# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_September 1857_S272 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 272 Lutherisch⸗theologische Pfarrers⸗Bibliothek. Wiedergebornen; 10. von dem Wachsthum des geistlichen Lebens; 11. von den Kennzeichen des geistlichen Lebens; 12. von den Mitteln, dadurch solches Wachsthum befördert werden kann. Jedenfalls zeichnet sich diese „Sittenlehre“ vor allen anderen älteren Schriften dieser Gattung durch rein practischen Inhalt und durch lebhafte Darstellung aus; es ist darin ein großer Schatz von christlicher Erfahrung und Kenntniß des menschlichen Herzens niedergelegt. Ob freilich überhaupt, dies bemerken wir hier zum Schluß, dadurch der Behandlung der sogenannten moralischen Wahrheiten ein Vortheil erwachsen ist, daß dieselben seit Georg Calixt systematisch zusammengestellt und als eine von der Dogmatik abgesonderte Disciplin abgehandelt worden sind, das ist eine Frage, die wir kaum zu bejahen wagen. Wohl aber zweifeln wir nicht daran, daß derjenige, welcher in den größeren dogmatischen Werken unserer älteren theologischen Choragen die Loci de lege, de peccato, de libero arbitrio, de bonis operibus, de sanctificatione et renovatione, de nova obedientia, de cruce, de paupertate u. dergl. recht studirt, kaum das Bedürfniß eines Systems der Ethik fühlen werde. Vor allem aber erinnern wir daran, daß Luthers Auslegung der Bergpredigt, seine große Predigt von der Liebe über 1 Joh. 4, 16—21. (IX, 1253.), seine Sermonen über den Wucher, seine verschiedenen Auslegungen der heiligen zehn Gebote und andere das christliche Leben betreffende und darstellende Schriften eine christliche Moral enthalten, wie sie kein Einzelwerk darbietet. Ja, es findet sich darin eine große Summe von sonnenhellen Wahrheiten aus dem ethischen Gebiet, von denen in anderen Schriften kaum eine Spur zu finden ist und die für alle vorhandenen Systeme der Moral ein unentbehrliches Correctiv enthalten. Wie könnte es auch anders sein, als daß ein Mann, welcher, wie kein anderer, die Herzlehre des wahren Christenthums, die Lehre von der Rechtfertigung allein durch den Glauben, aus welchem allein wahres christliches Leben fließt und fließen kann, erkannt und der Christenheit wieder aufgeschlossen hat — auch, wie kein anderer, die rechten ethischen Principien erkannt und dargelegt und die rechte Entwicklung derselben gegeben hat? — IV. Indem wir nun zu dem vierten Fach einer lutherisch⸗theologischen Pfarrers⸗Bibliothek übergehen, in welchem sich die Werke für historische Theologie im engeren Sinne befinden, kommen wir 1. an die Reihe von historischen Schriftwerken, in welchen die Kirchengeschichte überhaupt enthalten ist. Unbedenklich nennen wir hier als das einem jetzigen lutherischen Pfarrer unentbehrlichste das folgende: „Handbuch der Kirchengeschichte. Von Heinrich Ernst Ferd. Guericke, Doctor und Professor der Theologie. Achte wesentlich verbesserte und vielfach umgearbeitete Auflage. Berlin 1854. Gebauersche Buchhandlung.“ 3 Bände in 8. Wir führen dieses Werk hier nur der Vollständigkeit halber mit auf, da es ohne Zweifel wenig lutherische Pfarrer gibt, die dasselbe nicht schon haben sollten, und diese wenigen entbehren es jedenfalls nur, weil es ihnen an den nöthigen Mitteln zur Anschaffung fehlt. Guericke's Kirchen⸗