# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_September 1857_S271 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Lutherisch⸗theologische Pfarrers⸗Bibliothek. 271 nießbar und zugänglich sein läßt, dem die neuere Terminologie nicht nur, sondern auch die ganze jetzt gäng und gebe gewordene abstracte Anschauungsweise der Dinge und ihrer gegenseitigen Verhältnisse geläufig ist; ja, in einer Sprache, die selbst dem mit der Denk⸗ und Redeweise der gegenwärtigen Gelehrtenwelt Vertrauten immer eine harte Geistesarbeit auferlegt; wir wollen schweigen von den Mißverständnissen und Ungewißheiten, welche solche Darstellungsform leicht bei denen erzeugen kann, die nicht im Stande sind, bei dem Gedankenfluge des Schreibers an dessen Seite zu bleiben, und zwar in Sachen, die der Seelen Heil und Seligkeit betreffen. Um solcher willen nennen wir hier noch ein zweites Werk über Moraltheologie. Es ist folgendes: „Dr. Johann Jacob Rambach's christliche Sittenlehre. Zweite und verbesserte Auflage. Halberstadt und Leipzig 1788.“ Der Verfasser wurde zu Halle im Magdeburgischen 1693 geboren, wurde 1723 Adjunctus der theologischen Facultät und Inspector am Frankischen Waisenhause daselbst, drei Jahre später ebendaselbst ordentlicher Professor der Theologie und endlich 1731 Professor primarius und erster Superintendent zu Gießen, wo er schon im Jahre 1735 starb. Unser Rambach gehört zwar zu den Pietisten und keine seiner Schriften ist gänzlich von pietistischem Sauerteige völlig frei; jedoch gehört er nicht zu so fanatischen, wie u. A. ein Joachim Lange war, viel weniger in die Classe jener offenbaren Schwärmer, die es sich zum Geschäft machten, alle rechtgläubigen für die reine Lehre eifernden Lehrer anzugeifern, und mit Bewußtsein von der Lehre des kirchlichen Bekenntnisses abgingen, wie ein Gottfried Arnold u. A. Johann Jacob Rambach war vielmehr ein nüchtern frommer gottseliger Theolog, dem Lehrbegriff unserer Kirche bis auf einige Puncte, in denen er ohne es selbst zu ahnen abglitt, von Herzen zugethan, ein Mann von nicht geringem Wissen und aufgewecktem Geist. Sein Hauptfehler bestand ohne Zweifel darin, daß er nicht sowohl glaubensmuthig die Seelen durch den Reichthum des Evangeliums zu gewinnen, als vielmehr durch stete Angriffe auf fleischliche Sicherheit und mögliche Selbsttäuschung bei etwas spärlicher Vorhaltung der evangelischen Verheißungen zu retten suchte und in Absicht auf die sogenannten Adiaphora im Eifern dagegen zuweilen etwas zu viel that, daher auch nicht immer den Opponenten der Pietisten volle Gerechtigkeit widerfahren ließ, wohl aber bei denen, welche auf innerliche Erneuerung heftig drangen (oft ohne selbst recht erneuert zu sein), eine zu große Milde walten ließ. Rambachs „Sittenlehre“, obwohl ein opus posthumum, gehört mit zu seinen besten Schriften. Nach einer allgemeinen Einleitung, in welcher Rambach die Sittenlehre definirt, das dieselbe Hindernde und Fördernde darlegt und die einschlagende Literaturgeschichte gibt, folgt in 12 Kapiteln die eigentliche Abhandlung. Erstlich handelt er von der Natur und Gnade überhaupt, 2. von diesem Unterschied in Absicht auf den Verstand, 3. in Absicht auf das Gewissen, 4. auf den Willen, 5. auf das Gedächtniß, 6. auf die Einbildungskraft, 7. auf die Affecten, 8. auf die verschiedenen Temperamente; 9. von den Schwachheiten und Versuchungen der