# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_December 1857_S357 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Zusammenstellung der Berichte über Exordien. 357 der wird gar keine Zeit zu einem besonderen Eingang verwenden dürfen, sondern er wird lieber sogleich in mediam rem eingehen.“ Die Meinung des Berichterstatters stimmt hiermit nicht überein. Zeitraubend können die Exordien nur dann sein, wenn sie der Predigt nicht dienen, sondern entgegen stehen. Im entgegengesetzten Fall aber sind sie es eben so wenig, als Gesang und Gebet. Freilich solche Einleitungen, die nicht ein⸗, sondern ausleiten, da man etwas an den Haaren herbei zieht, mags nun klappen oder nicht, die daher die Gemüther zerstreuen, und auf verschiedenartige andere Dinge lenken, solche Einleitungen sind allerdings zeitraubend zum Nachtheil der Predigt. Daraus folgt aber keineswegs, daß wirkliche Einleitungen, die da thun, was sie besagen, die obige Eigenschaft haben. Im Gegentheil, wenn die Einleitung mir dazu dient, daß ich in der Abhandlung desto ungestörter auf Ein Ziel lossteuern und aller Zuhörer Herzen dahin richten kann, so ist sie nicht nur nicht zeitraubend und der Predigt nachtheilig, sondern im Gegentheil höchst förderlich; z. B. wenn ich in der Einleitung allerlei Einwände gegen die in der Predigt zu erläuternde Wahrheit widerlege, oder den Gegensatz derselben mit einigen scharfen Zügen darstelle, so kann ich alsdann in der Abhandlung desto ungehinderter einen Weg vorwärts gehen, ohne bald hier bald da sagen zu müssen: aber lieben Zuhörer, das dürft ihr nicht mißverstehen, oder ohne einen Excurs nach dem andern machen zu müssen; so trägt denn die Einleitung gerade dazu bei, die Gedanken der Zuhörer recht beisammen zu halten, und ihnen die Hauptsätze des Textes recht einzuschärfen; solches kann aber unmöglich zum Nachtheil der Predigt geschehen. Ueber die Trennung des Exordiums von der peroratio durch einen Kanzelvers kann ich mir keine Rechenschaft geben. Ohne Zweifel haben die Kanzelverse ursprünglich dazu dienen sollen, um die Einleitungen, welche selbst eine kleine Predigt bildeten, und gewöhnlich einen Abschnitt aus dem Alten Testament erläuterten, von der eigentlichen Erklärung der evangelischen Pericope, weil diese ganz anderen Inhaltes war, zu trennen; weshalb sie gewiß mehr zerstreuen als sammeln. — Daß die Exordien deswegen zu verwerfen seien, weil wir ohnehin meistens schon zu lang predigen, und der Text an sich zu reichhaltig sei, als daß er genügend erschöpft werden kann, daran ist kein Zweifel; aber, woher kommt es, daß wir meistens zu lang predigen? Es kommt daher, weil wir unsere Predigten nicht gründlich genug ausarbeiten, weil wir nicht unbarmherzig alles wegschneiden, was nicht unmittelbar zur Sache dient, weil wir zu viel Tautologien gebrauchen. Wir denken, wenn wir nicht eine lange und breite Erklärung geben, so verstehens die Leute nicht, während wir doch gerade dadurch oft die Sache verschleiern, die Zuhörer ermüden und ohne Noth lang predigen. Würden wir aber Alles in kurzen, gemessenen Ausdrücken vortragen, so würden wir in einer kürzeren Zeit doch bedeutend mehr aus dem Text herausschöpfen können. Daß wir zu lang predigen, ist keine Tugend, sondern ein