# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_September 1857_S278 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 278 „Zur Geschichte der neuesten Theologie.“ „Modeartikel“, der täglich mehr Absatz findet, und mich sollte es nicht wundern, wenn heut oder morgen Meister Beelzebub selbst sich „lutherisch“ nennte, um unter dieser Firma desto bessere Geschäfte zu machen.* Dächten alle Unserigen wie ich, so wäre es am gerathensten, den in der Gegenwart bis zur Verächtlichkeit gemißbrauchten „lutherischen“ Namen, auf Grund des 10. Artikels der Concordienformel und altchristlicher Analogien, ganz aufzugeben, — zu Gunsten derer, die ihn in demselben Sinne und Rechte führen, wie weiland des Reformators Flöhe und Wanzen. Für Luther's Glaubensgenossen würde sich wohl ein bezeichnenderer Name finden lassen; auch würden dann gewiß Vorurtheile und Mißverständnisse, wie sie sich, selbst für scharfsichtige und edeldenkende Beurtheiler, so gar leicht an die Namengleichheit heften, beseitigt werden. So die bei Schwarz überall, selbst in den eben angeführten Worten, durchschimmernde, mit seinen sonstigen Behauptungen kaum zu vereinbarende Meinung, als fände sich bei den „Neulutheranern“ ebenfalls „Bekenntnißtreue, unverfälschtes Lutherthum, das Wort Gottes als Prüfstein, die symbolischen Bücher als feste Grundlagen der Kirche“ u. s. w., ein Irrthum, der sich bis zu der Behauptung versteigt, von den „Neulutheranern werde ein Jeder aus der Kirche herausgedrängt, der nicht mehr den alten Besitztitel des Symbolglaubens nachweisen könne“; — „der nicht mehr, als den alten Besitztitel u. s. w.“ hätte Schwarz nach seinen anderweiten Ausführungen schreiben sollen. Darin eben liegt für uns die große Gefahr, daß die „Neulutheraner“ immer wenigstens halb und halb für unsere Glaubensgenossen gelten, während sie doch ganz und gar unter die Neubabylonier gehören, deren Widersacher wir von jeher gewesen sind. Schwarz wolle sich nur noch einmal im Felde von Sinear genau orientiren: die wissenschaftlichen Baumeister seines ersten Kapitels bauen von Osten nach Westen, — die „neulutherischen“ von Westen nach Osten; beide aber bauen an der großen Stadt Babylon, und in deren Mitte treffen sie auf einander und machen sich gegenseitig das Terrain streitig. Das ist das richtige Verhältniß zwischen den beiden Gruppen, — für uns Aufforderung genug, uns an dem Streite nicht zu betheiligen; es ist ein gewöhnlicher Handwerkszank, der uns als ein Kampf gegen Unglauben und Antichristenthum dargestellt wird, — dargestellt nicht von Glaubensgenossen, die einen Hilferuf ergehen lassen, sondern von Solchen, die auf unsern Nothschrei vor 20 Jahren entweder taube Ohren, oder feige Apostasie vom Glauben der Väter zur Antwort hatten; — von Leuten, die wenigstens zu einem guten Theile in keinem andern Verhältnisse zu uns stehen, als die Lapsi zur urchristlichen, die interimistischen Renegaten zur reformatorischen Kirche, — die aber jetzt für die Retter des Evangeliums angesehen sein wollen; — von Leuten endlich, deren geistige Spürorgane „nur ein wenig von der Witterung“ der besten Kirche, aber mitunter sehr viel von der Witterung der besten Küche verstehen. *) Gilt auch von Amerika. L. u. W.