformationswerk vor aller Augen an der Spitze gestanden haben und deren Namen daher nie werden vergessen werden, so lange es noch eine Kirche auf Erden geben wird, also bis an den jüngsten Tag; sondern auch viele, deren Wirksamkeit nicht so öffentlich war und deren Namen daher bereits fast vergessen sind. Zu diesen letzteren gehört auch ein Hieronymus Weller von Molsdorf. Derselbe wurde zu Freiberg in Sachsen im Jahre 1499 geboren, wo sein Vater Bürgermeister war, studirte zu Naumburg und Wittenberg, wurde hierauf, nachdem er schon im 19. Jahre seines Alters die Magister⸗Würde erhalten hatte, Lehrer der griechischen Sprache in Zwickau und sodann 1525 Schulrector zu Schneeberg; er kehrte aber ein Jahr darauf nach Wittenberg zurück, um hier die Rechte zu studiren, wurde jedoch hier bald nach seiner Ankunft durch eine Predigt Luthers über Gottes Strafgerichte mächtig erweckt, wandte sich in Folge dessen noch der Theologie zu und wurde nun 8 Jahre lang Luthers Haus⸗ und Tischgenosse und treuester Schüler, so daß die Alten sein Verhältniß zu Luther als das des Elisa zu Elias und des Polykarpus zu Johannes darstellen. Mit Freuden sah Luther bald, welche außerordentlichen Gaben sich in Weller offenbarten; nur er selbst, Weller, wollte sie nicht sehen und floh daher alle verantwortungsvollen Aemter, in die man ihn setzen wollte; bis er endlich nach Freiberg berufen wurde. In einer Zeit nehmlich, in welcher es noch schien, als ob die Universität Leipzig (unter Georg) dem reinen Evangelium verschlossen bleiben werde, 1538, faßte der Stadtrath zu Freiberg unter seinem gottseligen Herzog Heinrich den Entschluß, hier in Freiberg den Grund zu einer evangelischen Academie zu legen. Zwar lenkte es Gott in Absicht auf Leipzig, wie Luther prophetisch voraus gesagt, anders; Georg starb plötzlich im Jahre 1539; daher denn Leipzig mit seiner Universität dem Lutherthum noch in demselben Jahre seine Thore öffnete; allein der gottselige Stadtrath von Freiberg gab seinen Plan nicht gänzlich auf, sondern berief im Jahre 1540 seinen, unterdeß von Luther selbst zum Doctor der Theologie promovirten und von allen Theologen hochgepriesenen, Landsmann Weller zu dem Zweck, in seiner Vaterstadt theologische und besonders exegetische Vorlesungen zu halten, nicht nur für junge Studirende, sondern zugleich zum Anknüpfungspuncte theologischer, namentlich exegetischer Uebungen für bereits im Amte stehende Prediger; damit, wie Weller selbst schreibt, „die Diener der Kirche in der Theologen⸗Schule zusammen kommen möchten, nicht sowohl um zu lernen, als um sich über ihre Meinungen und Rathschläge in Betreff besonders wichtiger Angelegenheiten und kirchlichen Streitfragen gegenseitig auszutauschen.“ Diese Stellung als Professor und amtlicher Leiter einer Predigerconferenz nahm denn unser Weller an und ließ sich nun zugleich mit dem Inspectorat über das Gymnasium betrauen. Neben den Arbeiten, die ihm seine Aemter auflegten, und namentlich nach 22jähriger Amtsführung, nach welcher er aus Leibesschwachheit resigniren mußte, beschäftigte er sich mit