# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_October 1857_S313 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 313 Kirchlich⸗Zeitgeschichtliches. I. Amerika. Die Deutsch⸗Reformirte Kirche von Nord⸗Amerika hat von dem „Central⸗Ausschuß für die innere Mission der Deutschen Ev. Kirche,“ deren Vorsitzer v. Bethmann⸗Hollweg ist, unter dem 20. December v. J. ein Schreiben erhalten, worin es u. A. heißt: „Wir haben heute die Freude Ihnen mittheilen zu können, daß ein Mitglied des Central⸗Ausschusses für einen jungen Deutsch⸗Amerikaner, der die erforderlichen Gaben und Kenntnisse besitzt, und eine theologische Facultät Deutschlands zu besuchen wünscht, um in der angedeuteten Weise seiner heimathlichen Kirche zu dienen, für die Dauer seines Studiums im Mutterlande ein jährliches Stipendium von Einhundert Thalern Preuß. Cour. uns zur Verfügung gestellt hat. Dieses Mitglied hat dabei sowohl Ihre Kirche, als die Deutsch⸗lutherische von Nord⸗Amerika und den kirchlichen Verein des Westens im Auge, und überläßt für den Fall, daß von mehreren Seiten ausgezeichnet begabte Jünglinge zum Genuß dieses Stipendiums präsentirt werden, die Auswahl dem unterzeichneten Central⸗Ausschuß. Er wünscht ferner, daß außer dem Zeugniß über die vorzügliche natürliche Begabung, die nöthig⸗wissenschaftliche Vorbildung und die lebendig gläubige Gesinnung, welches die betreffende Kirchenbehörde ausstellen wird, das Urtheil des uns nahe befreundeten und mit dem gegenwärtigen Stande der Wissenschaft in Deutschland genaubekannten Prof. Dr. Schaff zu Mercersburg in Pennsylvanien eingeholt und uns vorgelegt werde. Endlich glaubt derselbe, daß es den Brüdern jenseit des Oceans selbst beruhigend sein würde, wenn die Studien des jungen Mannes in so großer Entfernung von der Heimath durch ein theologisch gebildetes Mitglied des Centralausschusses, nämlich den Hofprediger und General⸗Superintendenten, Dr. Hoffmann, geleitet und überwacht würden.“ „The Evangelical Review.“ Vor kurzem erschien in dieser Vierteljahrsschrift eine etwas entschiedenere Kritik des Schmuckerischen Amerikanischen Lutherthums, als sonst in dieser Zeitschrift vorzukommen pflegt. Die Folge hiervon war, daß namentlich der „Luth. Observer“ alles aufbot, das „Review“ für seine Kühnheit nach Würden zu bezahlen, das heißt, demselben wo möglich das Lebenslicht auszublasen. Der in dem „Observer“ sich dabei zeigende Fanatismus erreichte einen so hohen Grad, daß selbst Dr. Hirkey, der Herausgeber der „Olive Branch“, u. A. Folgendes zu schreiben sich gedrungen fühlte: „Wir haben uns immer der Wahrheit gerühmt, und unserer Freiheit, sie zu reden und zu schreiben, aber ach! wohin ist es mit uns gekommen? Bisher standen wir in der Meinung, daß Unduldsamkeit und Aechtung sich nur bei den sogen. Alt⸗Lutheranern fände, aber wir sind seit einiger Zeit, mehr als wir zu sagen vermögen, gekränkt und verwundet dadurch, daß wir Schlimmeres auf der andern Seite gesehen haben! Wir sind für freie, willige und aufrichtige Erörterung, und wissen, daß wenn sie in christlichem Geist angestellt wird, die Wahrheit dabei gewinnen und nicht verlieren muß; aber jeden Versuch, die Leute zu knebeln und um ihrer Meinungen willen zu köpfen verachten wir und werden demselben, so weit unsere geringe Kraft reicht, aufs äußerste widerstehen, er komme, woher er wolle.“ Wie Herr Pastor Grabau über Dr. von Harleß in Bayern urtheilt. Folgendes schreibt Herr Pastor Grabau in der Vorrede zum 7. Jahrgang seines Informatoriums vom 15. September dieses Jahres: „Doch was hören wir? Wie treiben sie's jetzt in Bayern? Als wir 1853 dort waren, fiel ihnen das noch nicht ein. Da aber das unglückliche Bayern einen missourischen Oberpräsidenten im Consistorium hat, der in jeder Orts⸗Gemeine das höchste Gericht der Kirche sein läßt, und gar trügerisch oder selbst betrogen aus Luthers Schriften dem geistigen Frei⸗Pöbel die Hoheit und Rechte des geistlichen Priesterthums entdeckt hat, wie weiland Löber, Keyl und Walther hier noch gröber thaten: so folgen dieselben Erscheinungen nur in wenig anderer Form, wie hier. Der missourisch⸗gesinnte bayerische Oberpräsident des Consistoriums verwirrt nun mit seiner Lehre und Praxis das ganze Land. Auf echt missourische