# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_November 1857_S352 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 352 Kirchlich⸗Zeitgeschichtliches. denzen des Symbolismus gab, so erschien es geeignet, die Fahne der Orthodoxie und Frömmigkeit in Zeiten zu erheben.“ Es ist in der That spaßhaft, diese Süd⸗Illinoiser⸗Clerisei von „Orthodoxie“ reden zu hören; wahrscheinlich soll auch die Geschichte nur ein Spaß sein. Die Tennessee⸗Synode war wieder am 26. Sept. bis 1. Oct. d. J. versammelt. Aus dem Luth. Standard ersehen wir, daß hierbei Herr Pastor H. Weßel, gemäß einem Beschlusse der Synode im vorigen Jahr, „Regeln für die Gemeinden“ der Synode vorlegte, nach welchen u. A. von den Gemeinden und deren Pastoren die Anerkennung sämmtlicher symbolischer Bücher unserer Kirche gefordert wird. Ein Antrag, diese Regeln den Gemeinden zu empfehlen, rief eine lebhafte Discussion hervor. Der endliche Beschluß war, daß dieselben ohne Empfehlung dem Synodalbericht beigegeben werden sollten. Der Berichterstatter schreibt: „Wir geben hiervon Nachricht, zu dem Zwecke, auf eine in der Synode sich kund gebende Hinneigung (tendency) zum Symbolismus hinzuweisen. Daß es eine solche Parthei unter uns gibt, unterliegt keinem Zweifel. Die Sache ist in verschiedenen Formen in drei Sitzungen nach einander vor die Synode gebracht worden. Sie wird ohne Zweifel die Synode in der Folge erregen. Bisher haben wir in allen unseren Streitigkeiten mit Anderen sowohl, als in unserer Constitution nur die Augsburgische Confession und Luthers kleinen Katechismus anerkannt. Dies war die Stellung, welche von den Gründern unserer Synode in Absicht auf die Lehre eingenommen worden ist und die wir seitdem immer festgehalten haben.“ — Da wir bisher in der Meinung gestanden haben, daß es der Tennessee⸗Synode ein Ernst gewesen ist und noch ist mit dem Bekenntniß zu den Grundsymbolen unserer Kirche, so nimmt es uns, wir gestehen es, Wunder, zu vernehmen, daß der bezeichnete Antrag in ihr auf ernsten Widerstand stoßen konnte, ja daß aus ihr Stimmen laut werden können, die das Streben, der Synode eine immer festere confessionelle Grundlage zu geben, mit dem odiösen Namen „Symbolismus“ zu brandmarken suchen. Die Hartwick⸗Synode (N.⸗Y.). Nachdem dieselbe die Platform angenommen hatte, erklärte die sogenannte Frankische Synode, daß sie, wenn jenes früher geschehen wäre, sich nicht getrennt haben würde. Hierauf erklärt nun erstere in ihrem diesjährigen Synodalbericht: daß sie keine neue Platform angenommen, sondern lediglich ihre Anhänglichkeit an der Lehrbasis der Generalsynode und an ihrer eigenen Auslegung (exposition) der Augsburgischen Confession aufs neue bestätigt habe, wie selbige (Auslegung) in einem Pamphlet enthalten, das von ihr im Jahr 1857 veröffentlicht worden sei. — Bisher hatten wir die Bewegung zu Gunsten der Platform für eine Regung der Ehrlichkeit angesehen, dieser Beschluß macht uns, wir können diese Bemerkung nicht unterdrücken, wieder irre. Oder kann der Inhalt der von der Hartwick⸗Synode besiegelten Platform ohne Erröthen eine „Auslegung der Augustana“ genannt werden? II. Ausland. Merle d'Aubigne. Aus dem Missionary erfahren wir Folgendes: Am 27. Juni wurde zu Genf die 27. Jahresversammlung der evangelischen Gesellschaft zu Genf abgehalten. Im Laufe der Verhandlungen sprach Professor Merle von der Wichtigkeit einer theologischen Disciplin, welche bisher fast ausschließlich in Deutschland angebaut worden sei, der Geschichte des christlichen Dogmas. „Dieses Studium,“ bemerkte er, „läßt die Grundlehren des Christenthums von den wechselnden oder mehr und weniger vollständigen Systemen unterscheiden, durch die diese Wahrheiten in verschiedenen Epochen ausgedrückt worden sind. Es gibt in der christlichen Religion, neben dem göttlichen Element, neben den objectiven Wahrheiten, ein menschliches Element, und es ist von Wichtigkeit, dasselbe nicht zu verkleinern. Ausgezeichnete Männer, wie Channing, haben einen Schleier vor ihren Augen gehabt, der ihnen die Gottheit Christi verbarg. Doch trotz dieses schweren Irrthums liebten sie Christum und man kann nicht sagen, daß ihnen Christus nutzlos war oder daß Er keinen Einfluß auf sie ausgeübt habe. Ein gleiches mag man von denen behaupten, welche das göttliche Ansehen und die Eingebung der Bibel nicht zugestehen; sie sind darum dem Einfluß der Bibel nicht unzugänglich, dem Glauben nicht fremd. Die Christen der Erweckungsperiode haben das Verdienst, wieder laut verkündigt und wiederhergestellt zu haben die Thätigkeit Gottes in der christlichen Offenbarung und in der Wiedergeburt des Individuums, aber sie haben es vernachlässigt, das wichtige menschliche Element sowohl in der Person des Erlösers, als in der Eingebung der Schrift zu berücksichtigen. Die neue Generation ist berufen, zu ersetzen, was in dieser Hinsicht unterlassen worden und das Aequilibrium wiederherzustellen. Jedenfalls sollte man sich nicht für gebunden ansehen, in sclavischer Weise die Meinungen Calvins und der Reformatoren zu reproduciren.“ — Man sieht hieraus, wohin diejenigen unter den Neugläubigen gerathen, die dem mächtigen Rufe Gottes in unserer Zeit, zu dem alten unbeweglichen Grunde der Kirche zurückzukehren, nicht folgen. Sie wollen stehen bleiben, aber erfaßt von dem Strome der Zeit werden sie wieder in den Strudel des Rationalismus unbemerkt hingezogen, für dessen Besieger sie sich achten, und nehmen, während derselbe mehr und mehr verschwindet, dessen Plätze und Stellung ein. Warum konnte der Missionary jene Mittheilung machen, ohne ein Warnungszeichen beizusetzen?