# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_October 1857_S295 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Von einem Landpfarrer. 295 vom Leibe Christi abgehauenes Glied. Der heuchlerische Bube hingegen, dem es gelingt, in die sichtbare Versammlung als Lehrer oder Hörer sich einverleiben zu lassen, ist ein Baustein an Gottes heiligem Tempel. Wie und wodurch wird der Mensch ein Glied der heiligen Gemeinde Jesu? Etwa durch den heiligen Geist, das Wort, das Sacrament Gottes, den Glauben? Ei behüte! der Eine durch den löblichen Entschluß: um des Wortes und Sacraments willen, einer solchen Versammlung anzugehören, aus Gehorsam gegen Gottes Befehl, also durch ein gutes Werk; der Andere der Sitte wegen; ein Dritter durch obrigkeitlichen Zwang; ein Vierter wegen einer Heirath; ein Fünfter, das tägliche Brod leichter zu finden; ein Sechster weiß selbst nicht, wie er dazu gekommen u. s. w. Wo bleibt die Einheit der Kirche? Die überläßt man den Altgläubigen. Und wo die geistige Einigkeit der Kirche, von welcher die Apologie sagt, ohne sie könne auch der Glaube im Herzen und die Gerechtigkeit vor Gott nicht vorhanden sein? Genug, wenn Lehrer und Hörer sich wohl vertragen; vielmehr gerade darauf kommt Alles an, davon hängt der ganze Bestand der Kirche ab. — Das Auge christlicher Erkenntniß muß dem Erblinden nahe sein, wo man nicht mehr erkennen kann, ob diese Beschreibung der wahren Kirche Christi vom Weinstock oder Dornbusch gepflückt ist. Wer dieses als lutherische Lehre aus der Apologie heraus lesen kann, ist fähig, den Befehl, zu morden, aus dem fünften Gebote herauszulesen. Nur eine Frage zum Schluß. Haben Sie noch nicht sich über die sonderbaren Schlüsse gewundert, welche der Apologie bei der Lehre von der Kirche zur Hand sind? Z. B. dasjenige, was die Menschen nicht vor Gott gerecht macht, das brauchen auch die Menschen nicht um die Kirche Christi zu sein. Wollen Sie lehren: Das Zusammentreten zu einem sichtbaren Gemeinde⸗Verbande macht die Menschen gerecht vor Gott? Und wenn nicht, was fangen Sie mit der kühnen missourischen Apologie an? Daß Grabau diese Definition der Kirche nöthig hat, ist leicht zu erkennen. Sie jedoch scheinen den Kern seines Streites mit den Missouriern noch gar nicht gefaßt zu haben. Ich muß Ihnen auf die Spur helfen. Grabau hat seit Jahren mit Ansprüchen in der christlichen Kirche sich festzusetzen gesucht, welche nur mit denen eines übermüthigen Eroberers sich vergleichen lassen. Er verlangt in der Kirche zu gebieten und unbedingten Gehorsam geleistet zu sehen. Dieses angemaßte, das ganze heilige Wesen der Kirche höhnende Recht begründet er folgender Weise: Der Prediger ist Standes⸗Person in der Kirche (Inform. 1, 73.), also Baron oder Fürst. Die Kirchen⸗Gewalt ist nur ein Amtsname des Pastors (Inform. 1, 85.), ihm also gebührt der Titel: Gewalthaber der Kirche Jesu Christi. Die Laien, oder mit einem von ihm gebrauchten Ausdruck: der Pöbel (Inform. 5, 188.), sind die Leibeigenen des adlichen Herrn. Sie sind verpflichtet zur Treue gegen ihn und zum Gehorsam in allen Dingen, die nicht wider Gottes Wort, d. i. sündlich sind (Hirtenb. 14). Ein Herr kann von seinem Sclaven nicht mehr verlangen. Grabau jedoch fordert mehr, denn ein geistlicher Herr ist mehr, als ein weltlicher. Die