# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1844 11 02_S17 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Der Lutheraner. „Gottes Wort und Luthers Lehr' vergehet nun und nimmermehr.“ Herausgegeben von C. F. W. Walther. Jahrgang 1. St. Louis, Mo., den 2. November 1844. No. 5. Bedingungen: Der Lutheraner erscheint alle zwei Wochen einmal für den Subscriptionspreis von Einem Dollar fünf und zwanzig Cents für die auswärtigen Unterschreiber, welche davon die Hälfte vorauszubezahlen und das Postgeld zu tragen haben. — In St. Louis wird jede einzelne Nummer für 6¼ Cents verkauft. Der Ungläubigen Krieg und Sieg. Wiegt sich der Königsaar im blauen Aethermeer, Schnell sammelt sich ein Schwarm von Feindchen um ihn her, Die wagten gar zu gerne den gloriosen Strauß, Und rissen ihm ein Federlein aus seinem Kopf heraus. Zaunköniglein und Krähen, zutheuerst Schwälbchen fein, Sind auf den armen Adler mit Waffensturm hinein, Und läßt er stumm sich nieder, unachtend ihr Geschrei, So blasen sie: Victoria! daß er geschlagen sei! Die Christusweisheit schwebet still ob der Erde hin, Und hat auch ihre Feindchen, die streng zu Felde ziehn; Weisheitchen klein und mittel, mit langen Schnäbelein, Sind auf die arme Weisheit gar zorniglich hinein. In Zeitunglein mit neuen und alten Fabulis Hebt gegen ihre Flügel sich mancher Krähenspieß; Sie schweigt in stolzer Ruhe, sie schwebet freudig fort, — Ihr aber, tapfere Vögelein, habt doch das letzte Wort! — — — Ob sie's haben werden?*) H. L. C. Beiträge zur Vertheidigung der christlichen Religion gegen die gewöhnlichsten Einwürfe der Spötter und Lästerer unserer Tage. Es ist eine gewiß von allen, in der Geschichte der christlichen Kirche bewanderten, Christen gemachte Wahrnehmung, daß die Feinde des Christenthums in unsern Tagen wider dasselbe nichts vorbringen, was nicht schon tausendmal, oft auf viel geschicktere und mehr verführerische Weise, an den Tag gegeben, aber auch von treuen Knechten Christi wiederholt gründlich widerlegt worden wäre. Es scheint daher in der That ein überflüssiges Unternehmen zu sein, gegen solche überwundene Feinde in die Schranken zu treten. Es dürfte wohl manchem genug zu sein dünken, daß man die alten Vertheidigungen des Christenthums wider alle auf dasselbe gemachte Angriffe aufs neue zur Beschämung des jetzigen Unglaubens drucken ließe. Dem ist jedoch nicht so. Mögen auch die jetzigen Gegner der göttlichen Offenbarung nur die alten schon zerbrochenen Pfeile ihrer Unglaubensväter wieder auflesen, um sich damit zu ihren neuen Feldzügen gegen Christum, den König der Wahrheit, zu rüsten, so haben sie doch den alten Geschossen einen solchen Anputz gegeben, daß sie vielen ganz neu, ja, fürchterlich erscheinen; sie haben neue Fechterstreiche erfunden, vor welchen nicht wenig unerfahrne Kämpfer in Verlegenheit und Bestürzung gerathen. Und thun sie, wie gesagt, eben nichts, als daß sie das Alte zum Ekel Verständiger immer wiederkauen, so verstehen sie doch oft das unzähligemal aufgewärmte Gericht dem Gaumen einer gewissen Classe von Leuten durch eine neue Würze wieder schmackhaft zu machen. *) „Er aber verstummte.“ Matth. 