# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_September 1857_S285 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Kirchlich⸗Zeitgeschichtliches. 285 den können. Merkwürdig ist, daß diese Synode das Licenzirungs⸗System, als einen jener „alten Gebräuche der Kirche, die in diesem Lande seit mehr als hundert Jahren im Schwange gegangen sind,“ beibehalten wissen will. Die Synode beeilt die Errichtung eines Colleges und theol. Seminars zu Des Moines, Jowa, um selbst „gründlich gebildete“ Prediger für das intelligente und unternehmende Volk von Jowa zu erziehen, mit der Bemerkung, daß in den „alten Countries“ Männer „von mittelmäßigen Kenntnissen und beschränkten Talenten“ durchkommen möchten, daß aber Jowa gelehrtere und talentvollere Männer bedürfe! Swedenborgianismus. Bei Gelegenheit der Anzeige, daß Pastor Türk ein Swedenborgianer geworden, bemerkte der Missionary von Pittsburgh, daß die Secte der Swedenborgianer die Lehre von der Vollkommenheit und Zureichendheit der Schrift und von der heil. Dreieinigkeit leugne. Merkwürdigerweise haben die Swedenborgianer dies in ihrem New Jerusalem Messenger für eine unwahre Beschuldigung erklärt Ein neuer Beweis, wie alle Secten bei ihrer falschen Lehre immer ein böses Gewissen haben und daher gern unter der Flagge der Rechtgläubigen segeln. Texas. Ein gewisser Herr Gideon Scherer meldet im „Luth. Observer“, daß die Errichtung eines lutherischen College in Texas im Werke sei, und fordert zugleich Herrn Dr. Benjamin Kurtz, der seine Editorschaft bald niederzulegen beabsichtigt, als den Mann to „fill the bill“, auf, die Präsidentschaft des Colleges zu übernehmen oder einen passenden Mann dazu vorzuschlagen. Jedenfalls dürfe dies kein dem „Symbolismus“ ergebener und müsse ein beider Sprachen, der englischen und deutschen, mächtiger sein, da in Texas nur der luth. Prediger sein Brod finde, welcher in beiden Sprachen predigen könne. Die letztere Bemerkung klingt uns verwunderlich. Nach unserer Erfahrung können selbst kleine und arme deutsche Gemeinden ihren Prediger allerdings erhalten, vorausgesetzt, daß der Prediger nicht gar zu viel „Brod“ gebraucht. Die ostpennsylvanische Synode hat bei ihrer letzten Jahresversammlung den Beschluß gefaßt: „daß eine Committee niedergesetzt werde, zu berichten, ob es angemessen sei, Laien von gesundem Urtheil und guter allgemeiner Bildung Vollmacht zu geben, das Evangelium von Jesu Christo zu predigen.“ Im „Luth. Obs.“ wird dies „an important resolution“ genannt. Das ist sie allerdings, denn sie zeigt, daß vielen Amerikanisch⸗Lutherischen selbst die theologische Bildung, welche in den hiesigen Instituten erlangt wird, Ueberfluß zu sein scheint oder daß unter ihnen, die doch so viel von „vital piety“ im Gegensatz zu den „symbolischen Lutheranern“ zu rühmen wissen, nicht so viel Eifer ist, die nöthigen Institute nach Bedarf zu unterstützen. Wie die Römischen jetzt von der Kirche lehren. Folgendes lesen wir in dem „Wahrheitsfreund“ von Cincinnati in der Nummer des 13. August: „So kann es heut zu Tage gar viele Heiden, Juden, Muhamedaner und Protestanten geben, die in unverschuldeter Unwissenheit mit frommen Herzen nach dem Ausspruch ihres Gewissens leben, der frommen Begierde gemäß, Gott wahrhaft zu gefallen durch Glauben und Tugend. Heiden, Juden, Muhamedaner sind durch diese heilige Begierde getauft, Protestanten durch diese heilige Begierde katholisch. Was können alle diese dafür, daß sie vom wahren Glauben nichts wissen und nie Gelegenheit hatten, ihn kennen zu lernen? — Von diesen sagt die Schrift, daß sie nicht nach dem Gesetze, sondern nach ihrem Gewissen werden gerichtet werden. Die Kirche betrachtet sich vermöge ihrer göttlichen Sendung, als geistliche Mutter aller Menschen. Sie nennt alle ihre Kinder, diese ihre Kinder zerfallen nun in drei Klassen: a) in solche, die ihr durch die Taufe und das Bekenntniß angehören und die sichtbare Kirche bilden; b) in solche, welche vermöge ihrer heiligen Begierde und dem dieser Begierde entsprechenden Lebenswandel angehören, ohne sie zu kennen, aber bei denen die Voraussetzung gilt, daß, wenn sie die h. Lehre der Kirche kennen möchten, sie dieselbe gewiß annehmen würden. Um sie zu gewinnen, sendet sie ihnen Missionäre. Zu dieser sogenannten unsichtbaren Kirche, deren Größe Gott dem Herrn allein