# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_November 1857_S330 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 330 Dem „Lehrer Deutschlands“, Melanchthon, soll in Wittenberg ein Denkmal ꝛc. abweicht, von meiner Meinung abzusehen.“ Diese Hochachtung vor Melanchthons Wissenschaft und seine innige Liebe zu ihm konnte aber Luthern nicht abhalten, über Melanchthons Nachgiebigkeit gegen die Sacramentirer sich bitter zu beklagen, ja sie konnte ihn nicht hindern, daß er sich schon vornahm, gegen Melanchthon zu schreiben. Die Hauptveranlassung lag in Melanchthons willkürlichem Verfahren mit der Augsburgischen Confession, welche 1530 dem Kaiser Carl V. übergeben worden war. Sie enthielt das Gemeinsame und Oeffentliche als Eigenthum der ganzen gegen Rom und auch gegen die Schweizer protestirenden lutherischen Kirche, und hatte als Schriftstück daher auch eine gewisse Unverletzbarkeit, nach der es niemandem freistand, Aenderungen an ihr vorzunehmen. Das erlaubte sich aber Melanchthon auf eine willkürliche Weise, wie das Luther entschieden an ihm rügte, und sprach: „Philippe, das Buch ist nicht Euer, sondern der ganzen Kirche Eigenthum.“ Es lag das in der falschen Ansicht Melanchthons, daß er die Confession gleichsam als seine Privatarbeit oder Privatschrift ansah, und auch in seinem ganzen furchtsamen, sich andern gern nähernden Character. Auch darin fehlte er besonders, daß er meinte, die Theologen wären die besondern Träger der Wahrheit allein, und sie müßten besonders für den Riß stehen. Und nach der Wittenberger Concordie von 1536 meinte er, die reformirten Glaubensgenossen hätten sich in dem großen Streitpuncte über das Abendmahl wesentlich dem Lehrbegriffe der lutherischen Kirche genähert, weshalb er ihnen zu Liebe in seiner „veränderten“ Confession von 1540 im 10. Artikel, ohne die Fürsten, Stände und Bekenner zu fragen, die unglückliche Veränderung vornahm, und die frühern Worte: „Daß Leib und Blut Christi wahrhaftig gegenwärtig sind“, ausmerzte. In dem Concordienbuche von 1580 wird daher diese Variata verworfen, „weil sich etzliche unterstanden, Irrthum vom heiligen Abendmahl und andere unreine Lehre unter den Worten derselbigen andern Edition zu verstecken und zu verbergen — ungeachtet, daß solche irrige Lehre in der zu Augsburg übergebenen Confession mit ausdrücklichen Worten verworfen.“ Die damaligen und jetzt noch „strengen und confessionellen Lutheraner“ haben sich keiner Ungerechtigkeit gegen Melanchthon schuldig gemacht, wenn sie sagten: „Melanchthon war ein, Calvin kein, Luther der Reformator.“ 2) Die Klage Melanchthons über die rabies theologorum bezog sich namentlich auf die Theologen der Jenger Hochschule, welche der gewesene Kurfürst Johann Friedrich an die Stelle der für ihn verloren gegangenen Wittenberger gegründet hatte. An der Spitze derselben stand namentlich der bekannte Flacius Illyricus, der sich allerdings auf das entschiedenste gegen Melanchthons Liebäugeln mit Calvin erklärte und die Halbheit des „Philippismus“, wie man diese Richtung bezeichnete, angriff. Möge nun auch den Jenaern im Streite immerhin etwas menschliches begegnet sein, möge ihnen im Kampfgewühl der aufwirbelnde Staub die Augen etwas umdüstert und sie zu unbarmherzigen Hieben selbst auf Freunde in etwas veranlaßt haben, das steht