# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1847 03 09_S77 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) ſten Kampf zu dieſer Ueberzeugung gekommen, daß ich glaube, der Leib des HErrn ſei wahr— haftig im heil. Abendmahle gegenwärtig.“ — Auch für die Zukunft gaben ſich die Unſrigen der ſchönen Friedenshoffnung hin, indem ſie zu der Aufrichtigkeit und Redlichkeit der Refor— mirten das beſte Vertrauen hegten. „Ich ſage nicht, äußerte ſich Luther darüber in einer Predigt*) nach ſeiner Rückkehr, daß eine brü⸗ derliche Einigkeit ſei, ſondern eine gütige, freundliche Eintracht, daß ſie freund⸗ lich bei uns ſuchen, was ihnen fehlet, und wir wieder ihnen dienen. Wo ihr nun werdet fleißig bitten, wird ſie auch brüderlich werden.“ Daſſelbe meinte Melanchthon: „Iſt auch zu hoffen, ſo man geſchickte Wege vornähme mit ihnen zu handeln, ſie würden die Sache fallen laſſen.“ Und wie die Liebe Alles glaubt und Alles hofft, ſo fühlte ſich der theure Luther nicht bloß gedrungen, für die irren— den Freunde zu beten, ſondern er beurtheilte ſie auch auf das Mildeſte und Schonendſte. „Ob ſie gleich ſahen, ſchreibt er, daß ihre Dinge nichts bewieſen, wollten ſie doch nicht weichen, nehmlich in dieſem einigen Stücke von der Ge— genwart des Leibes Chriſti. Und ich halte, mehr aus Furcht und Scham, als aus Bosheit ... Kurz! die Leutlein ſcheinen mir an ſich nicht böſe, ſondern aus Irrthum und von Ungefähr in dieſe Meinung gefallen zu ſein, daraus ſie wohl gerne wieder wären, wenn ſie nur könu— ten. Gott, der angefangen hat, erbarme ſich ihrer weiter, und hole ſie wieder zurück! Amen.“ Zugleich abet betheuerte er dem Landgrafen auf das Feierlichſte, weshalb er die Lehre der Re— formirten nicht angenommen habe: „Ach HErr Gott! es iſt nicht Scherz, noch Schimpf, Neues zu lehren; es muß fürwahr hie nicht Dünkel, noch eigen Wahn, noch ungewiſſe Sprüche thun; es müſſen helle, gewaltige Texte da ſein, welche ſie bisher nicht aufgebracht. Fürwahr! ich habe ſo große Plage und Gefahr erlitten über meiner Lehre; ich wollte ja nicht gerne umſonſt ſo ſaure Arbeit gethan haben und noch thun; darum wollte ich wahrlich weder aus Haß noch Hochmuth ihnen widerſtehen, ſondern ihre Lehre längſt haben angenommen, das weiß Gott, mein HErr, wo ſie derſelbigen könnten Grund anzeigen. Auf das aber, dar⸗ auf ſie ſtehen, kann ich mein Ge⸗ wiſſen nicht ſetzen.“ (Schluß folgt.) ) In der angeführten Predigt lautet Luthers Urtheil aus⸗ führlich ſo: „Brüderſchaft haben ſie (die Reformirten) von uns begehrt, die haben wir ihnen aber abgeſchlagen und nicht zuſagen können. Denn, wenn wir ſie für Brüder und Schwe⸗ ſtern annähmen, ſo müßten wir verwilligen in ihre Lehre. Wiewohl man dieſes Abſchlagen nicht gerne geſehen, und vorgab, man ſollte die Liebe gegen ſie erzeigen, dis ſie Gott anch wieder herzubrächte; denn wir auch unſere Feinde lieben ſollten, Matth. 