# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_November 1857_S350 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 350 Die kirchlichen Bewegungen in Bayern. derer abschlägiger Entschließungen in den Hoffnungen, die sie von ihrem Wirken hegten, bedeutend herabgestimmt und etwas kleinlaut geworden sind. In Bezug auf das Gesangbuch hat also die neueste Bewegung bis jetzt gar keines Erfolges sich zu rühmen. Hoffentlich wird auch die bevorstehende Generalsynode Besonnenheit genug haben, um nicht an einem Buche, das bereits in mehr als viermalhunderttausend Exemplaren in Bayern verbreitet ist, zu rütteln und dadurch unabsehbare Verwirrung in der Landeskirche herbeizuführen. Denn Referent hält den Fortbesitz dieses trefflichen Buches für wichtiger, weil für das kirchliche Leben der Gemeinde einflußreicher und für die Bildung des nachwachsenden Geschlechts eingreifender, als die Fragen über Liturgie und Kirchenzucht, so wenig er diesen ihre hohe Wichtigkeit abzusprechen gemeint ist. Der Geist, der bei den jüngsten Bewegungen in Bayern so traurig an den Tag kam, ist hauptsächlich ein Product unseres abgeschafften Gesangbuchs. Durch dieses wurde die Wirkung der evangelischen Predigt, die seit längerer Zeit nicht etwa nur vereinzelt bei uns vernommen wird, fortwährend gehindert und abgeschwächt. Denn der im Gesangbuche herrschende Geist wird allmälig Eigenthum der Gemeinde; er geht durch den fortgesetzten Gebrauch der Schule und Kirche im Hause und bei allen Begegnissen und Wechselfällen des Lebens in Fleisch und Blut der Gemeinde über. Dieser Geist war aber bei unserm abgeschafften Gesangbuche der rationalistische, d. h. ein Geist, der die Grundwahrheiten des göttlichen Worts nicht kennt, sie verschweigt, verleugnet, beseitigt, und statt gesunder, kräftiger Poesie, die zu schätzen er viel zu schwächlich ist, nur fade, wässerige Reimereien zu bieten weiß. Dagegen vermag eine Landeskirche mit einem guten Gesangbuche, in das sie sich eingelebt hat, vieles Schlimme, das in kirchlicher Hinsicht über sie kommt, selbst unevangelische Predigt, längere Zeit ohne zu großen Schaden zu ertragen und zu überwinden. Darum wird die evang.⸗luth. Kirche Bayerns erkennen, welches Kleinod sie in ihrem neuen Gesangbuche besitzt, und bereit sein zu einem äußersten Kampfe mit denen, die ihr dasselbe etwa antasten oder rauben wollen. Groß ist die Zahl seiner Gegner besonders in den städtischen Gemeinden; denn dem gegenwärtigen Geschlechte sind von dem langjährigen Genuß der Herlinge die Zähne stumpf geworden, und in ihrem Uebermuthe und Undanke sagen sie über den neu dargebotenen Segen: Uns ekelt über dieser losen Speise. Möge Gottes Barmherzigkeit verhüten, daß solcher schnöde Undank Vieler nicht durch Entziehung des dargebotenen Gutes an der ganzen Landeskirche gestraft werde. Erhält uns der gnädige Gott dieses Gut, so besitzen wir in unserm Gesangbuche einen Segen, den zu erlangen man sich anderwärts seit längerer Zeit ohne Erfolg bemüht hat und vielleicht auch in der nächsten Zukunft — gerade in Folge der von Bayern ausgegangenen Bewegung — ohne Erfolg bemühen wird. Darum, wenn auch die Einführung des neuen Gesangbuches auf längere Zeit hinaus die einzige hervorleuchtende That unseres dermaligen Oberconsistoriums