# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_October 1857_S312 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 312 Lutherisch⸗theologische Pfarrers⸗Bibliothek. dorf'schen Commentarius enthalten, sondern außer manchen wichtigen Zusätzen, namentlich vieler herrlichen Auszüge aus Luther's Schriften, ist demselben auch ein sehr werthvoller Anhang beigegeben (212 Seiten stark), worin die Geschichte der lutherischen Kirche von Luther's Tod bis zum Augsburgischen Religionsfrieden (vom Jahre 1555) fortgeführt ist. Diese Reformationsgeschichte sollte nicht nur in keiner Pfarrers⸗Bibliothek, sondern auch in keiner lutherischen Familie fehlen, und zwar hier um so weniger, als hier die sogenannte Reformationsgeschichte d'Aubigne's so viel verbreitet ist. Wir haben schon vor zehn Jahren in Nr. 25 des 3. Jahrg. des „Lutheraner“ an einem merkwürdigen Beispiele, nehmlich an einem angeblichen Citat d'Aubigne's aus Seckendorf, nachgewiesen, welche muthwillige gräuliche Geschichtsverfälschungen d'Aubigne's Werk enthält und wie darin selbst die Lüge nicht verschmäht ist, um Luthern und das durch ihn vollführte Werk herabzusetzen. Wir erlauben uns, hier den Schluß jenes Artikels, in welchem wir den Nachweis für unsere Beschuldigung gegeben hatten, zu wiederholen: „Wir können nicht unterlassen, hier schließlich unser tiefstes Bedauern auszudrücken, daß gerade America mit dem Geschichtswerke des Herrn d'Aubigne recht eigentlich überschwemmt worden ist. Bei dem gerade hier so großen Mangel an gründlicher Kenntniß der Geschichte und den Mitteln, dieselbe aus ihren Quellen kennen zu lernen, kann es seinen Zweck nicht verfehlen, den crassesten Indifferentismus zu verbreiten und einer falschen Union Vorschub zu leisten. Das Buch ist nicht nur darum so gefährlich, weil darin die Geschichte in dramatisch⸗romantischer Form mit französischer Leichtigkeit überaus anziehend erzählt ist, sondern weil sich der reformirte Verfasser auch den Schein großer Unpartheilichkeit dadurch gibt, daß er Luthern auf der einen Seite in seiner hervorragenden Gestalt als den Helden seiner Geschichte darstellt, während er auf der andern Seite unvermerkt immer mehr Schatten auf den theuren Gottesmann wirft und selbst, wie wir gesehen haben, die offenbarsten Geschichtsverfälschungen nicht verschmäht, um Luther's treuen Kampf für die Reinheit des Wortes gegen die reformirten Verfälschungen aus der Giftquelle des Stolzes herzuleiten. Wie erbärmlich steht Luther nach d'Aubigne's Darstellung in Marburg da! Gleich einem eigensinnigen Kinde, das, wenn ihm der Wille nicht gethan wird, boshaft mit den Füßen stampft. Der reichbegabte Verfasser wird einst allein den Schaden zu verantworten haben, den er durch seine unredliche Darstellung eines der größten Werke Gottes bereits angerichtet hat und noch anrichten wird. Wer Wahrheit sucht, sei gewarnt.“ — Jetzt, nach zehen Jahren, können wir noch mehr von den traurigsten Erfahrungen erzählen, die wir in Betreff der Wirkungen gemacht haben, welche die Lesung der d'Aubigne'schen Reformationsgeschichte auf unerfahrene Leser ausgeübt hat. Leider! hat sich die Tractatgesellschaft zum bedaurungswürdigen Werkzeug hergegeben, das überzuckerte Gift d'Aubigne's, wie es scheint, nur aus mißverstandenem Eifer gegen die römische Kirche, in englischer und deutscher Sprache zu verbreiten. (Fortsetzung folgt.)