# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_October 1857_S298 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 298 (Eingesandt von Conrector G. Schick.) Der Chiliasmus etlicher angesehener Kirchenväter in den ersten Jahrhunderten. Da in der christlichen Kirche von jeher der Grundsatz gegolten hat: nullum dogma in ecclesia novum et cum tota antiquitate pugnans esse recipiendum (kein Glaubenssatz sei anzunehmen, der in der Kirche neu ist und mit dem ganzen Alterthum streitet); so haben auch von jeher nicht bloß die Vertheidiger der reinen Lehre sich auf die Aussprüche großer und anerkannter Kirchenlehrer in früherer Zeit und namentlich in den ersten Jahrhunderten nach den Aposteln berufen, sondern auch solche, welche falsche Glaubensansichten aufstellten und dieselben dem Bekenntniß der reinen Lehre gegenüber festzuhalten und zu begründen suchten, wenn dies auch in der Regel nur darum geschieht, um andern Christen, welche noch Achtung vor dem Glauben der Väter haben, zu imponiren oder auch um das eigene Gewissen, das strafend auf das in Gottes Wort gegründete und mit dem Blute der Kinder Gottes besiegelte Bekenntniß der Kirche hinweist, zum Schweigen zu bringen. Diese Erscheinung hat sich im Laufe der Kirchengeschichte so oft wiederholt, daß wir uns nicht wundern, wenn auch in der letzten Zeit wieder Christen, welche den in unserm Bekenntniß als jüdischen Irrthum verworfenen Chiliasmus wieder aufgegriffen haben, sich auf Aussprüche von alten Kirchenlehrern berufen, um den Vorwurf der Neuheit und Unkirchlichkeit von ihrer Lehre abzuwenden. Dies vermögen sie jedoch mit einigem Scheine nur so lange, bis man die betreffenden Stellen in jenen Kirchenvätern selbst nachliest. Denn dort findet man chiliastische Meinungen, die, wenn auch sehr verschiedenartig und theils feiner, theils grober, doch bei allen ihren Vertretern eine solche Gestalt haben, daß sie sicherlich kein einziger der jetzigen Chiliasten innerhalb der lutherischen Kirche so hegt und noch weniger vertheidigen möchte. Ist dem aber so, dann ist diese Berufung unserer Chiliasten auf Stellen der Kirchenväter ein bloßer Schein und sie haben in Wahrheit kein Recht dazu, vielmehr liefern solche Stellen in der Vielgestaltigkeit des Chiliasmus und in den Widersprüchen, welche ein Vertreter desselben in wichtigen Stücken gegen den andern erhebt, sowie die Albernheit der verschiedenen Ansichten, nur einen patristischen Beleg für die Irrthümlichkeit und Verwerflichkeit dieser falschen Lehre. Um unsere Leser von der Wahrheit dieser Sätze zu überzeugen, lassen wir hier die Stellen aus Kirchenvätern der ersten Jahrhunderte, worin ihre chiliastische Ansicht dargelegt ist, in treuer Uebersetzung nachfolgen, soweit uns die Originale zugänglich sind. Vom Papias (nach Irenäus ein Schüler des Johannes, der, nach seiner eigenen Aussage, bei Eusebius bloß Erkundigungen von Zuhörern der Apostel eingezogen hat, und darum von diesem für keinen Apostelschüler gehalten wird, war in der ersten Hälfte des zweiten Jahrhunderts Bischof von Hierapolis in Phrygien) sagt Eusebius, Hist. eccl. III, 39: „Auch anderes