5, 44. Nun, wer es übel aus⸗ legen will, der mag es thun: wer auch mehr ausrichten kann, der richte es aus. Sie bleiben auf ihrer Meinung, Gott wollt ſie erleuchten; wiewohl ſie ſich flicken und ſchmücken. und nachgelaſſen haben, daß ſe nicht verläugnen, daß nicht der wahre Leib und Blut Chriſti da ſei; welches denn lautet, gleich als hielten ſie es mit uns. Sie bekennten, daß, die zum Abendmahl gehen, geuießen alle wahrhaftig des Leibes und Blutes Chriſti; aber geiſtlich, daß ſie Chriſtus im Herzen daben. Leiblich zu genießen, das wollen ſie nicht zulaſſen, das haben wir auf ihr Gewiſſen geſchoben. Denn wir bhaben Gottes Wort und den Tert vor uns, den ſie nichthaben. Darum ſtehet die Sache in guter Hoffnung.“ 7⁷ (Eingeſandt.) John Wesley, bekehrt durch Luthers Vorrede zum Brief an die Römer. In Nr. 26. des Baltimorer „Lutheran Ob— ſerver“ findet ſich eine intereſſante Nachweiſung, daß John Wesleh, der Stifter der methodiſti— ſchen Gemeinſchaft, zuerſt an deutſchen Luthe⸗ ranern lebendige Beiſpiele wahrhaft gläubiger Chriſten angetroffen habe und daß er überhaupt ſeine Bekehrung von der Zeit hergeſchrieben habe, als er einmal etwas von Luther hatte vorleſen hören. Im Jahre 1735 reiſte Wesley mit Salz— burger Exulanten auf einem Schiffe nach America. Unterwegs entſtand ein großer Sturm. Alle zagten. Nur die Salzburger waren ruhig. Dieſes hatte Wesley bemerkt. Nachdem ſich der Sturm gelegt hatte, fragte er dieſelben, wie es möglich ſei, unter ſolchen furchtbaren Umſtänden ruhig bleiben zu kön— nen. Sie erklärten, weil ſie wüßten, daß ſie Frieden mit Gott hätten, ſo wären ſie ganz ergeben, zu welchem Schickſale ſie ihr HErr auch beſtimmt habe. Ueber dieſe Erklärung war Wesley ganz erſtaunt und ſagte, daß er ſolche Gewißheit des Glaubens noch niemals erfahren habe. Ein methodiſtiſcher Schrift— ſteller, Dr. Jackſon in England, erzählt von dieſer Begebenheit in ſeinem Buche Centenary of Methodism Folgendes: „In dieſen Frem— den (nehmlich den Salzburgern) ſahen die engliſchen Methodiſten das Chriſtenthum in einem edleren, anziehenderen und tröſtlicheren Lichte, als jemals zuvor. Dieſe gottſeligen Exu— lanten ertrugen jede Ungelegenheit und Beleidi-— gung mit der größten Sanftmuth; ſie waren allezeit bereit, die niedrigſten Dienſte ihren Rei⸗ ſegefährten zu erweiſen, und in Stürmen und Orkanen, während andere vor Furcht ſterben wollten, ſangen ſie ruhig Gott Loblieder und legten überhaupt ein fröhliches Gottver— trauen und eine völlige Ergebung an den Tag in einem Zuſtande, da ſie jeden Augenblick in Gefahr waren, von der ungeheuren Meeres— tiefe verſchlungen zu werden.“ Und Wesley ſelbſt ſagt davon in ſeinem Tagebuche (Works Vol. III. pag. 55.): „Es iſt jetzt zwei Jahre und beinahe vier Monate, ſeit ich mein Va⸗ terland verlaſſen habe, um den Indianern in Georgien das Weſen des Chriſtenthums zu lehren, doch was habe ich ſelbſt unter der Zeit gelernt? Was anders, als (was von allen am wenigſten geargwöhnt wurde,) daß ich, der ich nach America ging, um andere zu bekeh⸗ ren, ſelbſt noch nicht bekehrt war!