# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1847 02 09_S70 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) macht erloſchen iſt und nicht wieder geſucht wird, ſo iſt eines ſolchen Predigers Verwal⸗ tung der allerheiligſten Sacramente IEſu Chriſti ungültig; mögen dieſe Stiftungen des Sohnes Gottes immerhin nach ſeinem Worte und ſeiner Einſetzung gefeiert werden, fehlt ihnen unſer Siegel, ſo iſt Gottes Wort un⸗ kräftig, Gottes Einſetzung nichts, Gottes Ver⸗ heißung vergeblich. Eine ſo abſcheuliche Lehre haben ſelbſt die Old school Presbyterianer,*) ja ſelbſt die Pa⸗ piſten nicht; die falſche Lehre der letzteren, daß zu gültiger Verwaltung eines Sacraments die „Intention“ deſſen, der es vollzieht, gehöre, iſt noch golden gegen dieſe von einer „lutheriſchen“ Conferenz ausgeſprochene. Die Papiſten er⸗ kennen ſelbſt die Taufe der Ketzer für gültig an, und jene Conferenz erklärt ſelbſt die Taufe eines nach ihrer Meinung nicht rechtmäßig Berufenen für ungültig! Kennt denn die Conferenz die Lehre der heil. Schrift und unſerer Kirche ſo gar nicht, daß ſie nicht weiß, daß ein gewaltiger Unter⸗ ſchied zwiſchen rectum und ratum d. i. „Recht⸗ mäßigkeit und Gültigkeit“ ſtattſindet, daß eine Amtsverwaltung unrechtmäßig ſein kann, daß ſie aber doch gültig bleibt, wenn ſte nach Gottes Wort und Einſetzung geſchieht? Weiß denn die Conferenz nicht, daß die Kraft des Wortes und der heil. Sacramente nicht von Menſchen, nicht von Amt und Beruf und deſſen Rechtmäßig— keit, viel weniger von einer menſchlichen Ord— nung abhängt? Iſt denn der Conferenz jenes bekannte, von unſern Theologen recipirte, kurze Sprüchlein des heil. Auguſtinus nicht bekannt worden: „Accedit verbum ad elementum et fit sacramentum, das iſt: Das Wort kommt zu dem Element, Und ſo wird es ein Sacrament“? Hat denn die Conferenz nicht auch daran gedacht, wie ſchrecklich ſie durch einen ſolchen Beſchluß die Gewiſſen kränken und verwirren werde? Denn wer kann ſeiner Taufe, ſeiner Communion, ſeiner gültigen Eheſchließung ge⸗ wiß ſein, wenn jener Conferenzbeſchluß wahr wäre, daß ſchon eine Unregelmäßigkeit im Be— rufe dies alles ungültig mache? Wehe dann der ganzen Chriſtenheit, denn wer kann alles wiſſen, was bei der Berufung eines Predigers vielleicht Unregelmäßiges, ja Unchriſtliches vorgegangen iſt? Aber wohl den Chriſten, ſie haben keinen menſchlichen, ungewiſſen, ſchwan⸗ kenden Grund für ihren Glauben an die Gül⸗ tigkeit der empfangenen Sacramente, als ihnen jene Conferenz unterlegen will; ſie wiſſen es, daß die Würdigkeit oder Unwürdigkeit ihrer Verwalter denſelben weder etwas geben, noch nehmen kann. Möchte ſich jeder Candidat durch das vorlie⸗ gende Beiſpiel warnen laſſen, ſich wider alle göttliche Ordnung, wie hier gebräuchlich, licen— ſiren und dadurch ſeinen göttlichen Beruf auf Menſchen bauen und ſich ſo zu einem Knechte der Menſchen, anſtatt Chriſti, machen zu laſſen. *) Dieſe haben bekanntlich „beſchloſſen,“ daß die Taufe eines römiſchen Prieſters ungültig ſei, weil ein ſolcher nicht ein Diener einer (?) wahren Kirche ſei, da man die römiſche aus der Liſte derſelben ausſtreichen müſſe. Sie gründen alſo Chriſti Stiftung nicht auf ſein Wort, ſondern auf die Kirche. Siehe Lutheraner Jahrgang 1. No. 25. Seite 3. 