# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_November 1857_S342 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 342 Die kirchlichen Bewegungen in Bayern. dert, „Männer der Intelligenz und des Muths zu wählen, welche im Sinne der eingereichten Adresse durch alle Consequenzen zu handeln entschlossen seien.“ Wenige Tage endlich vor der bereits anberaumten Wahl wurden von dem etwas erweiterten Adresse⸗Comité gedruckte Wahlzettel mit je 12 Namen für jeden der fünf Sprengel in großer Menge vertheilt und den Wählern in die Wohnungen geschickt. Zwar geschah Aehnliches auch von den Kirchlichen, aber bei der herrschenden Stimmung war anzunehmen, daß auch eine große Anzahl Wohlgesinnter der stärkeren Strömung folgen werde. Dabei war das Wahlcomité klug genug, keineswegs Männer von extremer Richtung in Vorschlag zu bringen, so daß viele Wähler, die nicht die Gabe der Geistesprüfung besaßen, in den Vorgeschlagenen nicht Unkirchliche oder Feinde der Kirche zu erblicken vermochten. Das Ergebniß der Wahl war daher keineswegs ein überraschendes; es wurden die von der sogenannten liberalen Partei aufgestellten Candidaten mit einer durchschnittlich fünfmal so großen Stimmenzahl, als diejenige war, die den Kirchlichen zufiel, in die Kirchenvorstände gewählt. Es muß zur Ehre der Gewählten gesagt werden, daß sie durchaus bürgerlich und sittlich unbescholtene Männer, ja daß nicht Wenige unter ihnen sind, mit denen, wenn sie unter andern Umständen gewählt worden wären, gewiß auszukommen gewesen wäre. Aber das Schlimme war der Eindruck, unter dem sie gewählt wurden, die Erwartung, die man von ihnen hegte, und die nicht zu täuschen ihnen zur Ehrensache gemacht wurde. Sie sollten Thaten thun, aber nicht solche, welche zum Bau der Kirche beitrugen, sondern wie sie die sogenannte öffentliche Meinung, der in den Ton angebenden Blättern herrschende Liberalismus von ihnen, als den Vertretern der Gemeinde, forderte. Mit den auf diese Weise zur Hälfte erneuerten Kirchenvorständen, mußte also die im October eingeführte Liturgie einer neuen Berathung unterzogen werden. Dies geschah in den ersten Tagen des Januars d. J. Das Ergebniß dieser Berathungen war keineswegs bei allen Kirchen das nämliche. An der einen Kirche entschied man sich mit einer kleinen Mehrheit für Beibehaltung der Liturgie, an einer zweiten mit Stimmengleichheit für Abkürzung derselben, an zweien für gänzliche Abschaffung und an einer ging man gar nicht auf die Berathung ein. Von vier Kirchen aber wurde in dringender Weise eine Plenar⸗Versammlung sämmtlicher Kirchenvorstände der Stadt zur Berathung und Beschlußfassung über diese wie über andere gemeinschaftliche Angelegenheiten verlangt. Leider war bei der letzten General⸗Synode selbst für Städte mit mehreren Kirchsprengeln — zum Zwecke leichterer Verständigung über die Einführung der Liturgie — der Zusammentritt der verschiedenen Sprengel⸗Kirchenvorstände zu einer Versammlung beantragt und beschlossen, vom Oberconsistorium — arglos — begutachtet und vom Könige genehmigt worden. Das Oberconsistorium konnte daher dem Verlangen der Nürnberger Kirchenvorstände nicht entgegen treten. Das Decanat wurde beauftragt, sämmtliche Kirchenvorstände der Stadt (60 Weltliche und 15 Geistliche außer dem Decan) zu einer Berathung über die Frage