# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1847 03 09_S75 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) 24.— * Herausgegeben von C. F. W. Walther. Der Lutheraner. „Gottes Wort und Luthers Lehr' vergehet nun und nimmermehr.“ Jahrgang 3. St. Louis, Mo., den 9. März 1847. Bedingungen: Der Lutheraner erſcheint alle zwei Wochen einmal für den Subſcriptionspreis von Einem Dollar für die auswärtigen Unterſchreiber, welche davon die Hälfte vorauszubezahlen und das Poſtgeld zu tragen haben. — In St. Louis wird jede einzelne Nummer für 5 Cents verkauft. (Eingeſandt von H. Fick.) Das Marburger Religionsgeſpräch, ein Beleg, daß die lutheriſche Kirche von jeher nicht die wahre, ſondern die falſche Union verworfen hat. (Fortſetzung.) Am 1., 2. und 3. Oct. 1529 kam das Reli⸗ gionsgeſpräch zu Marburg im landgräflichen Schloſſe zu Stande. Von der einen Seite er— ſchienen Luther, Melanchthon und Ju— ſtus Jonas aus Wittenberg, begleitet von Friedr. Myconius in Gotha, Juſtus Menius in Eiſenach und Caspar Creu-— ziger; ferner Johann Brentz aus Schwä— biſch Hall, Andreas Oſiander aus Nürnberg und Stephan Agricola aus Augsburg. Von den Reformirten kamen Zwingli, Oecolampadius, Bucer und Capito, die beiden letzteren aus Straßburg. Außerdem hatten ſich noch mit dieſen der Raths⸗ herr Jacob Sturm von Straßburg, Ul— rich Funk von Zürich und Rudo lph Frey von Baſel; mit jenen der Amtshauptmann Eberhard von Thann zu Eiſenach einge⸗ funden. Alle ſeine Gäſte bewillkommnete der Landgraf herzlich und bewirthete ſie ſtattlich. Die Art und Weiſe, in welcher ſich die Lu— theraner mit den Reformirten unterredeten, war ernſt, wahr und dabei liebevoll. „Alles,“ ſagt Brenz, „wurde mit der größten Leutſeligkeit und Freundlichkeit verhandelt. Nur Oeco— laͤmpadius, den wir uns alle milder vorge— ſtellt hatten, ſchien mitunter etwas verdrießlich, doch ohne irgend etwas Verletzendes; Zwingli entſchuldigte ſeine harte Sprache mit ſeiner Schweizernatur. Man hörte da keine andere Anrede, als „theurer Freund, Ew. Liebe. Von der Spaltung oder Secte ward kein Wort er— wähnt. Man hätte meinen ſollen, Luther und Zwing li wären Brüder und nicht Wi— derſacher.“ Das zum Beweiſe, wie ungerecht und unge— gründet der Vorwurf der Liebloſigkeit iſt, den man bis zum Ueberdruſſe fortwährend gegen die Lutheraner erhebt. Wir ſehen hier den Re— formator, der durch Gottes Gnade das Schwert des Geiſtes, d. i. das Wort Gottes ſo gewaltig führte, daß er dadurch die Macht des Pabſt— thums ſtürzte, wie er mit der größten Freund— lichkeit die Irrenden auf den Weg der Wahr— heit zurückzubringen ſuchte. Geduldig hörte er ihre Beweiſe an, welche ſie aus dem Mißver— ſtande des Wortes Gottes oder aus der Ver— nunft ſchöpften, um damit ihre Irrlehre zu be⸗ haupten, und widerlegte ſie ſo klar und deutlich, daß jeder gewiſſenhafte Chriſt ihm Recht geben muß. Iſt es doch der größte Liebesdienſt, dem Irrenden in Liebe die Wahrheit vorzuſtellen, ob Gott Gnade gebe, daß er ſie erkenne. Da nun dennoch die Reformirten die Liebe zur Wahr- heit, die ihnen ſo kräftig und dabei ſo milde be⸗ zeugt wurde, nicht annahmen; ja! da ſie die Irrthümer, welche ſie, von Luthern überzengt, feierlich widerriefen, nachher treuloſer Weiſe dennoch wieder lehrten und ſo freventlich den erfreulichen Anfang zu einer brüderlichen Ein— tracht zerſtörten; ſo iſt damit bewieſen, daß ſie muthwillig die Schuld der Zertrennung der Kirche auf ihr Gewiſſen genommen haben, und zugleich die Unſchuld unſerer Väter an jenem beklagenswerthen Ereigniſſe dargethan. Am erſten Oetober fand ein Vorgeſpräch ſtatt, wobei ſich Lutheer mit Oecolampad, Zwingli mit