# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_September 1857_S276 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 276 „Zur Geschichte der neuesten Theologie.“ Buches nennt: „Die neue Orthodoxie. Hengstenberg und die Evangelische Kirchenzeitung“ — unseren Lesern mitzutheilen. Mit klarem Blick hat Schwarz, so schreibt Ströbel, die Unterschiede in der „neuen Orthodoxie“ erfaßt, mit gewandter Feder im Ganzen und Großen richtig und treu gezeichnet; der tiefer liegende Grund der ganzen Erscheinung, die practische Unbrauchbarkeit der „modernen Theologie“ für das Volk und die daraus hervorgehende Berechtigung einer Volksreligion gegenüber der esoterischen Philosophenreligion, wird von ihm völlig gewürdigt, und nur einzelnes Factische scheint er nicht an seinen rechten Ort gestellt zu haben. Auch halte ich es nicht für richtig, die verschiedenen Gestalten der „neuen Orthodoxie“ als verschiedene species Eines genus zu betrachten; die erste dieser Gestalten muß, als außer einem Verwandtschaftsverhältnisse mit den übrigen stehend, als ein Ding für sich, betrachtet werden; — doch das sind Nebensachen. Hören wir jetzt den Verfasser selbst; noch gar mancher, sogar von den Unsrigen, kann wenigstens an dieser Stelle etwas von ihm lernen, wäre es auch nur die Kunst, Heterogenes zu scheiden, sich durch gemüthliche Illusionen nicht beduseln zu lassen, und eine gründliche Einsicht in die principielle Verschiedenheit zwischen „orthodox“ und orthodox, „lutherisch“ und lutherisch zu gewinnen. Nach Ueberschauung der zur „neuen Orthodoxie“ gerechneten Streitkräfte fängt Schwarz ihre Classificirung und Characterisirung an. „Es unterscheiden sich leicht drei Reihen. In erster stehen die strengen Lutheraner älterer Zeit, die Altlutheraner, welche ich hier schon und sehr bestimmt von den Lutheranern jüngsten Datums als den Neulutheranern unterschieden wissen will. Sie sind die consequentesten, die orthodoxesten, die reinsten in ihren Intentionen, die rückhaltlosesten, nicht allein in ihrer Opposition gegen den Rationalismus und Pantheismus, sondern auch, was sehr betont werden muß, gegen das Staatskirchenthum und gegen die herrschende Staatsmacht. Ich nenne Männer wie Scheibel, Rudelbach, Guericke, Heubner, Harms, denen sich unter den Laien Huschke und Steffens anschließen. Das strenge Lutherthum, welches sie gegen die Unionsbestrebungen der Zeit als einen heiligen Schatz bewahren wollen, ist in der That die letzte Consequenz der orthodoxen Partei. Denn die Wiedererrichtung der ursprünglichen und ältesten Grundlagen der Orthodoxie, die Wiedererweckung der symbolischen Lehre, in einer Zeit dogmatischer Auflösung und Gleichgiltigkeit, das war doch offenbar der Grundgedanke derselben. Und zu dieser symbolischen Lehre gehörten doch ohne Zweifel die Controverslehren der beiden Confessionen, zur Erhaltung des Altprotestantismus gehörte doch auch die Erhaltung der Sonderkirchen und der Sonderbekenntnisse, in welche die Reformation schon in ihrem Anfange zerfiel und in denen sie practisch wie theoretisch sich verfestigte.“ Nach einem nicht geschmeichelten und darum auch nicht schmeichelhaften Rückblick auf die Unionsgeschichte fährt sodann Schwarz in der Schilderung der „Altlutheraner“ so fort: „Männer dieser dogmatischen Richtung, die in der reformirten Lehre eine Verstümmelung und rationalistische Abschwächung der