# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_December 1857_S355 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Zusammenstellung der Berichte über Exordien. 355 auf, so wollen die Leute alsbald wissen, was nun die Hauptsache sein, und hier eigentlich gepredigt werden soll, darum sage man ihnen dies auch bald.“ Die Meinung des Berichterstatters ist diese: Ob durch die Exordien erreicht wird, was sie bezwecken sollen, kann weder schlechthin mit Nein, noch auch mit Ja beantwortet werden, und zwar deswegen, weil es sich nicht demonstriren läßt, sondern Sache der Erfahrung ist, daher auch die Einsender bloß ihre eigne und Anderer Erfahrung als Gegengrund anführen konnten. Doch hier gilt das alte Sprüchwort: „Exempla non probant, sed illustrant.“ Ich kann im Gegentheil aus meiner und Anderer Erfahrung sagen, daß mir die Einleitungen meistens die Aufmerksamkeit und das Verlangen nach der im Text enthaltenen Wahrheit geschärft haben. Daß man den Zuhörern oft ihre Unaufmerksamkeit an ihrer Haltung, an ihren Blicken u. dergl. anmerkt, das gilt leider, wie die Erfahrung bezeugt, auch von der Predigt; so viel dies daher gegen die Exordien beweist, eben so viel beweist es auch gegen die Predigt selbst. Wenn ferner ein Exordium sein Maß nicht überschreitet, sondern, wie es denn sein soll, kurz und in gemessenen Ausdrücken gefaßt ist, so kann dadurch unmöglich die Aufmerksamkeit schon ermüdet werden, und wenn es doch geschieht, so liegt es nicht an dem Exordium, sondern an dem Zuhörer, dessen Aufmerksamkeit auch bei der bloßen Predigt gewiß schon völlig verschwunden sein würde, noch ehe diese zur Hälfte vorgetragen ist. Dem Wunsch, daß die Leute beim Auftritt des Predigers gerne gleich wissen wollen, was die Hauptsache sei, und wovon gepredigt werden solle, treten die Exordien nicht entgegen, da dieselben nur einen ganz kurzen Zeitraum einnehmen sollen. Wenn übrigens bei den Leuten der Wunsch recht rege ist, so werden sie vorher schon die Pericope durchlesen, und können daher schon im Voraus wissen, was die Hauptsache sei, und also würde es denn gerade passend sein, ihnen die Wichtigkeit solcher Hauptsache erst noch mit wenigen Worten vorzustellen, damit sie nach der Ausführung derselben immer begieriger werden. Summa Summarum, ob durch die Eingänge erreicht werde, was sie bezwecken sollen, darüber läßt sich nicht abstimmen. Sind sie gut, so ist kein Zweifel daran; sind sie nicht gut, so helfen sie auch nichts zur Sache. Daher sagt ein Einsender: „Es kann nun wohl der Einwand gemacht werden, daß ein Unterschied zwischen Exordien und Exordien sei. So wahr dies freilich ist, so kann jedoch nicht behauptet werden, daß die mißlungenen immer ihren Grund in dem Unfleiß der Verfasser haben, sondern bei vielen Predigern ist ein gewisses Ungeschick dazu.“ Ein anderer Einsender setzt hinzu: „Die Auffindung des Stoffes zu dem Exordium macht dem Prediger oft große Qual, denn er plagt sich, freilich mit selbsterwählter Plage, nicht selten mit langem Hin⸗ und Herüberlegen: was sagst du im Exordium? Dem allen kann er sogleich überhoben sein, wenn er sie ganz wegläßt, denn wer fordert solches von seinen Händen? Er thut daher weit besser, wenn er Zeit und Mühe auf das allseitige Verständniß des Textes und dessen Auslegung verwendet; denn da⸗