22, 12. Da nun insonderheit in diesem unserem neuen Vaterlande der Unglaube sein Haupt so frei und hoch erhebt, wie noch nie, so halten wir es für unsere Schuldigkeit, als Herausgeber eines christlichen Blattes, die Nichtigkeit alles dessen zu zeigen, womit man hier den Glauben an Gott und sein heiliges Wort aus dem Herzen des Volkes zu reißen trachtet, und diesem Gegenstand nicht den letzten Platz in unserem Blatte einzuräumen. Denn wenn wir für Gottes Wort kämpfen, so kämpfen wir eben für das, was wir lutherische Lehre nennen. Wir sind zwar von manchen Seiten her gewarnt worden, über Gegenstände uns öffentlich auszusprechen, die hier meist so behandelt werden, als sollte die Besprechung derselben nicht die Wahrheit in's Licht setzen, sondern allein zu pöbelhafter Verunglimpfung von Personen und ganzer von dem Staate hier freundlich aufgenommener Corporationen dienen. Wenn wir aber bedenken, daß der Muthwille und Frevel der Ungläubigen immer höher steigen müsse, so diejenigen schweigen, die die alte ewige Wahrheit noch festhalten, und daß jene auf die Gedanken kommen müssen, wir Christen seien froh, wenn wir nur in der Stille ihrer Gnade leben dürften; wenn wir ferner bedenken, wie mancher dadurch irre wird, daß er sieht, wie es niemand wage, denen zu widersprechen, die den Allmächtigen im Himmel und sein seligmachendes Evangelium verhöhnen und lästern; und wenn wir endlich bedenken, wie es zur Schmach des hohen heiligen Namens Gottes gereichen müsse, wenn diejenigen auch nur den Schein einer Furcht vor einem Menschen, also vor einem sündigen Staube, zeigen, die sich rühmen, den wahren lebendigen Gott erkannt zu haben: — wenn wir dieses alles bedenken, dann können wir nicht umhin, unsere schwache Stimme zu erheben gegen die Feinde unseres HErrn, selbst wenn wir davon nichts zu erndten hoffen könnten, als Bedeckung mit Schmach und Schande. Aber wir meinen, vielleicht könnte doch der barmherzige Heiland uns würdigen, hierdurch ein Werkzeug für manche zu werden zu Tilgung genommener Aergernisse, zu Benehmung ihrer Zweifel und zu Stärkung ihres Glaubens. Und o! wie wollten wir uns freuen, wenn wir hierdurch auch nur Eine Seele von dem Irrthum ihres Weges zurückführen oder in der erkannten Wahrheit befestigen sollten! Indem wir nun in der gegenwärtigen Nummer unseres Blattes den Anfang machen, die Einwürfe zu beleuchten, die man gegenwärtig wider das göttliche Ansehen der heiligen Schrift und ihren Inhalt macht und unter das Volk zu bringen sucht, so müssen wir sogleich im voraus eine Erklärung thun. Die meisten Bibelfeinde unserer Tage führen ihre Kriege nicht wie gesittete Völker, denen selbst im Kriege das Völkerrecht heilig ist, und die dabei gewisse Ordnungen und Gesetze beobachten und ehrliche Schlachten liefern, sondern sie verfahren dabei wie unsere Indianer und alle Barbaren, die nirgends Stand halten und nur hie und da einen Ueberfall machen, am liebsten Wehrlose niedermetzeln und nach Gelegenheit plündern, sengen und brennen. Hiernach muß sich natürlich auch derjenige richten, der ihnen die Stirn bieten will. Auch wir sehen uns daher bei der unternommenen Vertheidigung in die Nothwendigkeit versetzt, aphoristisch zu Werke zu gehen, die Gegengründe, wie sie gerade kommen, einem Examen zu unterwerfen und den Lug und Trug, den man sich dabei als Mittel zum heiligen Zwecke erlaubt, aufzudecken. Wir werden uns dabei aller ungesitteten Witzeleien und Gemeinheiten enthalten, also nicht Gleiches mit Gleichem vergelten; denn thäten wir dies auch nicht schon um Gottes willen, so wissen wir, daß derjenige, der zu solchen Waffen greifen muß, damit nur die eigne Einsicht in 3