# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_November 1857_S321 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Lehre und Wehre. Jahrgang III. November 1857. No. 11. (Eingesandt von dem Secretär einer Districts⸗Predigerconferenz des östlichen Districts unserer Synode.) Ueber die Benutzung der Kirchengeschichte für die Predigten. Wir haben dafür ein dreifaches Vorbild. Zuerst die Bibel selbst; sie ermahnt, die Geschichte des Volkes Gottes in fortwährendem Andenken zu behalten, z. B. Ps. 78, 1. ff., und das thut sie selbst, so wohl in diesem Psalm bis ans Ende, als auch in andern, z. B. Ps. 105. und 106. Und was ist die Predigt des Stephanus Apostelgesch. 7. und die Aufführung der Glaubenszeugen Ebr. 11. anders, als eine Geschichte der Kirche im Alten Testament? Wie werth ferner die erste christliche Kirche das Andenken der Märtyrer gehalten hat, beweisen die aus dem 2. Jahrhundert stammenden Geburtsfeste derselben, an denen von dem, was Gott an ihnen gethan, gepredigt wurde. Die lutherische Kirche endlich hat nicht nur aus gleicher Absicht die Feier der Aposteltage und einzelnen Märtyrer, z. B. des heiligen Laurentius, beibehalten, sondern die Predigten Dr. Luthers und vieler seiner Mitarbeiter geben auch davon Zeugniß, wie fleißig sie überhaupt die Kirchengeschichte benutzt haben. So hat Dr. Luther über das Evangelium am Sonntage Invocavit bei der Zusammenkunft in Schmalkalden zwei Predigten gehalten von den Versuchungen der Kirche Christi, die sie unter den Verfolgungen, von Seiten der Ketzer und endlich unter dem Papstthum ausgestanden hat. Und wie häufig führt er in seinen Predigten Beispiele an aus Eusebius und der Tripartita, wovon Hedion's Chronicon die deutsche Uebersetzung enthält; desgleichen aus den Vitis patrum, die G. Major in lateinischer Sprache und Burk unter dem Titel „Leben und Thaten der Väter“ in etwas veränderter Gestalt deutsch herausgegeben hat. Von den Schülern Dr. Luthers nenne ich nur Joh. Matthesius in seinen 17 Predigten über dessen Leben (neueste Ausgabe mit der sehr wichtigen Vorrede im berliner Bücherverein) und Cyriacus Spangenberg in den 18 sehr ausführlichen Predigten, die er von 1563—1572 zum Gedächtniß des Geburts⸗ und Todestages Dr. Luther's gehalten hat. Endlich haben die Jubel⸗ und Gedächtnißfeste von 1600 an vielfache Gelegenheit gegeben, die Geschichte der Reformation, der Augsburgischen 21