# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1847 03 09_S76 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) Holzäpfel eſſen oder einen Strohhalm aufhe⸗ ben heiße.“ Als nun Zwingli dennoch be⸗ hauptete, es ſei ungereimt, daß ein ſo großes Wunder, als das heil. Abendmahl, durch bö ſe Prieſter geſchehen ſolle, gab Luther einen klaren Bericht: „Solches geſchehe nicht aus des Prieſters Verdienſt, ſondern aus Chriſti Ordnung; weil Chriſtus ſolches befohlen, ſo geſchehe es. Alſo ſolle es auch gehalten wer⸗ den von der Kraft des Wortes und aller Sa⸗ cramente: daß ſie kräftig ſind und wirken nicht aus Verdienſt oder Heiligkeit des Prieſters oder Predigers, ſondern aus Kraft göttlicher Ordnung und göttlichen Befehls. Es ſei ein Donatiſtiſcher Irrthum, daß die Sacramente nicht kräftig ſein, welche von böſen Prieſtern gehandelt werden.“ Auf dieſen „guten Bericht Luthers“ antwortete Zwingli nichts. So ging man zum dritten Grunde der Re— formirten über, welchen Oecolampadius ausführte. „Die Sacramente, ſagte er, ſind Zeichen, darum ſoll man verſtehen, daß ſie etwas bedeuten; deßhalb ſoll auch hier verſtan⸗ den werden, daß der Leib Chriſti im heil. Abend⸗ mahle allein bedeutet werde, und nicht da ſei.“ —Luther hatte von Anfang an die Worte unſers HErrn IEſu: Das iſt mein Leib, vor ſich auf den Tiſch geſchrieben, als ſeinen gewiſſen und feſten Grund. Er gab zu: „Es ſei wahr, daß Sacramente Zeichen ſind; aber wir ſollen ſie nicht anders deuten, denn wie ſie Chriſtus hat gedeutet. Daß Sacramente Zei— chen ſind, ſoll vornehmlich verſtanden werden: daß ſie die angehangenen Verhei⸗ ßungen bedeuten. Alſo bedeutet die Be⸗ ſchneidung vornehmlich das Wort, das Gott daran hängt, er wolle gnädig ſein. Und ſo einer eine andere Deutung ſuchen wollte, als, Beſchneidung bedeute Caſteiung des Leibes, wäre es eine unnütze Deutung, ſo er die andere Deutung der Verheißung, welche die vornehmſte iſt, verachtet. Darum ſoll man in Deutung nicht freventlich handeln, ſondern ſehen, wie ſich Gottes Wort ſelber deutet.“ Zuletzt wurden noch viele Sprüche aus den Vätern geleſen, mit denen Zwingli und Oecolampadius ihre Meinung zu ver⸗ theidigen ſuchten. Allein es waren weitläufige Sprüche, deren etliche gar nicht vom Sacra— mente handelten. Dagegen übergaben nachher Brentz und Oſiander dem Landgrafen einen Aufſatz, worin viel klarere Sprüche aus den Vätern geſammelt waren, die da lehren, daß Chriſti wahrer Leib und Blut im heil. Abendmahle ſind. Da Luther ſah, daß die Widerſacher im⸗ mer härter auf ihren Meinungen beſtanden, ſo ſchloß er ſeinerſeits das Geſpräch und dankte Oecolampad und Zwingli, daß ſie die Sache ſo freundlich gehandelt hätten. Zugleich aber fügte er hinzu, da ſie keineswegs von ihrer Meinung abſtehen wollten, ſo müßte er ſie dem göttlichen Urtheil anheimgeben und den HErrn bitten, daß er ſie erleuchte und auf den Weg der Wahrheit zurückführe. Der Landgraf hörte dem ganzen Geſpräche ſehr aufmerkſam zu, und überzeugt von den Beweiſen für die Wahrheit ſagte er öffentlich: 76 „Jetzt will ich lieber den einfältigen Worten Chriſti glauben, als den ſcharfen Menſchenge— danken.