# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_October 1857_S306 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 306 Die wahre Zeitrechnung des Alten Testamentes ꝛc. Professor Seyffarth hält sich also dessen gewiß versichert, daß auch von dem Theil des inspirirten Wortes, welcher der Kirche die Zeit offenbart, seit welcher die Welt bestanden, nichts verloren gegangen sei, sondern sich uns hier im Abendland nur entzogen habe und uns allein in einer alten Uebersetzung erhalten worden sei. Der Mehrgenannte nimmt es auch nicht willkürlich an, daß in einige wenige Stellen des ebräischen Textes unrichtige Lesarten gekommen sind, die in der LXX ihre Berichtigung finden; auch nicht allein darum, weil ohne diese Annahme die biblische Zeitrechnung, was die Zeit vor Christo betrifft, mit der Zeitrechnung aller alten Völker im Widerspruch steht: sondern vor allem darum, weil das Neue Testament in einigen dergleichen Stellen nicht mit dem ebräischen Text, sondern mit der LXX stimmt. *) Hiernach würde es denn unbillig sein, Professor Seyffarth in Eine Reihe mit den Römischen zu setzen, welche den Urtext in der Weise für verfälscht erklären, daß sie demselben eine Uebersetzung vorziehen. Ersterer erkennt vielmehr die Unverfälschtheit des ebräischen Urtextes und die alleinige kanonische Autorität desselben an, und behauptet nur, daß einige wenige Stellen in demselben durch die Hand eines Frevlers verändert worden seien, und zwar nicht in allen, sondern allein in denjenigen Manuscripten, aus denen an den Tag kommen werden, die diesen Vers (1 Joh. 5, 7.) haben und welche jetzt noch in den geheimen Bücherschränken der göttlichen Vorsehung verborgen stecken. Wir wollen mit dem Licht zufrieden sein, das uns gegeben wird, und im Dämmerlicht die Mittagssonne nicht sowohl fordern, als erwarten.“ Apparatus critic. p. 770. Glassius hält dafür, daß daß die Stelle 1 Joh. 5, 7. durch die Ketzer aus dem Bibeltext ausgetilgt worden sei. Philol. sacra, p. 187. *) Anders allerdings verfährt in diesem Falle der selige Glassius. Er glaubt, daß die griechischen Uebersetzer um einer Tradition willen über das Zeitalter der Welt den Cainan eingeschoben haben und daß Lucas, unbekümmert um die Richtigkeit der Genealogie, das Irrthümliche der im Gebrauch stehenden Septuaginta Luc. 3, 36. aufgenommen habe! Er schreibt: Ego ita sentio, interpretes istos certum annorum mundi usque ad sua tempora numerum, ex traditione quadam sibi proposuisse, quam cum textui hebræo minus conformem esse viderent, numeros annorum vitæ patriarcharum Gen. 11. in versione sua varie mutarunt, uti collatio ostendit; atque insuper ad complendum propositum sibi numerum τὸν Cainan cum suis, quos vixit, annis inseruerunt.“ „Quidam quarto non Gen. 11., sed hoc in loco Luc. 3, 36. errorem esse volunt commissum, non vel ex Lucæ ἁμαρτήματι μνημονευτικῷ, vel ex librariorum incuria, sed ex eo, quod Evangelista, ut in cæteris, ita etiam in hoc secutus est editionem LXX suis temporibus toto orbe receptissimum.. Quarta (haec) non omnino improbanda videtur sententia, pro qua facit et hoc, Lucam generationes non exacte numerasse, sed scopo suo satisfactum existimasse, si genealogiam istam ad Adamum usque Protoplasten deduceret, quam ex LXX interpretibus eo etiam deduxit.“ Philol. s. p. 71. 231. 232. Die Instanz, daß also dann der heil. Geist den Lucas habe irren lassen, sucht Glassius mit Tit. 3, 9. zurückzuweisen. Der Unterschied zwischen Glassius und Professor Seyffarth besteht hiernach hier darin, daß ersterer, um keine Verderbung des Textes Gen. 11. zuzulassen, Lucas mit der Septuaginta etwas Irriges schreiben läßt, während Seyffarth annimmt, daß Gen. 11. von Abschreibern etwas ausgelassen worden, damit Lucas Recht behalte, also weder im Alten noch im Neuen Testament ursprünglich ein Irrthum angenommen werden müsse.