# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_November 1857_S340 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 340 Die kirchlichen Bewegungen in Bayern. ihrer gesetzlichen Organe nichts aufdringen wollen, sondern überall den bestehenden Verhältnissen schonende Rücksicht angedeihen lassen. Ebenso wenig besorgen wir daher auch, daß es den Beschwerdeführern gelingen werde, das Vertrauen Eurer Königlichen Majestät in die Männer, denen Allerhöchst Ihre Weisheit die Leitung der Protestantischen Kirche in Bayern zu übergeben geruht hat, durch die gegen dieselben vorgebrachten Verdächtigungen zu erschüttern, oder wankend zu machen. Gleichwohl aber müssen wir gegenüber den Beschwerdeführern — und zwar ganz besonders deshalb, weil dieselben im Namen der ganzen evangelisch⸗lutherischen Einwohnerschaft Nürnbergs, also auch in unserm Namen aufzutreten wagen, ohne doch im Geringsten weder von uns, noch von den vielen dazu ermächtigt zu sein, die jedem öffentlichen Auftreten abhold, in Ruhe die Entscheidung den competenten Behörden überlassen — es für dringende Pflicht erachten, unsere durchaus abweichende Ueberzeugung vor Eurer Königlichen Majestät allerehrfurchtsvollst und freimüthig dahin auszusprechen, daß wir nicht nur die erhobene Beschwerde für gänzlich unbegründet halten, sondern daß wir Eurer Königlichen Majestät den wärmsten Dank schulden für die weise Fürsorge, welche Allerhöchstdieselben der Protestantischen Kirche in Bayern angedeihen lassen, und welche gerade auch in der Wahl der ausgezeichneten Männer sich kund gibt, die von Eurer Königlichen Majestät in das Oberconsistorium berufen worden sind. Von dieser unserer obersten Kirchenbehörde aber, die schon so viel zum Heil unserer Kirche gewirkt hat, hegen wir die zuversichtliche Hoffnung, daß sie den Geist echt evangelischer Milde, welcher neben dem unerläßlichen Ernste in ihren Anordnungen sich zeigt, bei dem Vollzuge derselben also walten lassen werde, daß kein wirklich wohlmeinendes Glied unserer Kirche über die Anwendung derselben Klage zu führen gerechte Ursache haben wird.“ Diese Gegenadresse, welche bereits am dritten Tage nach dem Aufrufe zur Unterzeichnung an ihren Bestimmungsort abgesendet, und bei deren Unterzeichnung alle jene Künste, durch welche der ersten Adresse so viele Unterschriften zugeführt worden waren, geflissentlich und grundsätzlich vermieden wurden, konnte nur bei den entschieden Kirchlichen Anklang finden. Mit nicht ganz dreihundert Unterschriften ging sie ab; freilich eine kleine Zahl, aber dem nicht auffallend, der bedenkt, wie zu allen Zeiten das Häuflein der treuen und muthigen Bekenner Christi nur ein kleines gewesen ist und sein wird, und wie damals in Nürnberg wirklich eine mannhafte Entschiedenheit dazu gehörte, um sich dem Alles mit fortreißenden Strome entgegen zu stemmen. Der Herr wird es nach Matth. 10, 32. den auch in bürgerlicher Hinsicht geachteten Männern vergelten, daß sie es gewagt haben, vor aller Welt sich zu ihm zu bekennen und ihre Namen an die Spitze der Gegenerklärung zu setzen. Unter dem 27. Nov. wurde der mit Spannung erwartete Bescheid auf die Beschwerdeadresse von Sr. Maj. dem Könige erlassen und wenige Tage darauf veröffentlicht. Er entsprach den sanguinischen Hoffnungen der Be⸗