Melanchthon allein unter⸗ redeten. Dieſes benutzte Luther, um den Re⸗ formirten zu beweiſen, daß ſie nicht bloß über das heil. Abendmahl, ſondern auch in andern Stücken falſch lehrten. Sie hatten nämlich noch folgende Irrlehren aufgeſtellt: Daß Chriſtus nicht wahrhaftiger, natürlicher Gott ſei; daß die Erbſünde keine Sünde ſei; daß die Erb— ſünde nicht in der heil. Taufe vergeben werde; daß der heil. Geiſt nicht durch das Wort und die Sacramente mitgetheilt werde; daß die Rechtfertigung nicht bloß durch den Glauben geſchehe, ſondern auch durch gute Werke; wie Melanchthon in ſeinem Berichte von dem Ge— ſpräche bezeugt. „So viel in der Eile geſchehen konnte,“ ſchreibt Melanchthon, „empfingen ſie darüber Unterricht von uns; je mehr ſie davon hörten, je beſſer es ihnen gefiel, und ſind in allen dieſen Stücken gewichen, wiewohl ſie zu— vor anders davon geſchrieben.“ Was die Gott— heit Chriſti betrifft, ſo betheuerte Zwingli, daß er dieſelbe immer gelehrt und den Ludwig Hetzer, der neulich zu Conſtanz hingerichtet, von der Herausgabe eines Buches wider die Gottheit Chriſti abgehalten habe. Ueberhaupt ſagt Me— lanchthon von Zwingli und deſſen Freunden: „Wir finden, daß ſie der Lehre, ſo Dr. Mar-⸗ tinus lehrt, nicht genugſam berichtet ſind, wie— wohl ſie die Worte nachreden.“ Zum öffentlichen Geſpräche kam es den zweiten October, wenn man es anders ein öf— fentliches nennen darf; denn nur Wenige wur— den zugelaſſen, ſo daß im Ganzen nur fünfzig bis ſechszig Perſonen zugegen waren, darunter der Landgraf, der ſtets dabei war, und mehrere ſeiner Räthe und Edelleute. An dieſem Tage wurde der eigentliche Sacramentſtreit der Haupt⸗— gegenſtand des Geſpräches. Zuerſt redete O e— colampad und ſetzte die Hanptgründe aus- einander, womit ſeine Partei beweiſen wollte, daß der HErr IEſus im heil. Abendmahle mit ſeinem wahren Leibe und Blute nicht gegen— wärtig ſei. Der erſte Grund der Reformirten, ihre „eherne Schutzmauer,“ war: Chriſtus ſage Joh. 6, 63.: „Das Fleiſch iſt kein nütze,“ dar⸗ um ſei im Sacrament kein Fleiſch da, denn der fleiſchliche Genuß ſei kein nütze. Dieſe „eherne Schutzmauer“ ſtürzte indeß Luther mit den Worten um: „Chriſtus rede hier nicht von Seinem Fleiſche: denn er ſage vorher: ſein Fleiſch bringe das ewige Leben, ſein Fleiſch ſei die rechte Speiſe. Sondern er ſage damit, unſer Fleiſch ſei kein nütze, wie aus dem Ge⸗ genſatze erhelle: der Geiſt iſt es, der da leben⸗ dig macht. Es wäre ja eine ſchreckliche Rede, daß Chriſti Fleiſch kein nütze ſei.“ Der zweite Grund der Reformirten war aus der Vernunft: „ein Leib könne nicht an zweien Orten zugleich ſein; nun ſitze der Leib Chriſti zur Rechten des Vaters im Himmel, folglich könne er nicht auf Erden im Saerament zuge— gen ſein.“ Darauf antwortete Luther: „Daß die menſchliche Vernunft Gottes Macht und Herrlichkeit nicht richten könne. Chriſtus habe die menſchliche Natur an ſich genommen, wel— che daher nach der heil. Schrift an den göttli— chen Eigenſchaften und Herrlichkeit Theil habe. Darum ſei auch die menſchliche Natur Chriſti allgegenwärtig, mithin könne ſein Leib und Blut auch im heil. Abendmahle zugegen ſein.“ Zwingli entgegnete: „Gott lege uns keine ungereimten Dinge zu glauben vor.“ „Solche ungeſchickte Reden entfielen ihm, erzählt Me⸗ lanchthon, ſo doch die chriſtliche Lehre viel un- begreiflichere und höhere Artikel hat, alſo daß Gott Menſch geworden, daß dieſelbige Perſon Chriſti, ſo wahrer Gott iſt, geſtorben ſei ꝛc.“ Auf jenen Einwand der ungläubigen Vernunft antwortete Luther in ſeiner glaubenskräfti-— gen Weiſe: „Was Gott geredet habe, ſei alle-⸗ wege zu unſerer Seligkeit, ob er uns auch 37