# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1847 02 09_S67 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) So ſchlagt ihr Gottes eignes Gnadenwerk. Iſt das ein Ruhm? ein reines Augenmerk? Der Worte Süßigkeit und Pracht, Die manches Herz bezaubert macht, Soll ohne Prüfung feſt beſtehn. Heißt das den Weg der Wahrheit gehn? Was ſagt die Schrift? — Seid allezeit bereit, Beweiſt den Grund von eurer Seligkeit. O ließ't ihr nur den Grund *) beſtehn! Wir ließen alles leichter gehn. Was hat ein hungrig Herz bei euch? Es ſcheint, ein doppelt Himmelreich. Allein ihr raubt ibm, wenn mans recht erkennt, Schon heimlich Freiheit, Wort und Sacrament. *) Nehmlich den Grund der reinen Lehre. Die Fleiſches⸗Sünden haßt der HErr, Die Geiſtesgreuel zehnmal mehr. Man ſetzt ſich mit erhabnem Sinn Auch über Wort und alles hin. Man thut, was mancher Sündenknecht nicht thut, Und heißt es recht, ja wohl beſonders gut. Ihr haltet eure Freiheit groß, Und reißt die Bande Gottes los. ) Wer Gottes Wort nicht liebt und faßt, Iſt euch als ſchriftgelehrt verhaßt. Wer's wider euch mit JEſu redlich meint, Den nennt ihr ohne Furcht des Heilands Feind. *) Matth. 15, 1—9. Je mehr euch euer Thun gelingt, Je mehr ihr Seelen ſo verſchlingt, Je größer wird der Frevelmuth, Und freut ſich, daß er Thaten thut. Wie ängſtlich treibt ihr manches Herz herum! So gehen Wölfe mit den Schafen um. Ihr bringt, was IEſu Gnade macht, In ſo gefährlichen Verdacht, Daß kaum ein Freund dem andern traut; Wenn beider Herz auf IEſum baut; Weil mancher ſchon durch eure „heilge Liſt“ (Der HErr wird's richten!) arg betrogen iſt. Beſtrafung nehmt ihr ſelten an. Wer iſt, der euch was lehren kann? Befieblt euch das die Bibel ſo? Was ſchreibt der HErr durch Salomo? — Was ſagt der Geiſt durch Davids Mund davon 27) Und wie bedenklich redet dort der Sohn 2) *) Spr. 12, 1, 1) Pſ. 141, 5. 4) Matth. 18, 8. Ihr läſtert uns faſt ohne Scheu; Und ſagt, daß der ein Läſtrer ſei, Der wider euch die Wahrheit zeugt, Und nicht zu allem ſtille ſchweigt. Ihr ſagt's und was ihr ſagt, das gilt allein. Wer daran zweifelt, ſoll nicht lauter ſein. Wirds etwa nicht mit Recht geſchätzt, Daß IEſus Lehrer eingeſetzt? — Seht, Korah ficht't den Aaron an, Weil er nicht Aaron heißen kann. ) Ei, ſagt: Iſt euch die Schrift ſo unbekannt? Wie lobnt man Knechten, die man nicht geſandt 77) *) 4 Moſ. 16, 1—5. ) Jer. 23, 21. 32. O geht doch hin, und lernt zuvor, Und öffnet IEſu euer Ohr. Seid fröhlich, wenn ihr niedrig ſeid, Und wartet, bis euch Gott gebeut. ) Und geht ſo weit, als eure Schranken gehn. Wer ſelber ſteigt, kann endlich nicht beſtehn. *) Jac. 3, 1. Ebr. 5, 4. Doch, holder IEſu, Gottes-Lamm, Du biſt doch noch der Bräutigam, Der treue Hirt von unſrer Schaar; Wir ſeh'n und fühlens offenbar. Ihr Meereswellen, werft uns immerhin; Wir wiſſen, IEſus iſt im Schifflein drinn. Ihr Wächter Zions, wachet auf! Seht! wie viel Heerden warten drauf! 67 Zeigt, daß ihr wahre Schafe ſeid. Dann macht den Hirtenſtab bereit. Ach! nehmt euch doch der Sache Gottes an. Verflucht iſt, wer ſie läſſig treiben kann.“) *) Jer. 48, 10. Lehrt, daß es jeder faſſen kann. Beſtraft und greift die Herzen an. Ermahnet, bittet, lockt und fleht. Und wenn ihr wenig Nutzen ſeht, So denkt doch: Petrus darbt die ganze Nacht, Den drauf der Segen faſt verſinken macht. *) *) Luc. 5, 5—8. Laßt nur des Lammes Blut und Tod, Und ſeine heil'ge Leidensnoth, Den Glauben zur Gerechtigkeit, Das Heil, das uns um ſonſt erfreut, Dabei es heißt: „Kommt, wie ihr ſeid, herein!“ Das laßt das Kleinod aller Predigt ſein. Das Wort der Gnade zieht und dringt, Wen ſelbſt kein Donnerſtrahl bezwingt. Doch ſeht auch, daß ihr nichts verſchweigt, Was irgendwo die Bibel zeigt *), Was IEſu Mund und Geiſt im Worte lehrt, Iſt alles nöthig, ſelig, ſüß und werth. ) *) Apoſtelg. 20, 20. 21. 27. 1) 2 Tim. 3, 16, 17. Beweiſt mit eurem Wandel klar, Die Wahbrheit ſei euch ſelber wahr. Und ſeid ihr gleich in manchem frei, So fragt, ob's allen ſelig ſei. Wohl dem, der ſich für andre ſelbſt verzehrt, Und fremde Dinge nicht zu thun begehrt. f) *) 1 Cor. 9, 19. 6, 12. 1) 1 Pet. 4, 15. 2 Tim. 2, 4. 5. Seid ihr dem Meiſter gleichgeſinnt, Und lehrt, wieman's im Worte fin't, Und handelt, wie die Bibel ſpricht: So ſcheuet alle Menſchen nicht. Laßt Böſ' und Gute enre Richter ſein, Ihr dient dem HErrn; der richtet euch allein. Ihr Seelen, die ihr IEſum kennt, Zum wenigſten nach ihm entbrennt, Nehmt dieſes Wort und faßt es recht: O ſeid kein wankendes Geſchlecht! ) Behaltet's: Chriſtus iſt nicht hie und da ; 5) Nein, wer ihn ſucht, dem iſt er innig nah. *) Ebr. 13, 8. 9. Eph. 4, 14. 1) Matth. 24, 26. Luc. 17, 20. 21. Das Wort, o Seelen! Gottes Wort Legt nie aus euren Händen fort. Verliert der Glaube nur die Schrift, So weiß der Teufel, wo er trifft. Wer aber IEſu Wort beſtändig hält, Der wird durch kein Verſuchungsnetz gefällt. Offb. 3, 10. Matth. 4, 4. 6. 7. 10. Eph. 6, 17. Noch eins: Vereinte Kraft gewinnt. Und wo ein Häuflein Tauben ſind, Da fliegen andre bald herzu. O Zion, das behalte du; Und dring' in fleißige Gemeinſchaft ein. Das Friedensbend wird Schutz und Nahrung ſein. Die Bruderliebe zündt euch an, So helft euch, wie ein jeder kann. Lehrt, ſtraft, ermahnt und tröſtet euch: In Demuth ſeid einander gleich. Vertragt den ſchwächſten Bruder mit Geduld, Dann uͤberſtrömt euch IEſu Segenshuld. Pſ. 133, 1—3. HErr, nimm dich ſelbſt der Heerde an, Die keiner ſonſt verpflegen kann. Bekebre das, was dich nicht kennt, Beſchäme, was ſich ſo getrennt. Und ſtehe dem Verſuchten mächtig bei, Daß ihm dein Licht im Dunkeln nahe ſei. O ſteure doch der Wölfe Wuth! Gib deinen Schafen Löwenmuth. Was ſich auf falſcher Bahn verliert, Das werde bald zurückgeführt. Du biſt noch hier. O bleib in Ewigkeit! So weiden wir in ew'ger Sicherheit. (Eingeſandt von H. Fick.) Das Marburger Religionsgeſpräch, ein Beleg, daß die lutheriſche Kirche von jeher nicht die wahre, ſondern die falſche Union verworfen bat. „Die lutheriſche Kirche macht keine Union; ſie i ſt die Union.“ Es wird in unſerer Zeit den Lutheranern oft zum Vorwurf gemacht, daß ſie durchaus keine Union wollen. Aber mit Unrecht; denn ſie wollen nur keine falſche, ſondern eine wahre Union. Sie wollen keine ſolche Union mit Andersgläubigen machen, in welcher die⸗ ſelben das Recht behalten, ihre Irrthümer zu lehren: ſondern ſie wollen ſich nur dann mit ihnen vereinigen, wenn dieſelben ihre Irrthü— mer ablegen und die reine Lehre des göttlichen Wortes annehmen. Denn unſer Augsburgiſches Glaubensbe— kenntniß lehrt im ſiebenten Artikel nach der heiligen Schrift: „Daß allezeit müſſe eine heiligeſchriſtliche Kirche ſein und bleiben, welche iſt die Verſammlung aller Gläubigen, bei wel— chen das Evangelium rein gepredigt und die heiligen Sacramente laut des Evangelii gereichet werden.“ Hier ſind die beiden Merkmale oder Zeichen angegeben, woran du die wahre Kirche Gottes auf Erden erkennen kannſt. Dieſe ſind aber nur der ev. lutheriſchen Kirche eigen, denn ihre Lehre iſt rein, weil ſie in allen Stücken genau mit der heiligen Schrift übereinſtimmt, und in ihr werden die heiligen Sacramente ſo gereichet, wie der HErr IJEſus es geboten hat. Darum iſt nur ſie und keine andere die wahre, heilige, chriſtliche Kirche. Zu dieſer wahren Kirche gehören alle über die ganze Erde zerſtreuten Kinder Gottes, welche aus dem Worte Gottes und der heil. Taufe geboren werden. Aber leider ſind in derſelben zu verſchiedenen Zeiten Irrlehrer aufgetreten, welche ihre Vernunft nicht unter den Gehorſam Chriſti gefangen nahmen, ſon— dern in vielen Stücken anders lehrten, als das Wort Gottes lehrt. Und das nicht genug! ſie fügten auch noch den Frevel hinzu, daß ſie Andere zu ihren Irrthümern verführten und Secten ſtifteten d. h. falſchgläubige Gemein— ſchaften, deren Glieder ſich verbinden, um im Glauben, in der Lehre und im Leben einen ge— meinſamen Irrthum zu bekennen und zu be⸗ haupten, und ſich zu dieſem Zwecke von der wahren Kirche trennen. Mit ſolchen falſchgläubigen Secten oder Kir⸗ chen können und dürfen wir keine Union ma⸗ chen, weil das wider Gottes Wort und unſer Gewiſſen iſt. Denn in der chriſtlichen Kirche ſoll nach Gottes Wort nur Ein Glaͤube herr— ſchen und nicht zwei oder gar mehrere. Darum können wir auch nimmermehr zugeben, daß Falſchgläubige Glieder unſerer Gemeinden werden und dabei das Recht behalten, ihre Irr⸗ thümer zu lehren; denn damit würden wir die Wahrheit verläugnen. Unſere Kirche würde dann aufhören, die Verſammlung aller Gläu⸗ bigen zu ſein, bei denen Gottes Wort rein gepredigt wird und die Sacramente haut des Evangelii gereichet werden. 36