# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_September 1857_S286 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 286 Kirchlich⸗Zeitgeschichtliches. bekannt sein kann, gehören also alle jene in unverschuldeter Unwissenheit lebenden Menschen in den verschiedenen Bekenntnissen. Die Kirche betrachtet sie als die Ihrigen und setzt ihnen sogar einen Bischof in partibus infidelium. So giebt es bei uns Bischöfe deren Diöcesen in Asien, Afrika u. dgl. liegen, in denen vielleicht nicht Ein Glied der sichtbaren, aber gewiß sehr viele Glieder der unsichtbaren Kirche leben. c) Die dritte Klasse sind endlich die vom Glauben Abgefallenen, Abgerissenen, in der Ketzerei wissend oder unwissend Lebenden; Letztere gehören ohnehin zur unsichtbaren Kirche. Erstere rechnet sie zu ihren Kindern in der Hoffnung auf ihre Rückkehr. Auch diese haben ihre Bischöfe. So ist z. B. Deutschland noch heute in Diöcesen getheilt, deren jede ihren Bischof in partibus infidelium hat, dessen Amt aber ein apostolischer Bikar mit bischöflicher Würde versieht, welcher aber wieder Bischof einer anderen Diözese ist. Dr. Wm. M. Reynolds ist, wie wir aus dem „Olive Branch“, redigirt von Dr. Harkey, ersehen, zum Präsidenten der s. g. Illinois State University zu Springfield erwählt worden. Im genannten Blatt heißt es: „Es ist bekannt, daß er (Reynolds) allewege ein Generalsynoden⸗Mann gewesen ist und auf der Lehrbasis derselben steht, darauf auch unsere Illinois⸗Synoden und unsere Anstalt allewege gestanden hat und wie wir uns versichert halten zu stehen fortfahren wird.“ Wir müssen gestehen, wenn die Ueberzeugung von dem Standpunkte Herrn Dr. Reynolds', die offenbar zu dessen Wahl von entscheidendem Einfluß gewesen ist, gegründet ist, so sind die Hoffnungen, welche die rechtgläubige Kirche Amerika's von des Genannten Wirksamkeit für sie seiner Zeit faßte, leere gewesen, denn wer auf der Lehrbasis der Generalsynode bauen will, kann nur Babel darauf erbauen. II. Ausland. Italien. Die kirchliche Bewegung in Italien dauert und schreitet fort, sowohl auf antirömischer als erzrömischer Seite. Das beweisen folgende Vorgänge und Thatsachen: I. Die eine von den drei Gemeinden in Sardinien, welche sich evangelisch⸗italienische heißen, die in Nizza, hat sich nach griechischem Styl eine Kirche gebaut, die, auf 600 Zuhörer berechnet, am 27. November im letztverflossenen Jahr feierlich eingeweiht worden ist. Dr. Malon hielt auf italienisch ein Gebet und der Pfarrer der Gemeinde, Pilatte, die Eintrittspredigt über Joh. 4, 24., nachdem zuvor der Moderator der waldensischen Synode, Dr. Revel die Ansprache gethan, woraus man schließen darf, daß nunmehr diese Gemeinde, — wohl mit ihren Schwestern in Turin und Genua — den gewünschten und nachgesuchten Anschluß an die Waldenser Gemeinden doch erlangt hat, was noch nicht der Fall war, als Freimund darüber am 27. März vorigen Jahres in No. 13 seines Blattes p. 159 und 160 berichtete. II. Im sardinischen Parlament beantragt man einen Gesetzentwurf dieses Inhalts: „1) Die römisch⸗katholische Kirche erklärt hierdurch ihre Unabhängigkeit von Rom, und der König von Sardinien ist der oberste Protector derselben. 2) Die Geistlichkeit wird vom Staate besoldet. 3) Das canonische Gesetz und die Beschlüsse der Concilien haben fortan keine Gesetzeskraft mehr. 4) Die Tradition, sofern sie Quelle der Glaubenslehre sein will, hat keine Gültigkeit mehr. 5) Das Lesen der heil. Schrift soll jedermann freistehen, und deren Auslegung dem Gewissen jedes einzelnen überlassen bleiben. 6) Das Abendmahl soll unter beiden Gestalten ausgetheilt werden. 7) Die Ehelosigkeit der Geistlichen soll nicht mehr Gebot sein. 8) Beim Gottesdienste soll die lateinische Sprache nicht mehr gebraucht, und die Feiertage sollen vermindert werden.“ III. Durchs ganze Land besteht ein Geheimbund, der von der Polizei und von der Klerisei mancher italienischer Staaten nicht bloß gekannt, sondern auch begünstigt sein soll. Der