# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_December 1857_S358 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 358 Zusammenstellung der Berichte über Exordien. Uebelstand, den sollten wir daher eher abzulegen suchen, als daraus einen Grund schöpfen, gegen etwas zu kämpfen. Eine gut ausgearbeitete Predigt mit einer kurzen passenden Einleitung ist daher einer langen sich oft wiederholenden ohne Einleitung weit vorzuziehen. Man muß nur immer das im Auge behalten, daß Exordium und Predigt nicht als zwei fremdartige Dinge neben einander stehen, sondern daß sie nach Einem Ziel hinstreben. — Die vierte Frage ist die, ob wir für die Exordien eine Analogie in der Schrift oder bei Luthern und seinen Zeitgenossen finden. In Bezug darauf spricht ein Einsender: „Finden wir auch große Eingänge zu den Reden unsers HErrn Christi und seiner Apostel, oder bei den Predigten der Engel? Ferner in den Predigten zur Zeit der Reformation, oder in deren nächster Zeit? Man geht vielmehr gleich in mediam rem. Oder waren damals andere Zuhörer, als wir sie haben?“ Ein anderer Einsender spricht: „Exordien sind nicht gemäß dem Vorbild der alten Kirche, denn man findet davon selten eine Spur bei den Kirchenvätern, sowie in den Predigten Dr. Luthers und seiner Zeitgenossen. Erst von 1560 an kommen sie immer häufiger vor. Wer hat nun die rechte Predigtweise besser verstanden, diese oder jene? Darnach wird sich unsere Nachfolge richten, wenn wir anders von den Vorzügen der ersten lutherischen Zeit überzeugt sind. Man nehme die erste beste Predigt vor sich, und überlege, ob man wohl dabei ein Exordium vermissen wird, und wiederum sehe man bei späteren Predigten zu, ob das im Exordium Gesagte wirklich zum Verständniß des Textes erforderlich war, oder füglich auch wegbleiben könnte.“ In der Schrift finden wir der Form nach keine solchen Predigten, daher auch keine solchen Eingänge. Doch fehlt es nicht an Beispielen: ich weise hin auf die Bußpredigt des Propheten Nathan. — Ferner auf Jesaias, Cap. 1, 2. Die Apostel gehen in ihren Briefen auch nicht gleich in mediam rem, sondern schicken erst eine kleine Einleitung voraus. — Daß Luther und seine Zeitgenossen keine Exordien gebrauchten, hat seinen Grund in der analytischen Predigtmethode, die sie befolgten, und kann uns wohl ein Beweggrund sein, sie auch nicht zu gebrauchen, aber kein Beweisgrund, daß sie verwerflich sind. Zu Gunsten der Exordien spricht sich endlich ein Einsender noch also aus: „Sie sollen ja wohl den oder die Hauptgedanken vermitteln, vorbereiten und dazu dienen, daß dieselben desto tiefer ins Herz gedrückt werden. Es mag dies Ziel erreicht werden. Sie gleichen also dem Zielen des Schützen, dem Ausholen des Springers, wodurch der eigentliche Zweck erreicht, das Ziel getroffen, der Graben glücklich übersprungen werden soll. Beides ist nothwendig, wenigstens in den meisten Fällen. Wird durch die Eingänge also das Gemüth gesammelt, das Herz recht vorbereitet zur Aufnahme der Hauptwahrheit des Textes, so haben sie gewiß einen großen Segen gebracht.“ C. G.