“ Auch Oecolampadius empfand wegen ſeiner Irrlehre Gewiſſensbiſſe, wie Selnecker erzählt. Denn als ihn der Landgraf anredete: „Mein Herr Doctor! Die von Wittenberg ſtehen dennoch auf gewiſſem Text, Ihr habt nur Gloſſen und Deutungen. Nun hat eines wahrlich mehr Grund, denn das andere, was weigert Ihr euch denn?“ antwortete er ſeuf⸗ zend: „Gnädiger Fürſt und Herr! ich wollte, daß mir dieſe Fauſt wäre ab geweſen, ehe ich hiervon einen Buchſtaben geſchrieben.“ Nachdem ſo die Zuſammenkunft aufgehoben war; drang der Landgraf den folgenden Tag darauf, daß man nicht auseinander gehen möchte, ohne einen freundlichen Vergleich ge— ſchloſſen zu haben. Zwingli trat hinzu, und erklärte mit thränenden Augen: „Nun Gott weiß, daß in dieſer Welt kein Menſch iſt, mit dem ich lieber eins ſein wollte, denn eben Ihr, Luthere, mit Euern Wittenbergern.“ Er und die übrigen von ſeinem Theile erboten ſich, daß ſie gern mit den Unſrigen lehren wollten, der Leib Chriſti ſei wahrhaftig im Abendmahle zugegen, nur auf geiſtlichee Weiſe, wenn dieſe ſie anders als Brüder anerkennen wollten. Luther entgegnete: „Auch ich be⸗ gehre mit Niemanden uneins zu ſein; aber doch muß ich Gottes Wort und Wahrheit lieber halten, denn aller Welt Freundſchaft.“ Er ſagte ferner zu ihnen: „Ihr habt einen an⸗ dern Geiſt, denn wir,“ und ſtellte ſie hart zu Rede: „wie ſie ihn und ſeine Freunde für Brüder halten könnten, ſo ſie meineten, daß ſie irreten; es ſei ein Zeichen, daß ſie ihre eigene Sache nicht groß achteten.“ „Auch wir, ſchreibt Brentz, äußerten unſer Befremden über den Wankelmuth unſerer Widerſacher, welche uns kurz vorher in ihren Schriften als Anbeter eines brödernen Gottes bezeichnet hatten, jetzt aber Gemeinſchaft und Brüderſchaft mit uns ſuchten; indeß wichen wir keinen Schritt breit von unſerm einmal gefaßten Entſchluſſe.“ So ward die Weiſſagung Oſianders erfüllet, der zwei Jahre vorher dem Zwingli, welcher über die Hoffnung des zukünftigen Sieges trotzte und die Lutheraner immer als Götzen— diener, Fleiſchfreſſer und Anbeter eines Eßgottes verdammte, vorausgeſagt hatte: „Er werde innerhalb dreier Jahre zu Schanden werden, oder er wolle nicht im Herrn geredet haben.“ Denn obwohl Zwingli und die Seinen ſich vor den Lutheranern genug, ja! mehr als ge— nug gedemüthigt hatten, um ihre Brüderſchaft zu gewinnen, ſo mußten ſie dennoch, wie Luther ſchreibt, als Ketzer abziehen, ohne dieſelbe zu erhalten, weil ſie der Wahrheit nicht die Ehre gaben. Allein, daß von Seiten der Lutheraner kein unchriſtlicher Widerſtand obwaltete, zeigte ſich darin, daß dieſe den Widerſachern „die Hand des Friedens und der Liebe gaben, ſo daß in⸗ deß die harten Schriften und Worte unterblie⸗ ben, und ein jeder ſeine Lehre ohne Schelten treiben ſollte, jedoch nicht ohne Widerlegung und Verantwortung.