# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1847 02 23_S71 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) Der Lutheraner. „Gottes Wort und Luthers Lehr' vergehet nun und nimmermehr.“ Herausgegeben von C. F. W. Walther. Jahrgang 3. St. Louis, Mo., den 23. Februar 1847. No. 13. Bedingungen: Der Lutheraner erſcheint alle zwei Wochen einmal für den Subſeriptionspreis von Einem Dollar für die auswärtigen Unterſchreiber, welche davon die Hälfte vorauszubezahlen und das Poſtgeld zu tragen haben. — In St. Louis wird jede einzelne Nummer für 5 Cents verkauft. Die Jeſuiten⸗Moral. Der „Wahrheitsfreund“ theilt in einigen jüngſt erſchienenen Nummern Urtheile eines Proteſtanten über die Jeſuiten mit, die jeden Proteſtanten in Erſtaunen ſetzen müſſen. Dieſelben ſind nehmlich nichts geringeres, als die beredteſte Apologie des Jeſuitenordens. Man ſieht daraus, erſtlich, welche entſetzliche Finſterniß wieder unter den ſogenannten Pro— teſtanten Platz gewonnen hat, und ſodann, wie ſich das antichriſtiſche Pabſtthum wieder von den durch die Reformation erhaltenen Wunden erholt hat, wie es wieder mehr und mehr er— ſtarkt iſt, und ſich nun aufs neue furchtbar ge— fahrdrohend erhebt. Denn leider! ſtehen jene Urtheile eines Proteſtanten nicht einzeln da. Nicht nur iſt in England faſt die ganze Episcopalkirche durch einen gewiſſen Puſſey von einer entſchiedenen Hinneigung zu Rom ange— ſteckt, ſondern ſelbſt in Deutſchland will ſich ge— rade unter den ſogenannten Gläubigen wieder mehr und mehr eine Vorſtellung von einer ſichtbaren Kirche ausbilden, bei welcher man endlich nothwendig auf die Gedanken kommen muß: gäbe es noch irgend eine wahre Kirche in der Welt, ſo müßte es die römiſche ſein, eine Vorſtellung, die daher, wenn ſie noch ſtreng verfolgt werden ſollte, früher oder ſpäter zur römiſchen Kirche zurückführen muß. Eben das war es ja, was einſt Luthern und die mit ihm auftretenden Wahrheitszeugen ſo freudig machte zu ihrem Kampfe gegen die römiſche Hierarchie (Prieſterreich), daß ſie wußten, die Kirche ſei nicht ein ſichtbarer, wohl geordneter geiſtlicher Staat mit ſeinen Prälaten, und daß ſie ſagen konnten: „Wir geſtehen es ihnen nicht, daß ſie die Kirche ſeien, und (wir) wol⸗ len auch nicht hören, was ſie unter dem Namen der Kirche gebieten oder verbieten. Denn es weiß, Gott Lob! ein Kind von 7 Jahren, was die Kirche ſei, nehmlich die heiligen Gläubi— gen, und die Schäflein, die ihres Hirten Stimme hören. Denn alſo beten die Kinder: „Ich glaube Eine heilige chriſtliche Kirche.“ (Schmal— kald. Art. III. 12). Dieſen Begriff von der Kirche hat man jetzt von Seiten vieler kirchlich ſein wollenden Proteſtanten faſt ganz als einen ſchwärmeriſchen verlaſſen, und iſt immer wieder auf den Begriff einer äußeren gegliederten An⸗ ſtalt zurückgekommen. Daher haben jetzt ſo viele Proteſtanten nicht nur die alte Scheu vor dem römiſchen Prieſterreiche verloren, ſondern ſie ſehen ſelbſt ſcheelſüchtig auf die glänzende Geſtalt dieſer ſogenannten Kirche hin, ja wer— den wohl gar bei der Zerriſſenheit der Prote⸗ ſtanten von einem heimlichen Heimweh nach dem alten großen Dome ergriffen. So hat es freilich kommen müſſen, ſowohl was die Proteſtanten, als was das Pabſtthum betrifft. In Betreff der erſtern mußte in Erfüllung gehen, was St. Paulus ſchreibt: „Dafür daß ſie die Liebe zur Wahrheit nicht haben ange— nommen, daß ſie ſelig würden: darum wird Gott ihnen kräftige Irrthümer ſenden, daß ſie glauben der Lüge, auf daß gerichtet werden alle, die der Wahrheit nicht glauben, ſondern haben Luſt an der Ungerechtigkeit.“ 2 Theſſ. 2, 10—12. Aber auch mit dem antichriſtiſchen Pabſtthum muß es gehen, wie es geht; denn nach den Weiſſagungen der Schrift ſollte der Antichriſt (das iſt der Pabſt) durch die Refor⸗ mation nur geoffenbart und ihm eine tödtliche Wunde beigebracht, aber erſt durch die Erſcheinung Chriſti am jüngſten Tage ſoll ihm ein völliges Ende gemacht werden. 