# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1847 02 09_S69 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) dem Widertheil nicht laſſen will, (ob Gott will) daß ſie mehr zum Frieden und Einigkeit geneigt wären, denn ich. Denn dieſer Handel iſt nicht gering und ihr (der Reformirten) Vorgeben hat einen Schein, hat auch einen großen An— hang aller, ſo gelehrt geachtet im ganzen deut— ſchen Land, aus Urſachen, die ich weiß; aber es fehlt ihnen an einem Stück, daß ſie nicht wiſſen, wie ſchwer iſt vor Gott zu ſtehen ohne Gottes Wort; Fürwitz und Frevel kann nicht anders handeln, denn wie ſie handeln.“ (Fortſetzung folgt.) (Eingeſandt.) Correſpondenz aus Mecklenburg-Schwerin. „Vom 6 — 8. Auguſt vorigen Jahres fand in Ludwigsluſt eine Verſammlung von unge— fähr 50 Perſonen Statt. Mecklenburg iſt ein lutheriſches Land, indeſſen hatten ſich dennoch mehrere Paſtoren und Gemeinden an die in Hamburg befindliche ſogenannte Norddeutſche Miſſionsgeſellſchaft angeſchloſſen. Dieſelbe iſt ihrem Bekenntniſſe nach unirt, indem ſie zu— gleich reformirte und lutheriſche Zöglinge auf— nimmt und ausſendet, von denen ſie erſtere auf den Heidelberger Katechismus, letztere auf die Augsburgiſche Confeſſion verpflichtet. In der genanuten Verſammlung entwickelte nun Einer, man könnte ſich mit gutem Gewiſſen an die Norddeutſche Miſſionsgeſellſchaft anſchließen, da dieſelbe ſich zur Augsburgiſchen Confeſſion bekenne. Dagegen erklärten die Andern, die lutheriſche Kirche könne nur eine ſolche Miſ— ſionsgeſellſchaft unterſtützen, welche ſich zu den ſämmtlichen lutheriſchen Bekennutnißſchriften hielte. Da aber die Norddeutſche Miſſions— geſellſchaft die Concordienformel und den klei— nen lutheriſchen Katechismus verwürfe, ſo ſei die Losſagung von ihr nicht bloß gerechtfertigt, ſondern auch geboten. Nur Vier beharrten bei der Norddeutſchen Miſſion, weil es ihrem Her— zen zu ſchwer falle, ſich von Freunden zu tren⸗ nen. Möge der HErr nun weiter helfen, daß die Liebe zum kirchlichen Bekenntniſſe alle menſchlichen Rückſichten überwinde, denn zum allgemeinen Beſchluſſe, dieſe Gott mißfällige Vereinignng aufzugeben, iſt es noch nicht gelangt. Darauf machte Superintendent Kliefoth einen Antrag von Caſſel und Berlin bekannt, worin vorgeſchlagen wurde, ſich auf Grund des Augsburgiſchen Bekenntniſſes zu einer allge— meinen Deutſchen Miſſion nach China zu ver— einigen. Indeß wurde derſelbe verworfen, weil nicht unſer ganzes Bekenntniß als Grund— lage anerkannt werde. Dagegen verſprachen faſt Alle, die lutheriſche Kirche Nordamericas zu unterſtützen, welche einen einflußreichen Freund in dem Diakonus Karſten gefunden hat. Derſelbe genießt viel Anſehen und hat großen Eifer für alles, was er ergreift. Der HErr möge das Werk ſegnen. Hat unſere Geiſtlichkeit dem zweideutigen Wirken der Norddeutſchen Miſſion entſagt, ſo wird die Rückkehr zu der reinen Lehre immer entſchiede— ner erfolgen. Unſere Zeit dringt überhaupt! 69 nach jeder Seite hin auf Entſchiedenheit; alle Halbheit wird verachtet. — Erfreulich iſt der Eifer, womit das Herzogthum Lauenburg die reine Lehre ſich zu bewahren ſtrebt, wobei na— mentlich die Wirkſamkeit des Superintendenten Catenhuſen eine geſegnete iſt. Hoffentlich wird dieſes Beiſpiel auch für Mecklenburg fruchtbar ſein. — Durch die Berufung des Profeſſor Delitzſch an die Univerſität zu Roſtock haben wir viel gewonnen. Er erfaßt ſeinen Beruf als Doeent ſehr treu, daß ihm die Vorbereitung täglich bis 8 Stunden koſtet. Dabei iſt er gegen alle freundlich und an⸗ ſpruchslos, frei von aller Vielgeſchäftigkeit. Er wird etwas Tüchtiges hier leiſten und wird bereits hier anerkannt. Ich hoffe, daß ſeine Wirkſamkeit für unſere Miſſion eine geſegnete ſein wird. Auch iſt er Mitglied einer Com-⸗ miſſion, welche zur Prüfung der Candidaten ernannt und zugleich inſtruirt iſt, dieſelben auf ſämmtliche Bekenntnißſchriften zu verpflichten, was ſonſt erſt bei der Ordination geſchah. Freuen Sie ſich mit mir über das Werk des HErrn, und beten Sie zugleich dafür.