# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_November 1857_S322 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 322 Ueber die Benutzung der Kirchengeschichte für die Predigten. Confession und des Lebens Dr. Luthers ꝛc. in Predigten zu behandeln. Den von Dr. Löscher in Dresden im Jahr 1717 gehaltenen Predigten haben wir die ausführlichste Materialiensammlung zur Reformationsgeschichte von 1517 bis 19 zu verdanken, die unter dem Namen Acta reformationis in 3 Bänden erschienen ist und ursprünglich auf 29 Quart⸗Bände berechnet war. Dieses dreifache Vorbild, das wir in der Bibel, so wie in der Weise der alten christlichen und lutherischen Kirche finden, lehrt uns, daß die Kirchengeschichte für die Predigten auf zweierlei Weise benutzt werden kann, nämlich fürs erste in besonderen Predigten durch die Erzählung einzelner Theile der Geschichte und fürs andere durch gelegentliche Erwähnung einzelner Exempel, namentlich aus dem Leben und Aussprüchen der Väter und ganz besonders Dr. Luthers, so wie aus der Geschichte der Märtyrer ꝛc.; für die letztere Weise findet man hinlängliche Beispiele in Dr. Luthers Predigten und in Betreff der Catechismuslehre in Caspari's Geistlichem und Weltlichem. Für die erstere Weise und namentlich wie die Kirchengeschichte, insonderheit die lutherische, auf einzelne Zeiten im Kirchenjahre zu vertheilen ist, will ich hier eine kurze Uebersicht geben, wie ich es seit 13 Jahren damit zu halten pflege. 1. Am Sonntage nach der Beschneidung Christi Ev. Matth. 2, 13—23. ist bei Gelegenheit des bethlehemitischen Kindermordes von den christlichen Märtyrern zu handeln, namentlich unter den Kindern, deren Geschichte Collin in einem besondern Buche beschrieben hat. Man könnte hierher auch die Pericopen vom Tage des Stephanus ziehen als zum Weihnachtstexte gehörig und doch nicht zum Feste selbst passend. Das Büchlein Benckendorfs von den 10 Hauptverfolgungen bietet reichen Stoff dar. Es könnte davon auch im nächsten Wochengottesdienst gepredigt werden. 2. Am Tage Epiphaniä. Es sollte freilich an diesem Tage nach dem Vorbilde der alten christlichen Kirche und nach Dr. Luthers Rathe vornehmlich von der Taufe Christi gepredigt werden, als einer noch weit herrlichern Offenbarung, als der, die den Weisen und durch sie geschah, wenn aber wie gewöhnlich über die letztere gepredigt wird, so muß man sich wundern, daß dieses Fest oft und mit unbilliger Beseitigung der Textauslegung nur als ein Missionsfest und als Erweckung zur Missionsthätigkeit, nicht aber als ein Dankfest für die Bekehrung unserer deutschen Vorfahren gefeiert wird, wofür sich mehrfache Andeutungen in Dr. Luthers Postillen finden. Man könnte vielleicht davon eine Uebersicht in der Festpredigt geben und dieselbe in einer Wochenpredigt weiter ausführen. 3. Dr. Luthers Todestag s. später bei 10. Dr. Luthers Geburtstag. 4. Am Sonntage Invocavit Ev. Matth. 4, 1—11. Eine Uebersicht der ganzen Kirchengeschichte des Neuen Testaments bis zur Offenbarung des Papstthums nach dem Vorbilde der von Dr. Luthern in Schmalkalden gehaltenen 2 Predigten. Man kann davon in einem Theile der Sonntagspredigt oder ausführlicher an einem Wochentage predigen. 5. Am Sonntage Exaudi Joh. 15. und 16. Hier kann die Fort⸗