# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_November 1857_S328 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 328 Das Gymnasium zu Weimar. verdorben, ja unsägliches Unheil ausgestreut. Sie haben der elendesten Aufklärerei Thür und Thor geöffnet, haben die heilige Schrift beiseite gesetzt, haben dem Heidenthum vor dem Christenthum die Ehre gegeben. Schreiber dieses erinnert sich aus dem Religionsunterrichte, den er in den obern Classen des Gymnasiums genoß, an nichts weiter als daran, daß das neutestamentliche Griechisch der Apostel in classisches Griechisch übersetzt werden mußte, wobei wir uns nicht wenig wußten, daß wir mehr griechisch verstünden, als die Apostel. Ein preußischer Generalsuperintendent erzählte vor einigen Jahren in einer großen kirchlichen Versammlung, wie zu Anfang des Jahrhunderts ein Gymnasialdirector einer Thüringischen Stadt, als er mit seiner Schule und an der Spitze derselben zum heiligen Abendmahl gegangen, die Jenaische Literaturzeitung in der Hand gehalten und in derselben gelesen habe! Kein Wunder, wenn ganze Heere von unchristlichen und unkirchlichen Beamten aus solchen Schulen hervorgingen und die giftige Saat weithin ins Volk ausstreuten! — Doch nicht die gelehrten Schulen als solche wollen wir anklagen; sie waren Kinder ihrer Zeit, und thaten an ihrem Theile, was die Kirche, oder vielmehr die Theologen in ihr verschuldet hatten. — Sie sind auch heute noch Kinder der Zeit. Sie können sich dem neuen Leben, das in der Kirche erwacht ist, nicht entziehen. Auch sie fangen überall an, sich ihres kirchlichen Ursprunges und ihres Berufes, für Christi Reich zu wirken, zu erinnern. Mit Freuden liest man in der alten Lutherstadt Eisleben über der Thür des Gymnasiums die neue Inschrift: Gymnasium Christo sacrum! Auch das für Thüringen wichtigste, altberühmte und zahlreich besuchte Wilhelm⸗Ernstische Gymnasium in Weimar schreitet auf dieser Bahn vor. Es soll nach den Stiftungsbriefen seiner Gründer und Wohlthäter, der Herzöge von Weimar, dazu helfen, daß „diese Lande bei der wahren evangelischen Religion des heiligen Wortes Gottes und ungefälschtem Gebrauch der Sacramente erhalten werden“. Diese Bestimmung war lange vergessen worden, — in der Zeit des gerade in Weimar so übermäßig herrschenden Rationalismus war am Gymnasium von reiner evangelischer Lehre keine Rede mehr, ja der Religionsunterricht trat ganz in den Hintergrund und wurde kaum mehr beachtet. In neuerer Zeit wurde es besser, und die Antrittsrede des neuen Directors Dr. Heiland athmet einen ernsten christlichen Geist. „Freuen wir uns darüber, sagt er, daß sich das Gymnasium wieder tiefer darauf besinnt, eine Pflanzstätte christlicher Erkenntniß und christlichen Lebens zu sein, und daß der Hauch des Evangeliums es sein muß, der die Schulen durchweht, wenn sie Werkstätten des heiligen Geistes sein wollen. Als Werkstätte solchen Geistes pflanzt es in die Herzen seiner Zöglinge das Evangelium von der Erlösung und führet an der Hand gründlicher Schriftauslegung in das Verständniß des göttlichen Heilsplanes. Wir reden und rühmen uns so viel der köstlichsten Errungenschaft der Reformation, daß sie dem Evangelium in unserer Muttersprache eine neue Heimath bereitet hat, und doch müssen wir es mit Beschämung gestehen, daß die Bekanntschaft mit dem Buche der Bücher,