“) So war das Zeugniß und Verhalten jener Exulanten, bei welchen die lutheriſche Lehre von der Rechtfertigung zur Kraft gekommen war, nicht ohne tiefen Eindruck auf Wesley und ſeine Freunde geweſen, und hatte ihm na⸗ mentlich ſeinen Mangel aufgedeckt; doch er ſollte erſt ſelbſt den von Gott geſendeten Refor— mator der Kirche, den Dr. Luther, in ſeinen hinterlaſſenen Schriften hören, um die Kraft des rechtfertigenden Glaubens an ſeinem eige— *) Wie oft mag dies noch jetzt manchem methodiſtiſchen und andern Miſſionaren ſo gehen, die ſich ſo gern ſchon für Apoſtel und Glaubenshelden anſehen laſſen! D. H nen Herzen zu erfahren. Der „Lutheran Ob⸗ ſerver“ berichtet nehmlich weiter: „Es iſt be⸗ kannt, daß Wesley erſt nach ſeiner Rückkehr von Georgien nach England bekehrt worden iſt, als er in einer Verſammlung, welche die Mähriſchen Brüder an der Aldersgate Straße in London hielten, „die Vorrede Luthers zum Briefe Pauli an die Römer vorleſen hörte.“ In jener Vorrede wird nehmlich von Luther herrlich gezeigt, was Paulus durch die Worte Geſetz, Sünde, Gnade, Glaube, Ge⸗ rechtigkeit, Fleiſch und dergleichen meine. Möchte doch dieſe Thatſache bei den jetzigen deutſchen Methodiſten, die der lutheriſchen Kirche den Rücken zugekehrt haben und ſie als eine unfruchtbare Mutter, Kinder Gottes zu gebären, allenthalben verſchreien, mehr Auf⸗ merkſamkeit auf Luthers Lehre bewirken und ſie zu der Erkenntniß führen, daß das Wahre, was ſie in ihrer Gemeinſchaft finden, eben von der— lutheriſchen Kirche gekommen iſt! Möchten aber auch die Lutheraner, wo ſie anders noch Luthers Lehre haben, ſolche Früchte des Glau— bens bringen, wie jene Salzburger, ſo würden auch ſie ein Salz und ein Licht der Welt ſein! B. Führt das alte Lutherthum nach Rom? (Fortſetzung.) Ein zweiter Gebrauch der alten lutheriſchen Kirche, der nach dem Urtheile des Herrn Weyl nach Rom führen ſoll, iſt „die Errichtung eines Crucifixes in der Kirche.“ Auf dieſen Einwurf haben wir zuerſt dieſes zu erinnern, daß ſich die lutheriſche Kirche al— lerdings von jeher auch dadurch von den refor⸗ mirten Kirchen unterſchieden hat, daß ſie Bil— der, Altäre, Crucifixe ꝛc. in ihren Verſamm⸗ lungshäuſern geduldet, während dieſes die re⸗ formirte Kirche ſeit Caͤrlſtadts Bilderſtürmerei meiſtentheils verworfen hat; wiewohl auch die Reformirten hierin nie völlig einig geworden ſind. So ſagt z. B. der reformirte Beza ohne Scheu: „Daß er das Bild des Gekreuzig— ten von Herzen verabſcheue.“ (Coll. Mompel. p. 418.) Hingegen ſchreibt der eben ſo ſtreng calviniſche Petrus Martyr: „Nach ſeiner menſchlichen Natur könne Chriſtus gemalt wer⸗ den.“ (Comment. I. Reg. 7.) Was rechtgläubige Lutheraner von dem Ge⸗ brauch der Bilder in den Kirchen halten, kön⸗ nen wir wohl am beſten aus den Ausſprüchen Luthers über dieſelben erſehen. Luther ſpricht ſich aber in dieſem Betreff folgendermaßen aus. In ſeiner vierten Predigt, die er im Jahr 1522 nach ſeiner Rückkehr von der Wartburg in Wittenberg gegen Carlſtadts Schwärmerei und Bilderſtürmerei gehalten hat, ſagt er: „Derhalben müſſen wir ſchließen, und es dabei bleiben laſſen, daß die Bilder weder ſonſt noch ſo, weder gut noch böſe ſind; ſondern man laſſe es frei ſein, ſie zu haben oder nicht zu haben, allein, daß der Glaube oder Wahn davon ſei, daß man mit unſerm Bilderſtiften Gott keinen Dienſt, noch Wohlgefallen thue.“ Ferner ſchreibt Luther in ſeiner Schrift „wider die himmliſchen Propheten von den Bildern und Sacrament,“ vom Jahre 1524 und 1525: