# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_September 1857_S266 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 266 Ob der Haufe der Kirche seiner Natur nach sichtbar sei, wie dies Rom ꝛc. sagt er, denselben Haufen Menschen, aber daß dieser Haufe die wahre Kirche Christi sei, sehen wir nicht, sondern glauben wir.“ Aber der Glaube muß sich auf das Wort Gottes stützen, wie das leibliche Sehen auf einen sichtbaren Gegenstand. Nun ist aber weder das, was die Kirche zur wahren macht, sichtbar, noch findet sich irgendwo in der Schrift, daß diese oder jene Kirche, nämlich die heut zu Tage blühet, die wahre Kirche sei. Von der alten Kirche bei den Römern, Corinthern ꝛc. läßt sichs schließen, und zwar aus den an sie geschriebenen Briefen, sofern dieselben lobende sind, aber mit leiblichen Augen konnte das selbst zur Zeit Pauli so wenig erschaut werden, als man mit den Augen des Verstandes erkennen kann, daß dieser oder jener oder ein dritter in der Kirche ein wahrhaft Gläubiger sei, 2 Tim. 2, 19., Offenb. 2, 23. „Man muß folgerichtig festhalten, sagen die Gebrüder Walenburch lib. I. de unit. eccl. cap. 6. § 5., daß die Kirche sichtbar genannt worden, absolut und schlechthin sichtbar, obgleich sie nach einem Theil, nämlich nach der Seele, nicht sichtbar ist, wie die Kirche nicht sichtbar ist, was den Glauben, die Liebe und andere innere geistliche Gaben betrifft.“ Aber da diese das Vorzügliche in der Kirche sind, und ohne sie die Kirche nicht bestehen kann, so ist offenbar, daß die Kirche an sich und absolut unsichtbar genannt werden müsse. Denn nach dem Wesen eines Dinges ist ein jeglich Ding zu urtheilen. Die Kirche aber ist wesentlich nichts anderes, als die Gemeine der Heiligen. Daß ihr jedoch Gottlose beigemengt sind, das gehört nicht zum Wesen der Kirche, sondern ist etwas Zufälliges an derselben. Deshalb gibt Bellarmin lib. III. de eccl. cap. 9. selbst zu, „daß die Gottlosen und Heuchler todte und verdorrete Glieder der Kirche oder des Leibes Christi seien und mit den übrigen nur durch eine äußerliche Verbindung zusammen hiengen; daß sie nicht vorzügliche Glieder seien, sondern nur dergleichen die Haare, oder Nägel, oder bösen Feuchtigkeiten an dem menschlichen Leibe sind.“ Mehr haben wir hierüber in der Exeg. A. C. art. VII. und VIII. gesagt, wo man es lesen kann. — * * * So weit Calov, welchen einer pietistischen Verflüchtigung des Begriffs der Kirche oder eines unionistischen Gelüstens zu bezüchtigen selbst die schamlose Dreistigkeit unserer Gegner nicht dreist genug sein dürfte. Doch — mögen sie immerhin thun, was sie nicht lassen können, und in blinder Wuth fortfahren, die in Gottes Wort unerschütterlich gegründete, von allen treuen Lehrern unserer l. lutherischen Kirche bis in die spätesten Zeiten der Rechtgläubigkeit herab einmüthig bezeugte und bekannte Lehre von der Unsichtbarkeit der Kirche in ihrem Wesen, als eine neue, missourische, ja wohl gar Waltherische Sonderlehre zu verdächtigen, um etwa die Einfältigen zu verwirren: was wird sie es helfen? In die Länge wird es ihnen doch nicht gelingen, die Wahrheit wird und muß und kann nur siegen, und Gott wird mit ihr auf dem Plane sein, und der läßt sich nicht spotten. Wie? wenn sie zu spät werden mit Schrecken inne werden, daß all ihr maßloses Behaupten und trügliches Beginnen in der starken Hand unseres gnädigen Gottes und Heilandes am Ende