# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_December 1857_S356 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 356 Zusammenstellung der Berichte über Exordien. von haben die Zuhörer beim kleinsten Vers mehr Nutzen, als von einem noch so schönen Exordium“ (?). Es ist nicht zu leugnen, daß, wenn ein Exordium mißlingt, es aus den angeführten beiden Gründen geschehen kann. Dem ersteren, Unfleiß des Verfassers, ist abzuhelfen durch Fleiß desselben, und dann wird das Exordium seinen Zweck erreichen. Und gerade, weil durch dasselbe das allseitige Verständniß des Textes gefördert werden soll, so soll man sich der Mühe, die die Ausarbeitung eines guten Exordiums mit sich bringt, nicht sogleich überheben durch gänzliches Weglassen. Freilich fordert es Niemand von unsern Händen, daß wir ein Exordium machen, aber das fordert unser Herr und Meister von uns, daß wir unsern Zuhörern zum allseitigen Verständniß seines Wortes verhelfen. Da nun dies unter andern auch durch die Exordien erreicht werden soll, so ist die Forderung dieser letzteren darin inbegriffen. Wenn freilich ein gänzliches Ungeschick zur Ausarbeitung guter Eingänge vorhanden ist, so ist es gewiß besser für solche, die dies bei sich wahrnehmen, sie lassen sie ganz weg. — Die dritte Frage, ob die Exordien rathsam seien, wird von den Einsendern ebenfalls mit Nein beantwortet. Der Eine führt Folgendes als Grund an: „Denn sie sind zeitraubend zum Nachtheil der Predigt, zumal wenn auf das Exordium noch ein Kanzelvers folgt, abgesehen von dem großen Uebelstande, daß durch das Singen eines solchen Verses, der oft, wenn auch mit der größten Sorgfalt gewählt, nicht recht passen will, die Gedanken leicht auf etwas anderes gerichtet werden. Ich sage, der Gebrauch der Exordien ist zeitraubend; predigen wir schon ohne einen solchen meistens zu lang, und wie reich ist der Text, um ihn genügend zu behandeln! Wie viel weniger Zeit bleibt bei der Anwendung des Exordiums!“ Die Gründe eines andern Einsenders sind folgende: 1. Die Exordien stören die Einheit der Predigt. Davon heißt es in einer deutschen Zeitschrift bei Gelegenheit der Abschaffung der Exordien in Frankfurt a. M. also: „„Es kann gewiß nur gebilligt werden, daß die unnatürliche Trennung der Predigt von der Einleitung, und die noch unnatürlichere Einschiebung eines Zwischengesanges, so wie des Textes zwischen beide, beseitigt und der einheitliche Character der ganzen aus dem Worte Gottes erwachsenen und entfalteten Predigt gewahrt wurde.““ Das bestätigt die Praxis der alten christlichen Kirche, wo bekanntlich nach der Vorlesung des Evangelii vor dem Pulte, und nach einigen darauf gesungenen Versen sogleich die Predigt oder Auslegung auf der Kanzel begann, ohne nochmalige Vorlesung und noch weniger ohne Zwischengesang. Die lutherische Kirche in ihrer Blüthezeit hat zwar wohl an den meisten Orten die nochmalige Vorlesung des Evangeliums gehabt, von einem Zwischengesang aber findet sich keine Spur, auch nicht von einem Segenswunsch oder Gebet vor der Vorlesung des Textes. 2. Die Exordien sind zeitraubend. — Wer nach Dr. Luthers Rath und Vorbild die Hauptsachen jedes Evangelii alljährlich predigen und vom Einzelnen nur ein wenig eingehend handeln will,