# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_October 1857_S293 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Von einem Landpfarrer. 293 vollendet sich darstellen in voller Anzahl der Glieder, ohne Streit, ohne ungleiche Vertheilung, ohne Verwirrung, rein, heilig, schön, stark, innerlich frei in höchster Würde, in ewig dauernder Ordnung. Jetzt ist die Einheit der Kirche nur eine innerliche im Glauben bestehende, nicht in der äußern Natur sichtbare; ihre Glieder sind zerstreut über den Erdkreis. Jetzt ist das Geschäft der Kirche nicht, sich zu verfassen, sondern Menschen in ihre Gemeinschaft des Glaubens zu sammeln und die Gesammelten darin zu erhalten und zu stärken. Dazu hat sie von ihrem Haupte Gaben empfangen: Apostel, Propheten, Evangelisten, Hirten, Lehrer, Wunderthäter, Heilgaben, Helfer, Regierer, mancherlei Sprachen. Ihre jetzige Organisation und Thätigkeit ist nicht die ihrem Zwecke entsprechende, sondern eine vorläufige, welche mit dem Stückwerke der Gaben aufhören wird. Diese vorläufige Anordnung ihrer Glieder ist keine äußerliche Articulation eines großen Ganzen, von welcher selbst die apostolische Zeit nichts weiß. Ihr ist das Zusammenleben in geordneten Gemeinden ebenso gemäß, als in besonderen Fällen das Freisein vom äußeren Gemeinde⸗Verbande. In ihr findet sich der wandernde Paulus nicht weniger, als Jacobus in Jerusalem. Das räumliche Zusammenwohnen und das räumliche Zerstreutsein muß beides dem himmlischen Oberhaupte zur Sammlung und Erhaltung der Gläubigen dienen, ohne daß das Glied selbst dadurch mehr oder weniger fest mit dem Leibe der Kirche verbunden wäre; und nicht die Kirche wird zerstört, wenn Gott den Verfolgern zuläßt, die Gemeinschaftsbande zu zerreißen und die Glieder zu zerstreuen. Denn in der äußeren Zerstreuung und ungleichen Vertheilung der Gaben sind sie innerlich doch Eins im Glauben. Die Kirche Christi ist also die Gesammtheit aller an Christum wahrhaft Gläubigen, innerlich zu Einer heiligen Gemeinschaft verbunden. Ihr gehören alle Gaben Christi, also auch jedem Gläubigen, zwar nicht sofern dieser sich als Einzelner von und in der Kirche unterscheidet — denn was der Gemeinde gegeben ist, gehört auch nur ihr — wohl aber auch dem räumlich Einzelnstehenden; denn da die Kirche nicht räumlich, sondern geistig vereinigt ist, ist auch der räumlich vereinzelte Gläubige Eins mit ihr. Wo darum der Christ im Glauben bekennt und handelt, bekennt und handelt die Kirche. In ihr ist völlige Freiheit und Gleichheit, denn in Christo sind sie Alle nur Einer, und unter ihnen selbst ist nicht etwa Einigen mehr, Anderen weniger Willkür zugestanden, so daß Jene durch ihre Willkür drücken könnten auf diese und die Freiheit in ungleichem Maße vertheilt wäre; sondern eine solche Freiheit in Willkür ist ganz ausgestoßen aus einer Verbindung, welche einzig von dem heiligen Geiste regiert wird, der allen Gliedern angehört. Und da auch die specielle Begabung und der specielle Beruf nicht dem Einzelnen zu willkürlicher Verwendung geschenkt, sondern der ganzen Kirche Eigenthum ist, unterscheidet sich der Christ als Einzelnen nur durch den nach Gabe und Beruf besonderen Dienst, welchen er dem Ganzen leisten soll. Denn Einer ist des Anderen Glied, jedes Einzelne das Glied aller übrigen. Von der durch