# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_September 1857_S273 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Lutherisch⸗theologische Pfarrers⸗Bibliothek. 273 geschichte ist ein ebenso großer Schatz, als Schmuck unserer Kirche in diesen letzten betrübten Zeiten. Nur Neid hat es versuchen können, dem Ruf, in den dieses Buch bis weit außerhalb der Grenzen seines Vaterlandes gekommen ist, etwas abzuzwacken. Gegen Thatsachen ist schlecht philosophiren. Daß das Buch bereits die achte Auflage erfahren hat, trotzdem, daß es einen um seines lutherischen Glaubens willen so verachteten Namen an der Stirn trägt,*) dies ist in dieser Zeit, wo aller Art Bücher, auch kirchenhistorische, täglich wie Pilze aufschießen, ein Beweis für die Gediegenheit und Brauchbarkeit des Guericke'schen Werkes, der jeden anderen unnöthig macht, den Sykophanten, welche es gern herabsetzen möchten, Schamröthe abnöthigt und jeden, der das Buch noch nicht kennt, auffordert: Nimm und lies es! Die Hauptausstellung, die an dem Buch gemacht worden ist, ist diese, daß Guericke, was andere mit großem Aufwand von Mühe und Scharfsinn in neuerer Zeit zur Aufhellung mancher Partien der Kirchengeschichte gefunden haben, ohne weiteres bei seinem Kirchengeschichts⸗Bau mit verwendet hat. Diese Ausstellung ist mehr als lächerlich. Es versteht sich, meinen wir, von selbst, daß ein Geschichtsschreiber die Thatsachen nicht zu machen, sondern das Geschehene, entweder Gesehene oder Gehörte oder Gelesene, nur zu Protocoll zu nehmen hat; je besser er dabei alles Vorhandene, seien es nun unmittelbare oder mittelbare Quellen benutzt, je größer sein Verdienst. Das gilt aber eben auch bei Guericke. Oder sollte man etwa nur darüber zürnen, daß er selbst das von Unirten und Reformirten Gefundene in den Dienst der („alt⸗“) lutherischen Kirche verwendet? Fast scheint es so. Das einzige Mittel, solchem Unheil vorzubeugen, wäre denn, daß die Herrn Unirten und Reformirten ferner nicht so unvorsichtig sich in die Geschichte vertieften und dadurch ferner nicht selbst den Lutheranern Bausteine und Waffen in die Hände lieferten. Die achte oben citirte Auflage der Guericke'schen Kirchengeschichte zeichnet sich in vieler Beziehung vor den früheren aus, theils durch die Beigabe (in der 7. Auflage zuerst beigefügter) dogmengeschichtlicher Excurse am Schlusse jeder Periode, theils durch Berücksichtigung höchst werthvoller, zum Theil erst neu aufgefundener kirchenhistorischer Documente und Benützung neuer Forschungen und Bearbeitungen, theils durch Weglassung in den früheren Ausgaben vorkommender irriger oder doch sehr problematischer Behauptungen. Leider müssen wir es beklagen, daß in der achten Auflage das alphabetische Sachregister um Raumersparniß willen weggelassen und nur das Personalregister behalten ist. Auch an Correctheit des Druckes und Schönheit des Papiers übertreffen die älteren Auflagen die genannte. Um endlich auch gegen einen Mann, den wir als unseren theuren Lehrer verehren, das unveräußerliche *) Im Jahre 1834 wurde Guericke wegen seines Bekenntnisses zur lutherischen Kirche gegen die Union seines Amtes als Universitätslehrer entsetzt und sogar zu Stadtarrest verurtheilt und das Urtheil an ihm vollzogen, in einer Zeit also, „wo der Lutheranername verfehmt und ein lutherischer Theolog wie eine einsame Ruine in der Welt stand,“ wo man nicht, wie jetzt diesen Namen zum Schild seiner Irrthümer gebrauchen konnte, sondern davon nur Schmach und Trübsal erwarten durfte. 18