# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_October 1857_S310 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 310 Lutherisch⸗theologische Pfarrers⸗Bibliothek. von fremder Hand abschreiben, was er zwar in sein Werk nicht aufnehmen, aber für vorkommende Fälle als Beleg zur Hand haben wollte. Der Anfang des Commentars kam 1688 in 4to zu Frankfurt und Leipzig heraus; ein Supplement, welches 1689 in 12mo zu Leipzig erschien, vollendete das Werk. Vollständig und erweitert kam es das erste Mal ebendaselbst 1692 in Folio heraus. Eine „Editio secunda emendatior“ (die unsere Privatbibliothek schmückt), folgte in demselben Format im Jahre 1694. Die erste Veranlassung, dieses Werk zu schreiben, die demselben auch seine Form gegeben hat, war das Buch eines Lothringer Jesuiten, welches Seckendorf im Jahre 1681 aus Frankreich erhielt und von dem ihm versichert ward, daß es dort sehr hoch⸗ und den Lutheranern als eine unwiderlegliche Gegenschrift triumphirend entgegengehalten werde, das Buch nehmlich: „L. Maimbourg Histoire du Lutheranisme“ (erschienen in dritter Auflage zu Paris 1687, 2 Bde. in 12.). Je weniger sich in dieser jesuitischen Schrift die gewöhnlichen jesuitischen handgreiflichen Mährchen fanden und je mehr dieselbe den Schein der Unpartheilichkeit sich zu geben suchte, für um so gefährlicher achtete sie Seckendorf und wünschte von Herzen, eine gründliche Widerlegung derselben zu sehen. Er selbst, noch mit vielen Amtsgeschäften überladen, konnte nicht daran denken. Nachdem er aber vom folgenden Jahre an längere Zeit Muße erhalten hatte, entschloß er sich endlich, einer früheren Aufmunterung Herzog Ernst's eingedenk, sich auf dem Felde der Geschichtsschreibung zu versuchen, und nachdem er seinen „Christenstaat“ vollendet hatte, die Widerlegung selbst zu schreiben. Die Anlage der Schrift ist folgende. Der vollständige Text der Maimbourg'schen Geschichte des Lutherthums in lateinischer Uebersetzung ist immer von Abschnitt zu Abschnitt über das ganze Blatt vorgedruckt, worauf nach jedem einzelnen Abschnitt sogleich die Berichtigung und weitere Ausführung der Geschichte von Seckendorf in zwei parallel laufenden Columnen folgt, so daß Schrift und Gegenschrift auf das Deutlichste hervortritt. Das Ganze umfaßt die Geschichte der Reformation von 1517—1546; die Indices mitgerechnet, auf circa 1000 Folioseiten in sehr compressem und dabei schönem Druck. Die fortlaufende Angabe des Jahres auf jeder Seite und die Randsummarien für jeden Paragraphen erleichtern den Gebrauch des Werkes ungemein. Keine andere Reformationsgeschichte kommt dieser an Reichthum der erzählten Thatsachen und mitgetheilten Citate, an Gründlichkeit und Genauigkeit der Angaben, an Richtigkeit der Auswahl, an Gesundheit der Beurtheilung, an Trefflichkeit des dabei beobachteten apologetischen Verfahrens gleich. Kein Pfarrer der lutherischen Kirche sollte ohne dieses Werk sein. Für diejenigen, deren Mittel nicht so beschränkt sind, bemerken wir noch, daß ein Werk herausgekommen ist, welches vor allem den Zweck hat, den Commentarius Seckendorf's zu ergänzen. Es ist folgendes: „Wilhelm Ernst Tenzels historischer Bericht vom Anfang und ersten Fortgang der Reformation Lutheri, nebst Vorrede, auch noch niemals publicirten Urkunden mitgetheilt von Dr. E. S.