“ (Luthers Brief, an Jo. Agricola.) Jedenfalls war es aber höchſt erfreulich, daß die Gegner in mehreren Puncten, die oben angegeben ſind, ihre Irrthümer zurücknahmen. Man wünſchte nun, daß dieſes keineswegs unbebeutende Reſultat (Ergebniß) ſchriftlich feſtgeſtellt würde, um eine beglaubigte Nachricht über den Ausgang des Geſprächs zu geben und zugleich ein öffentliches Zeugniß gegen diejeni⸗ gen zu haben, welche vom Frieden weichen würden. Melanchthon bezeugt ausdrücklich, daß es geſchehen ſei, um weitern Irrthum und Uneinigkeit zu verhüten und damit die Hand- lung an ſich nicht unfruchtbarlich wäre. Dieſes Geſchäft wurde Luther übertragen. Der⸗ ſelbe führte in den 14 erſten Artikeln diejenigen Lehren an, worüber man eins geworden war. Auch über das heil. Abendmahl konnte ſo viel als gemeinſam feſtgeſetzt werden: „Zum fünf⸗ zehnten glauben und halten wir alle von dem Nachtmahle unſers lieben HErrn IEſu Chriſti, daß man beide Geſtalt nach der Einſetzung Chriſti brauchen ſoll, daß auch die Meſſe (das Abendmahl) nicht ein Werk iſt, damit einer dem Andern todt oder lebendig Gnade erlangen, daß auch das Sacrament des Altars ſei ein Sacra— ment des wahren Leibes und Blutes IEſu Chriſti, und die geiſtliche Nießung deſſelbigen Leibes und Blutes einem jeden Chriſten vor⸗ nehmlich von nöthen, deßgleichen der Brauch des Sacramentes, wie das Wort von Gott dem Allmächtigen gegeben und geordnet ſei, da⸗ mit die ſchwachen Gewiſſen zu glauben zu be— wegen durch den heil. Geiſt.“ Das, worüber man uneins geblieben war, wurde in aller Schonnng und Milde von Luther angege⸗ beu: „Und wiewohl aber wir uns, ob der wahre Leib und Blut Chriſti leiblich im Brod und Wein ſei, dieſer Zeit nicht vergleicht haben, ſo ſoll doch ein Theil gegen den andern chriſt— liche Liebe, ſo fern jedes Gewiſſen immer lei⸗ den kann, erzeigen und beide Theile Gott den Allmächtigen fleißig bitten, daß er uns durch ſeinen Geiſt den rechten Verſtand beſtätigen wolle. Amen.“ Dieſe Schrift wurde von bei⸗ den Parteien als gültig anerkannt, auch die Reformirten unterſchrieben ſie alle unwei⸗ gerlich, wiewohl ſie vorher anders gelehrt hatten, worüber ſich die Lutheraner nicht ge— nug wundern konnten. So war die Beweiſung des Geiſtes und der Kraft, ſo wie der Sieg der Wahrheit auf Sei— ten der Unſern. Dieſelben freuten ſich über den Erfolg des Geſpräches. „Wir hätten kaum gedacht, ſchreibt Luther, daß wir noch ſo viel ausrichten würden. Wollte Gott, daß auch der übrige Scrupel (Bedenken) vollends durch Chriſtum gehoben würde.“ So ſpricht ſich auch Melanchthon gegen die Prediger in Reut⸗ lingen aus: „In allen übrigen Stücken ſind wir eins, nur über das heil. Abendmahl haben wir verſchiedene Meinungen. Dieſer einzige Scru⸗ pel haftet noch in der Kirche. Meine feſte Ueberzeugung iſt, daß Zwinglis Meinung ge⸗ gen den Sinn der Schriftworte und das Anſe⸗ hen ſo vieler alten Lehrer nicht vertheidigt wer⸗ den könne. Daher ermahne ich euch, daß Ihr keine Lehre gegen das Anſehen der heil. Schrift annehmet. Auch ich bin nicht ohne den ſchwer⸗