# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_November 1857_S337 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Die kirchlichen Bewegungen in Bayern. 337 HErrn der Kirche zu danken, daß er sie nun wieder vor der Welt ehrlich gemacht hat. *) Zwar wird man uns entgegen halten, daß mit dem bloßen Namen noch nichts gewonnen, und daß, so lange die lutherische Kirche nicht in alle ihre Rechte, Ordnungen und Bekenntnisse bei uns wieder eingesetzt ist, sie in der Wirklichkeit noch keine lutherische sein kann; indeß, so viel sehen wir doch ein, daß eine Kirche, die seit Jahren durch alle Sümpfe und Lachen des Unglaubens geführt und gegangen ist, nicht übereilt und mit einem Male, sondern erst dann in ihre Rechte, Ordnungen und Bekenntnisse eingesetzt werden kann, wenn sie dieselben als den rechten Ausdruck ihres Glaubens und christlichen Lebens erkannt hat, und daß gerade nichts mehr als der Name lutherisch geeignet ist, sie zu dieser Erkenntniß zu bringen, und dann darin zu fördern. Auch trauen wir der Weisheit unsers neuen Ministers, des Geheimraths von Elsner, dem die lutherische Kirche ans Herz gewachsen ist, sowie der Pastoralklugheit unsers Kirchenraths, der sich durch zwei gläubige Mitglieder neuerdings verjüngt hat, daß man die geeigneten Mittel ergreifen wird, um die Kirche in dem Gange ihrer Wiedergeburt zu unterstützen. Doch bedürfen wir dazu der ernstlichen Fürbitte aller lutherischen Brüder und eben um diese zu ersuchen, ist der Zweck dieser wenigen Zeilen. Dazu wolle der HErr sich unser in Gnaden erbarmen. Die kirchlichen Bewegungen in Bayern. Ihre nächsten Wirkungen und Folgen von der Nürnberger Adresse an. Nachdem die Adresse an Se. Majestät den König abgegangen war, gaben sich die Unternehmer und Unterzeichner der Hoffnung hin, daß sofort eine Zurücknahme der Oberconsistorial⸗Erlasse und Wiederabschaffung der auf liturgischem Gebiete in neuerer Zeit eingeführten Aenderungen erfolgen werde. Ehe aber ein Bescheid irgend welcher Art von Allerhöchster Stelle erging, erließ das Oberconsistorium unterm 8. Nov. eine „Ansprache an die gesammte Geistlichkeit evang.-luth. Bekenntnisses in Bayern“, welche am 18. Nov. in Nürnberg eintraf und sofort bei dem Buchdrucker Sebald zu haben war. Dieselbe verbreitete sich in würdevoller, aber durchaus milder Weise über die Stellung des Kirchenregiments, das auf den Namen eines evangelischen Anspruch mache, überhaupt, sodann über die des Bayerischen und dessen Verhältniß zu den bereits getroffenen oder vorbereiteten Maßnahmen. Mit großer Klarheit sind darin die echt evangelischen Grundsätze entwickelt, welche das Oberconsistorium für sich selbst als bindend betrachtet und *) Ist eine bedenkliche Sache; daß ihr euch nur nicht zu früh freut, lieben Leute! Freimund. 22