# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_November 1857_S329 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Dem „Lehrer Deutschlands“, Melanchthon, soll in Wittenberg ein Denkmal ꝛc. 329 das sonst der Lebensheerd jeder Familie war, an dem Alt und Jung, Eltern und Kinder, Herrschaften und Gesinde sich erwärmten, in Haus und Schule im Abnehmen begriffen ist.“ Das ist eine Sprache, wie sie lange nicht von den Kathedern der gelehrten Schulen gehört worden ist! Und diese Stimme erschallt aus Weimar! Möge das Wirken des theuern Mannes ein gesegnetes sein! Möge er „an der Hand gründlicher Schriftauslegung“ recht bald zu der Ueberzeugung gelangen, daß das Bekenntniß dieser Lande fest ruhet auf „dem Buche der Bücher“, und recht viele seiner Schüler dem noch vielfach verkannten und verachteten zuführen! Möge er mit den beiden jüngern seiner Collegen, die fest am Bekenntniß halten, in Einigkeit des Geistes zusammenstehen! Möge er aber auch ein wachsames Auge haben, daß nicht ferner, wie bei der letzten Prüfung geschehen ist, unter seinen Augen Bücher als Prämien vertheilt werden wie „Burmeister's Geschichte der Schöpfung“, ein bekannter gelehrter Erguß eines materialistischen Naturforschers gegen die Schöpfungslehre der heiligen Schrift! (Aus dem „Freimund“.) Dem „Lehrer Deutschlands“, Melanchthon, soll in Wittenberg ein Denkmal gesetzt werden. Darüber freut sich gewiß ein jeder; denn Melanchthon verdient jenen Titel, weil er das war, was ihm in dem Titel beigelegt wird, und als solcher in der Zeit der Denkmäler auch wohl ein Denkmal verdient. Eigenthümlich klang uns aber doch das Wort, das wir neulich in einer öffentlichen Zeitschrift lasen, und worüber wir auch einige Worte sagen möchten. Es war dieses: „Wir freuen uns aufrichtig, wenn auch vielfach von lutherischer und streng confessioneller Seite diesem großen Reformator und Lichte Deutschlands Gerechtigkeit widerfährt. Aber wenn damit nicht zugleich eine ernstliche Sühne geleistet werden soll für die rabies theologorum (Tollwuth der Theologen), gegen die Melanchthon in seinem Todesseufzer Zeugniß ablegte, so wäre es für manche besser, von solchem Denkmal ihre Hand zu lassen, damit das Wort des HErrn von dem Bauen der Prophetengräber nicht auch sie treffe.“ Da diese Worte zwei verschiedene Puncte enthalten, so wollen auch wir unsere Antwort darauf in zwiefacher Beziehung geben. 1) Es ist diesem „großen Reformator und Lichte Deutschlands“ von lutherischer und auch streng confessioneller Seite gewiß jederzeit „Gerechtigkeit“ widerfahren. Wollte man Melanchthons Verdienste schmälern, würde man sich einer großen Undankbarkeit gegen Gott schuldig machen, der diesen „Lehrer Deutschlands“ gab. Man würde auch Luthern und seinem Urtheile über Melanchthons Gelehrsamkeit wenig gleichen, der von ihm sagt: „Obgleich ich auch Magister und Doctor bin, und fast keiner von Eck's Titeln mir fehlt, so schäme ich mich auch doch nicht, wenn der Geist dieses Grammatikers von mir