2 Theſſ. 2, 8. Vergl. Vers 1—10. Dies bezeugen daher auch unſere öffentlichen Bekenntniſſe. Unter andrem heißt es in der Apologie der Augsburgiſchen Confeſſion: „Wie— wohl nun der Antichriſt mit ſeinem falſchen Gottesdienſt (Baaliticus cultus una eum regno Pontificio) zum Theil bleiben wird, bis daß Chriſtus der HErr öffentlich kommen und rich— ten wird, ſo ſollen doch alle Chriſten verwarnt ſein, ſich zu hüten vor ſolcher Abgötterei. . . Eben darum hat Gott gnädiglich ſein Evange— lium ſcheinen laſſen, daß wir verwarnt und ſelig würden.“ (Art. 3. von den Mißbräuchen.) Je mächtiger, frecher und unverſchämter ſich nun gerade jetzt die römiſche Kirche erhebt, als habe ſie nie ein Waſſer getrübt, und je ohn⸗ mächtiger, verzagter und beſchämter man jetzt von Seiten der Proteſtanten gegen ſie auftritt, deſto nöthiger iſt es, daß ein jeder, den Gott die evangeliſche Wahrheit hat erkennen laſſen, ſich nicht durch eine äußerliche anſehnliche Ge— ſtalt, welche die römiſche Kirche vor den ihr gegenüberſtehenden Chriſten hat, und die man jetzt ſo oft irrthümlich für die rechte Geſtalt der Kirche hält, blenden laſſe. Wichtig iſt hierbei unter andren, daß man die Jeſuiten kennen lerne. Dieſelben bilden nehmlich einen Orden, der kurz vor Luthers Tod entſtanden (1540 durch Pabſt Paul III. beſtätigt), haupt⸗ ſächlich den Zweck hat, das durch die Reforma— tion wankend gewordene Anſehen des Pabſtes und ſein ganzes Prieſterreich zu ſtützen. Um dieſen ſeinen höchſten, ja einzigen Zweck zu er⸗ reichen, hat dieſer Orden natürlich von jeher die ſchändlichſten Maximen befolgen müſſen, und derſelbe iſt darin ſo weit gegangen, daß ſich ſelbſt einſt ein Pabſt, um nicht allen Credit zu verlieren, genöthigt ſah, dieſen Orden auf— zuheben. Dies geſchah durch Clemens XIV. (Ganganelli), der unter andern in ſeiner Bulle gegen ſie (vom 21. Juli 1773. Dominus ac Redemptor noster) Folgendes ſchreibt, es ſei „gleich bei ihrem Entſtehen mannigfaltiger Samen von Zwietracht und Eiferſucht nicht allein in der Geſellſchaft ſelbſt, ſondern auch gegen die Weltprieſterſchaft, gegen Academieen, Univerſitäten, öffentliche Schulen, ja ſogar ge— gen Fürſten aufgekeimt, in deren Staaten ſie aufgenommen worden. — Es fehlte nie, heißt es weiter, an den wichtigſten Beſchuldigungen, welche man dieſer Geſellſchaft machte, und welche den Frieden und die Ruhe in der Chri⸗ ſtenheit nicht wenig ſtörten.“ Dies wird in der Bulle mit Thatſachen belegt. Ausdrücklich er— wähnt ſie auch „den Gebrauch und die Erklä— rung ſolcher Lehrſätze, welche der apoſtoli⸗ ſche Stuhl als gefährlich und gegen gute Zucht und Sitten offenbaran⸗ ſtoͤßend mit Recht verdammt habe.“ Zuletzt heißt es, „daß es kaum oder gar nicht möglich ſei, daß, ſo lange die Geſellſchaft der Jeſuiten beſtehe, der wahre und dauerhafte Friede der Kirche wieder hergeſtellt werden könne.“ — So ſchrieb ein Pabſt —Doch ſchon vorher hatte ein Jeſuitengeneral, Franz Borgia, das merk— würdige und gleichſam prophetiſche Wort von den Jeſuiten ausgeſprochen: „Intravimus ut agni, regnavimus ut lupi, expellimur ut canes, renovabimurſut aquilae, d. i. Wir ſind herein⸗ gekommen wie Lämmer, wir haben geherrſcht wie Wölfe, wir werden ausgetrieben wie Hunde, wir werden erneuert werden wie Adler.“ So geſchah es auch. Nachdem Napoleon geſtürzt war, ſo glaubte Pabſt Pius VII. durch nichts beſſer die geſchwächte Gewalt ſeines Reiches ſtärken zu können, als durch Wiederherſtellung des Jeſuitenordens. Dieſe erfolgte denn auch durch eine Bulle vom 7. Aug. 1814 (Sollici- tudo omnium). Seitdem treiben die Jeſuiten allenthalben wieder ihr unheimliches Werk.