# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_December 1857_S354 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 354 Zusammenstellung der Berichte über Exordien. was in den Exordien vor der Textauslegung gesagt wird, kann auch eben so gut und passend nach derselben gesagt werden in dem Transitus, der ja doch eine Art Eingang ist; wie wenn Jemand vor der Thüre den Zweck seines Besuchs angeben wollte, den würde man bitten, dasselbe doch nach seinem Eintritt zu thun.“ Die Meinung des Berichterstatters in Betreff der Nothwendigkeit der Exordien stimmt hiermit ganz überein. Doch fällt ein etwas verschiedenes Licht auf die Exordien, je nachdem man entweder die synthetische oder die analytische Methode, oder beide vereinigt, befolgt. Bei der analytischen wollen sich die Exordien schlechterdings nicht reimen, daher sie auch bei Luther und Anderen fehlen. Aber diese Methode ist die schwerste, daher sie auch die „heroische“ heißt; denn dazu will etwas gehören, den Text Vers für Vers und Satz für Satz auszulegen, ohne in ein trockenes scelettartiges Aneinanderreihen zu gerathen, sondern alles unter Einen Hauptgedanken zu bringen; dieses war nur dem heroischen Geist eines Luther möglich. Bei der synthetischen und analytisch⸗synthetischen Methode sind die Exordien zwar auch nicht nöthig, doch aber anwendbar und in den meisten Fällen zweckmäßig. Da nun anerkannter Maßen die letztere Methode die beste ist für einen Jeden, der da weiß, daß er kein Luther ist, so muß sich natürlich auch hiernach der Gebrauch oder Nichtgebrauch der Exordien richten. Die zweite Frage ist die: ob durch die Exordien erreicht werde, was sie bezwecken sollen. Einer der Einsender antwortet: Nein; andere lassen es dahingestellt sein. Des ersteren Worte sind folgende: „Ich spreche aus meiner und Anderer Erfahrung, und muß das verneinen. Es ist mir und Andern bei dem Anhören eines Exordiums immer der Gedanke gekommen: wenn derselbe nur nicht zu lang ist, oder wenn er nur erst vorüber wäre, daß ich die Hauptsache, nämlich die Auslegung des Textes, welche mir in diesem oder jenem Stück besonders wichtig ist ꝛc., höre. — Man merkt es auch den Zuhörern an an ihrer Haltung, an ihren Blicken u. dergl., daß sie sich mit ihrer Aufmerksamkeit noch Zeit lassen bis zur Erklärung des Textes. Ich kenne einen Prediger, der seit Jahren der bei der Einleitung sich kundgebenden Unaufmerksamkeit dadurch abzuhelfen gesucht hat, daß er seine Exordien in Reime gebracht und dieselben mit gewaltigem Pathos declamirt hat.“ Ein anderer Einsender spricht also: „Sie scheinen mir den Hauptgedanken, die Hauptsätze in der Predigt zu zerstreuen und zu zersplittern. Oft wird als Text des Eingangs ein verwandter Spruch, Liedervers, oder Geschichte der heil. Schrift genommen; daran bleibt, oder kann leicht die erste größeste Aufmerksamkeit der Zuhörer hangen bleiben, die dann, wenn die eigentlichen Hauptsätze kommen, schon ermattet ist. Unsere Zuhörer verstehen ohne dies Manches nicht, sie überhören sehr Vieles in Predigt und Privatgesprächen. Desto mehr sollten wir trachten, ihnen Einen oder einige gewisse Lehrsätze einzuprägen. Dies zwar soll vielleicht gerade durch die Eingänge erzielt werden, aber ob es dazu wirklich dient, das ist die Frage. Tritt der Prediger