# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_October 1857_S314 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 314 Kirchlich⸗Zeitgeschichtliches. Weise herrscht Herr Omnes, schafft Beichte und Kirchendisciplin ab, wirft Liturgie, Agende, Gesangbuch darnieder und ruft: Wir sind die Kirche! Die lutherischen Pfarrer werden von ihm verhöhnt, zuletzt wohl abgesetzt und verjagt, wie hier. Damals (1853) konnte ein bayerischer Dekan unsere Klagen nicht begreifen; jetzt versteht er sie. Wo bleibt nun die missourische Lüge, daß ihre Lehre solche Consequenzen nicht habe, sondern nur so gemißbraucht werde! Hatte ein königliches Consistorium nicht Macht genug, die rechten Lehrfolgen zu erhalten und dem Mißbrauch zu wehren? Nein, nicht mehr! so bald die missourische Lehre als rechtgläubig gilt, muß auch ein Consistorium in Deutschland deren Consequenzen fühlen.“ — — O du unglückliches Bayern, warum hast du nicht Herrn Pastor Grabau oder irgend einen Pastor der Buffalo⸗Synode, etwa Herrn Böhm, dir verschrieben? Da wäre alle das Unglück nicht gekommen, das dich nun getroffen hat. Bürger und Bauern wären den Augenblick ihren Rationalismus los gewesen und fromme gehorsame Kirch⸗ und Beichtkinder geworden; aus Schrecken vor dem „Kirchengericht“ hätten sie sich alsobald ohne Ausnahme bekehrt; denn da hätte es geheißen: Wollt ihr nicht, so müßt ihr — und nun wäre das unglückliche Bayern ein wahres Paradies. — Doch unverzagt, vielleicht kommt Bayern zur Besinnung. Wenn es auch Herrn Böhm nicht zum Oberconsistorialpräsidenten macht, so untergibt es sich doch vielleicht noch dem Buffaloer Kirchengericht und dann ist dem Land ohne Zweifel geholfen. Wenigstens sagt's Herr Pastor Grabau. Er schreibt nehmlich: „Gewiß, das allgemeine oder gemeinsame Kirchengericht aller lutherischen Synoden dieses Landes ist dem Satan der größte Schrecken, denn wo bliebe denn die bisherige Macht seiner Lüge und Ungerechtigkeit, die Verwirrungsgewalt, die er bis jetzt geführt hat?“ O ihr thörichten lutherischen Vorfahren, ihr meintet bisher, der Teufel werde durch Gottes Wort, den Glauben u. s. w. nach Ephes. 6. überwunden! hier hört ihr's, nicht das Wort Gottes — das Kirchengericht, das scheucht den Teufel. Nicht das Wort Gottes — das Kirchengericht ist sein „größter Schrecken“! Nota bene, das Kirchengericht dann, wenn, wie Herr Pastor Grabau haben will, „die Aussprüche und Beschlüsse desselben durch die thätige Mitgliedschaft der Landesobrigkeit Kraft und Nachdruck bekommen.“ Dr. W. M. Reynolds war von Rev. Georg Diehl im „Observer“ vor kurzem als ein Mann geschildert worden, der den „stricten Confessionalisten“ der verschiedenen Illinois⸗Synoden angenehm sein werde, und noch neulich hatte letzterer den ersteren als einen Repräsentanten der „Symbolisten“ aufgeführt. Gegen alles dies protestirt Dr. Reynolds alles Ernstes in der Nummer des „Observer“ vom 2. October. Er will nichts wissen von Parteinamen und erklärt sich nun selbst für einen Generalsynoden⸗Mann, dessen Hauptzweck dahin gehe, nicht zu trennen, sondern zu einigen. Die Verpflichtung der Professoren in Gettysburg auf die Augsburgische Confession und auf den kleinen Katechismus ist ihm schon ein nimium. Er sagt zugleich u. A., unter Symbolisten verstehe man Leute, die Symbole über Gottes Wort setzen. Dergleichen Leute gebe es gar nicht, dies sei selbst die „Stellung der Buffalo⸗Brüder“, die nach seiner Meinung in kirchlichen Fragen die äußerste Rechte bildeten, denn selbst diese Buffalo⸗Brüder „seien durchaus nicht mit den Beschlüssen der Schmalkaldischen Artikel zufrieden“ (Dr. Reynolds meint hier jedenfalls, was die Schmalkaldischen Artikel über des Verhältnisses des Amtes und der Schlüsselgewalt zur Kirche sagen), setzten also hierin Gottes Wort über die Symbole. Ob die Buffaloer Dr. Reynolds diese Apologie Dank wissen werden, steht dahin. II. Ausland. Das sächs. Kirchen⸗ und Schulblatt ist seit Juli d. J. von Prof. Dr. Kahnis in die Hände des Prof. Dr. Luthardt, eines Collegen und Freundes des ersteren übertragen worden. Luthardt tritt seine Redaktion mit den Worten an: „Bei dem Uebergang der Redaktion des Sächs. K.⸗ und Sch.⸗Blattes in meine Hände bedarf es wohl keiner Erklärung, geschweige der Versicherung, daß der christliche Charakter des