“ Ja freilich ſollten ſich alle treuen Glieder unſerer theuren Kirche zu einer ernſten Für— bitte vereinigen und den HErrn der Kirche anflehen, daß er doch ja dort in unſerm alten Heimathlande ſeinen Leuchter nicht vom Altar ſtoße. Denn es iſt wohl auch aus Obigem leicht zu erkennen, wie tief das Verderben eines gleichgültigen Unionsgeiſtes um ſich gegriffen haben muß, wenn man die ſynkretiſtiſche Schleicherei des Berliner-Caſſeliſchen Antrages recht erwägt, und wenn man bedenkt, daß in einem alten lutheriſchen Lande, wie Mecklen-— burg, ſelbſt redliche Männer noch im Zweifel ſein können, ob man ſich von der hinkenden Hamburger Miſſion trennen ſolle oder nicht. — Doch aber auch freuen müſſen wir uns bil— lig und dem HErrn danken, wenn wir hören, wie ganze Länder mehr und mehr aus dem bö— ſen Schlaf erwachen und zum kirchlichen Be— wußtſein zurückkehren. Und aber müſſen wir Gott danken, daß es noch eine lutheriſche Kirche Deutſchlands gibt. Ich weiſe nur auf das kleine Ländchen Lauenburg hin, wo man auch in den harten Stürmen der Nenzeit unſern theuren Bekenntniſſen nicht untren geworden iſt, wo die alten Kirchen- und Gottesdienſtord⸗ nungen nie abgekommen ſind, wo die guten Geſangbücher und Katechismen nie von der modernen Flachheit haben verdräungt werden können. Endlich ſollen wir im Angeſichte der harten Kämpfe, unter welchen ſich dort die Wahrheit bei ihren eigenen Kindern erſt wieder geltend machen muß, gegenüber der faſt allge— mein eingedrungenen Flachheit und Lüge, ernſtlich vor der Leichtfertigkeit erſchrecken, mit welcher ſich hier die abgefallenen „lutheriſchen“ Gemeinden ſo vieler Staaten in daſſelbe Ver— derben geſtürzt, ihren Nachkommen im beſten Falle dieſelben Wehen und Kämpfe vorbereitet haben. O kleines Häuflein der ächten luthe— riſchen Kirche, halte feſt, was du haſt, daß dir niemand deine Krone raube. Sollten dann auch zuweilen Unverſtändige, wie jüngſt Paſtor Cronenwett gethan, die feſte Treue ſchmähen, die ſie freilich nicht begreifen, weil ſie ſie nicht haben (Herr Cronenwett denke nur an ſeine ſchmachvolle Uebernahme der Gemeinde zu To⸗ ledo!), ja ſollten ſie wider diejenigen beten, die in Sachen der Schrift und unſeres ſchrift— gemäßen Bekenntniſſes durchaus keine an⸗ dere Conſequenz gelten laſſen, als die, nach ihrem ganzen Umfang und Inhalt (nicht, wie alle Ketzer thun, nach einzelnen aus dem Zuſammenhang geriſſenen Stücken) einfältig und einträchtig zu lehren und zu handeln — ſo laß dich das nicht hoch anfechten, ſondern trage die Schmach Chriſti und wiſſe, daß er bei dir iſt alle Tage bis an der Welt Ende. A. C. Die Columbus⸗Conferenz. Der „Lutheran Standard“ theilt in der Nummer vom 6. Jannar dieſes Jahres einen Bericht von den Verhandlungen der Columbus-— Conferenz der ev. lutheriſchen Synode von Ohio mit. Unter anderem heißt es in dieſem Berichte: „Nachdem über folgenden Gegenſtand eine genaue Unterſuchung (2) angeſtellt worden war: Ob die Amtshandlungen für gültig angeſe— hen werden können, die von Candidaten vollzo⸗ gen werden, nachdem die, in der ihnen ertheil— ten Licenz beſtimmte Zeit abgelaufen und die Licenz nicht erneuert worden iſt? ſo wurde Folgendes als die Meinung der Conferenz an— genommen: Sintemal das evangeliſche Predigtamt gött— licher Einſetzung und von hoher Verantwort— lichkeit iſt, ſo können die Verrichtungen deſſel⸗ ben denen nicht anvertraut werden, welche dazu nicht regelmäßig durch die ehrwürdigen Ge— bräuche unſerer heiligen Kirche bevollmächtigt ſind; — und da Fälle vorkommen, in welchen Perſonen ihrer Würde als Diener IEſu ent— ſetzt werden, weil ſie ſich des heiligen Amtes unwürdig machen, und die dennoch alle Amts— verrichtungen vollziehen zu großem Nachtheil der Religion und Sittlichkeit, indem ſie Schmach auf die Sache Chriſti bringen; daher ſei Beſchloſſen, daß alle Actus Ministeri- ales (alle Amtshandlungen, als Taufe, Ver— waltung des heil. Abendmahles, Einſegnung der Ehe und Confirmation) des Wm. Nichmann und Conrad Mees und aller andern, die in dem-— ſelben Verhältniß zur Kirche ſtehen, in der Meinung dieſer Conferenz ungültig ſind.“ Wir geſtehen, daß wir nimmer gemeint hät— ten, daß es in einer Conferenz, zu welcher auch der Heraus geber des „Lutheran Standard,“ Herr Spielmann, gehört, zu einem ſolchen Be— ſchluſſe würde kommen können. In dieſem Beſchluſſe ſoll angeblich für die Ehre Chriſti, ſeiner Sache und Kirche geeifert und eine Be— ſchimpfung derſelben abgewandt werden; wir müſſen aber laut bezeugen, daß gerade dieſer Beſchluß eine offenbare Schändung des göttlichen Namens, des Evangeliums und der heiligen Stiftungen Gottes enthält. Denn was ſagt dieſer Beſchluß? Er erklärt: Wenn wir, Glieder einer Conferenz in Ohio, einem Prediger keinen Erlaubnißſchein dazu gegeben haben, oder wenn die von uns ertheilte Voll⸗