# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_October 1857_S318 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 318 Kirchlich⸗Zeitgeschichtliches. benslehren und Lebenspflichten ꝛc.“ — So schreibt man der Allgemeinen Zeitung aus dem Großherzogthum Oldenburg, wo bisher der Rationalismus mehr denn sonstwo gewaltet hat, vom Ende Junius. Ists wirklich so, wie der Mann schreibt, so werden sie mehr denn Ein Haar darin finden und sich Hand und Mund garstig verbrennen, und das zu niemandes Nutz und Frommen. So gehts nicht, und so ists auch noch nie gegangen. Freimund. Der Baptismus in Deutschland. Oberconsistorialrath und Professor Dr. Stahl hat in seiner vielbesprochenen Einleitungsrede zur Berliner Pastoralconferenz dieses Jahres unter andern folgende merkwürdige Sätze ausgesprochen: „Wir haben das Bedenken, wenn die Evangelische Allianz nur „eine Vereinigung evangelischer Christen“ sein soll, die also nur die anwesenden Personen und nicht die kirchlichen Gemeinschaften selbst berührt, daß sie dennoch trotz aller Versicherung und aller aufrichtigen Absicht nach der Nothwendigkeit der Sache selbst zu einer Kirche wird, und zwar nicht zu einem Bündniß unter diesen Gemeinschaften, sondern geradezu zu einer Union, zu einer neuen Kirche über ihnen allen. Sie hat bereits die wesentlichen Attributionen einer Kirche. Sie hat ein Glaubensbekenntniß (einen Convenent) an ihren neun Artikeln. Sie hat ein gemeinsames Abendmahl, wie solches im Programm angesetzt ist, das nicht im Namen der lutherischen oder reformirten, nicht im Namen der schottischen Presbyterial⸗ oder der preußischen Landeskirche, sondern im Namen der Evangelischen Allianz gespendet wird Sie hat eine Art Kirchenregiment an ihren ständigen Comitees, die immer mehr zu erweitern und zu stärken die Absicht ist . . . . . „Wir sind abgehalten, uns an dem gemeinsamen Abendmahl zu betheiligen. Denn dieses ist eine Vollziehung der Union mit allen diesen sogenannten Evangelischen Denominationen (oder Secten). Nach dem positiven Kirchenrecht unserer Landeskirche ist der Begriff der Union gar kein anderer, als der der Abendmahlsgemeinschaft. Das wird selbst wieder verschieden aufgefaßt. Ich verstehe darunter nur die wechselseitige Zulassung zum Abendmahl, denn nur das enthält, wie mir scheint, der Ausdruck der königl. Cabinetsordre: „der andern Confession nicht die äußerliche Gemeinschaft zu versagen.“ Eine andere Auffassung ist, daß die Union ein in der Sache selbst gemeinsames, ein confessionell neutrales Abendmahl in sich schließe. Wie dem aber auch sei, so besteht die Union bei uns nicht in der Einigung der Bekenntnisse, sondern ist mit der Gemeinschaft des Abendmahls vollständig. Wenn also hier unter diesen verschiedenen Denominationen ein gemeinsames, ja sogar ein entschieden neutrales Abendmahl gehalten wird, so ist damit nach unsern Begriffen und unsern Ordnungen die Union mit ihnen allen vollzogen. Man hat uns immerdar zur Beruhigung versichert, daß es sich bei dem Unionswerk ja nur um die Union mit den deutschen Reformirten handle, die in der Abendmahlslehre nicht auf Zwingli, sondern auf Calvin stehen, die von der Prädestinationslehre zurückgekommen seien, ja die eigentlich mehr Melanchthonianer, als Reformirte sind. Nun sollen wir auf einmal nicht bloß mit den Prädestinatianern, mit den Zwinglianern, sondern auch mit den Baptisten unirt werden, ja möglicher Weise mit noch andern, die wir gar nicht kennen.“ Ebenso hat der Pastor an der Dreifaltigkeitskirche zu Berlin, A. F. Souchon, eine gute Predigt „von der Wiedergeburt“ drucken lassen, worin er unter anderm sagt: „Die Baptisten, welche die Kindertaufe für nichts achten, welche uns alle für nicht getauft, also nicht für Christen ansehen, leugnen die freie und unbedingte Gnade Gottes; sie stehen grundsätzlich auf Einem Boden mit der jüdischen und römisch⸗katholischen Werkgerechtigkeit, indem sie die Kraft und Wirkung des heil. Geistes in der Taufe abhängig machen von dem eigenen Thun, Vornehmen und der innerlichen Beschaffenheit des Menschen. Mit ihnen können wir als evangelische Christen, die wir der Gnade alles zuschreiben und mit dem Apostel Paulus sagen: So liegt es nun nicht an jemandes Wollen oder Laufen, sondern an Gottes Erbarmen (Röm. 9, 16.), keine Gemeinschaft haben; und wenn der in England gestiftete evangelische