70 Zum Beſchluß theilen wir ein wichtiges Zeugniß von dieſer Sache aus Luthers köſtli⸗ cher Schrift von der Winkelmeſſe und Pfaffen⸗ weihe vom Jahre 1533 mit. Luther ſchreibt folgendermaßen: „Die heilige Stätte oder Kirche lehret alſo, daß weder Prieſter noch Chriſten ein einiges Sacrament machen, auch die heilige chriſtliche Kirche ſelbſt nicht.“ ... „Alſo der Täufer macht keine Taufe, ſondern Chriſtus hat ſie zuvor gemacht; der Täufer reicht und gibt ſie allein. Denn da ſtehet Chriſti Ordnung, die iſt, wie St. Auguſtinus ſpricht: Accedit verbum ad elementum, et fit sacra- mentum, wenn man Waſſer nimmt, und thut ſein Wort dazu, ſo iſts eine Taufe, wie er be⸗ fiehlt, Matth. am letzten, v. 19: Gehet hin, lehretalle Heiden und taufet ſie im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geiſtes ⸗ö Dieſer Befehl und Einſetzung die thuts; die machen, daß Waſſer und Wort eine Taufe iſt; unſer Werk oder Thun, ex opere operato, thuts nicht. Denn es heißt nicht darum eine Taufe, daß ich taufe, oder das Werk thue, wenn ich auch heiliger, denn St. Johannes oder ein Engel wäre. Sondern darum heißt mein Tau⸗ fen eine Taufe, daß es Chriſti Wort, Befehl und Einſetzung alſo geordnet hat, daß Waſſer und ſein Wort ſollen eine Taufe ſein . ... „Alſo auch, daß Brod und Wein Chriſti Leib und Blut werde, iſt nicht unſers Thuns, Spre⸗ chens noch Werks, viel weniger des Chreſems“ (noch weniger einer amerikaniſchen Licenz) „oder Weihe Schuld; ſondern es iſt Chriſti Ordnung, Befehl und Einſetzung Schuld: Derſelbe hat befohlen (wie St. Paulus ſaget 1 Cor. am 11, 23.): Wenn wir zuſam⸗ menkommen, und ſeine Worte über Brod und Wein ſprechen, ſo ſoll es ſein Leib und Blut ſein; daß wir hier auch nicht mehr thun, denn reichen und geben Brod und Wein mit ſeinen Worten, nach ſei⸗ nem Befehl und Einſetzung. Und ſolch ein Befehl und Einſetzung vermag und ſchafft, daß wir nicht ſchlecht Brod und Wein, ſondern ſei⸗ nen Leib und Blut, darreichen und empfahen, wie ſeine Worte lauten: „Das iſt mein Leib, das iſt mein Blut;“ daß nicht un⸗ ſer Werk oder Sprechen, ſondern der Befehl und Ordnung Chriſti das Brod zum Leibe, und den Wein zum Blute macht, vom Aufang des erſten Abendmahls bis an der Welt Ende, und durch unſeren Dienſt oder Amt täglich ge— reicht wird“ .. „Denn das müſſen wir glau⸗ ben und gewiß ſein, daß die Taufe nicht unſer, ſondern Chriſti ſei, das Predigtamt nicht unſer, ſondern Chriſti ſei, das Sacrament nicht unſer, ſondern Chriſti; denn er hat ſolches alles gere— det und hinter ſich gelaſſen in der Kirche, zu üben und gebrauchen bis an der Welt Ende, und lüget und trüget uns nicht: darum können wir