# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_September 1857_S274 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 274 Lutherisch⸗theologische Pfarrers⸗Bibliothek. Christenrecht, alles zu richten, zu üben, können wir hier die Bemerkung nicht unterdrücken, daß das Pabstthum in lutherischer d. i. biblischer Weise als das Reich des „rechten eigentlichen Antichrists“ und die Päbste als die eigentlichen Behaupter des antichristischen Stuhls nicht durchaus dargestellt sind. Vergleichen wir Guericke's Werk u. A. mit den Magdeburgischen Centurien, diesem Normalwerk lutherischer Kirchengeschichteschreibung, was den darin wehenden Geist betrifft, so drängt sich uns jene Wahrnehmung mit Gewalt auf. — So viel auch Guericke geschichtlichen Materials in gedrängtester Kürze gibt und so vortrefflich auch die Auswahl desselben ist, so wird doch ein lutherischer Pfarrer darin gar manches (namentlich Biographisches und Literarhistorisches) suchen, was er nicht findet und was Guericke vermöge des von ihm befolgten Zweckes nicht geben wollte und aus Mangel an Raum nicht geben konnte. Als ein Werk zur Ergänzung der Guericke'schen Kirchengeschichte empfehlen wir daher folgendes: „Unpartheiische Kirchenhistorie Alten und Neuen Testamentes, von Erschaffung der Welt bis auf das Jahr nach Christi Geburt 1730. — Jena 1735 bei J. B. Hartung.“ 2 Bände in groß Quart. Dieses Werk ist von mehreren lutherischen Gelehrten ausgearbeitet worden. Begonnen und zum größten Theil ausgearbeitet hat dasselbe Joh. Georg Heinsius, welcher anfänglich als Privatgelehrter zu Jena lebte, hierauf Gymnasial⸗Director zu Pirnau und zuletzt Professor zu Reval wurde, wo er, ohne seine Arbeit zu vollenden, starb. Die Kirchengeschichte des Neuen Testamentes vollendete hierauf M. Ernst Stockmann, Pfarrer in Ober⸗Röblingen, die des Alten Testamentes Johann Andreas Fabricius, Adjunctus zu Jena. Später ist das Werk bis zum Jahre 1750 fortgesetzt worden, als dritter Theil mit einer Vorrede M. Gottfried Büchner's, Jena 1754. Die erste Fortsetzung (1730—1736) fertigte bereits genannter J. And. Fabricius, die zweite und dritte (1736—1745) Dr. Wilh. Fried. Kraft, ein Prediger in Frankendorf, der später nach Göttingen und zuletzt nach Danzig berufen wurde; die letzte Fortsetzung endlich (1746—1750) lieferten M. Christ. Wilh. Becker, Schulrector zu Tännstädt,*) und Johann Christoph Mylius, ein Jenaischer Theolog. Das ganze Werk besteht sonach aus 3 Theilen, gewöhnlich in 4 Bände in groß Quart eingetheilt; 4506 Seiten dieses mächtigen Formats umfassend, die weitläuftigen Register ungerechnet. Ursprünglich ist das Werk (und später wiederholt) in Duodecimo herausgekommen; das erste Bändchen unter dem Titel: „Kurze Fragen aus der Kirchenhistoria des Neuen Testamentes, nach der Methode Herrn Johann Hübners. Jena 1724.“ Das Werk ist auch in das Holländische übersetzt worden. Was die Form der Darstellung betrifft, so ist sowohl die Kirchengeschichte des Alten, wie die des Neuen Testamentes nach Perioden eingetheilt, diese wiederum nach Jahrhunderten. Die Geschichte jedes Jahrhunderts aber wird in 7 Kapiteln abgehandelt: 1. von den Leh⸗ *) Dieser Becker hat auch eine deutsch⸗lateinische Ausgabe des Concordienbuchs besorgt.