auch nichts anders daraus machen, ſondern müſſen ſeinem Befehl nach thun und ſolches halten. Wo wirs aber ändern oder beſſern, ſo iſt's nichts, und Chriſtus nicht mehr da, noch ſeine Ordnung, und ich will nicht ſagen, wie die Papiſten, daß kein Engel noch Maria könne wandeln ꝛc., ſondern ſo ſage ich: Wenn gleich der Teufel ſelbſt käme, (wenn er ſo fromm wäre, daß ers thun wollte oder könnte,) aber ich ſage, daß ichs hernach erführe, daß der Teufel ſo herein ins Amt geſchlichen wäre, oder hätte ſich gleich laſſen, als in Man⸗ nes Geſtalt, berufen zum Pfarramt, und öſ⸗ fentlich in der Kirche das Evangelium gepre⸗ digt, getauft, Meſſe gehalten, abſolvirt, und ſolch Amt und Sacrament, als ein Pfarrherr, geübt und gereicht, nach dem Befehl und Ord⸗ nung Chriſti, ſo müßten wir dennoch bekennen, daß die Sacramente recht wären, wir rechte Taufe empfangen, recht Evangelium gehöret, rechte Abſolution gekriegt, recht Sacrament des Leibs und Bluts Chriſti genommen hätten. Denn es muß unſer Glaube und Sacrament nicht auf der Perſon ſtehen, ſie ſei fromm oder böſe, geweihet oder ungeweihet, berufen oder eingeſchlichen, der Teufel oder ſeine Mutter, ſondern auf Chriſto, auf ſeinem Wort, auf ſeinem Amt, auf ſeinem Befehl und Ordnung. Wo dieſelben gehen, da muß es recht gehen und ſtehen, die Perſon ſei wer und wie ſie wolle oder könne.“ Luthers Werke, XIX., 1547 ffl. Rechte Weiſe, mit Einfaͤltigen umzugehen. Als Luther auf ſeiner Kirchenviſitationsreiſe Bürger und Bauern bisweilen ſelbſt exami⸗ nirte, und ihm da einmal ein Bauer die Glau⸗ bensartikel aufſagte und ſprach: „Ich glaube an Gott, den Allmächtigen,“ fragte Luther, was allmächtig bedeute. Der gute Mann antwortete: „Ich weiß nicht. —„Ja, mein lie⸗ ber Mann, erwiederte Luther, ich und alle Ge⸗ lehrte wiſſens auch nicht, was Gottes Kraft und Allmächtigkeit iſt. Glaub' aber du in Ein⸗ falt, daß Gott dein lieber, treuer Vater iſt, der will und kann, als der weiſeſte HErr, dir, dei⸗ nem Weibe und deinen Kindern in allen Nö⸗ then helfen.“ — Die deutſche ev. luth. Synode von Miſſouri, Ohio und andern Staaten hält ihre erſte Sitzung am Montag nach Dom. Jubilato, den 26. April 1847 in Chicago, Illinois. Bekanntmachung. Das neue „Kirchen-Geſangbuch für evan⸗ geliſch-lutheriſche Gemeinden ungeänderter Augsburgiſcher Confeſſion,“ herausgegeben von einigen lutheriſchen Predigern in Miſſouri und verlegt von der hieſigen lutheriſchen Ge⸗ meinde, wird binnen drei Monaten die Preſſe verlaſſen. Dies zur Antwort auf mehrfach deshalb an uns gethane Anfragen. Nächſtens hiervon ein Mehreres. Bezahlt: 1. Hälfte des 3. Jahrg. Hr. Alt (2 Eremplare.) 3. Jahrg. die Herrn Paſt. JI. G. G. Kranz, Landwehr, J. F. Meyer, Paſt. Wier. Erhalten für die Heidenmiſſion am Fluſſe Cass, Mich. Von Herrn Neidenberger $1,00. Neue Adreſſeu. Rev. J. G. G. Kranz, Mercer P. O., Mercer Co., Pa. Rev. F. Lochner, Edwardsville, Madison Co.„ IIls. Gedruckt bei Weber und Olshauſen. — — —2—