# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_September 1857_S258 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 258 Real⸗Encyclopädie für protestantische Theologie und Kirche. bloße Mythen; es ist nun Zeit, das Fabelbuch des Alten Testaments endlich wegzuwerfen. Bisher hat die ganze Christenheit geglaubt, daß die Propheten im Geiste Gottes lauter Wahrheit gesprochen haben, dagegen sagt B. I. S. 649: „Es ist durchaus überflüssig und kann zu nichts führen, die 70 Jahre der Babylonischen Gefangenschaft als eine wirklich geschichtliche Angabe mit den Ereignissen in Harmonie bringen zu wollen; wie man dann später in derselben Zahl einen geheimnißvollen Sinn, die 70 Wochen (Dan. 9) suchte.“ Sonach haben also die Propheten sich geirrt, oder wissentlich Unwahrheiten gepredigt, waren also falsche Propheten. Wußte Hr. Prof. Dr. Herzog wirklich nicht, daß die Babylonische Gefangenschaft von 604 bis Cyrus 534 „volle 70 Jahre“ gedauert hat? Aus „probehaltigen Forschungen“ war längst bekannt, daß Christus genau in denselben Jahren und an denselben Tagen verkündigt, geboren, getauft, gekreuzigt und auferweckt worden ist, welche die Propheten vorhergesagt, die Evangelisten bezeugt und die apostolischen Kirchen überliefert haben; daß unsere christliche Zeitrechnung bis auf Jahr und Tag richtig sei. Dagegen lehrt B. I. S. 162, daß „Christus 4 bis 5 Jahre“ (auf ein Jahr kommt es Hrn. Herzog gar nicht an) vor Christi Geburt geboren worden sei; gibt also Hrn. Straus eine nicht zu verachtende Waffe für die Behauptung in die Hände, daß die Propheten und Apostel sich geirrt und das Neue Testament eine „Mythe“ sei. Zuverlässige Rabbinen, Josephus, Philo, die ältesten Kirchen und Kirchenväter haben überliefert, daß die Juden bis Jerusalems Zerstörung nach festen Sonnenmonaten gerechnet; wonach Christus am 19. März (14. Nisan) starb und das Osterlamm am gesetzlichen Tage also in das heilige Abendmahl verwandelte. Dagegen lehrt B. I. S. 22, daß Christus die Passahfeier um einen Tag „anticipirt“, folglich, obgleich unter das Gesetz gethan, dasselbe übertreten habe. Bekanntlich wird Gott in der Genesis und im ganzen Alten Testament nur in besonderen und bestimmten Beziehungen bald Elohim, bald Jehovah genannt. Dagegen lehrt B. I. S. 116, daß die Genesis aus zwei Urkunden, der Elohimurkunde und der „spätern Jehovahurkunde“ zusammengestoppelt sei. Ja, es heißt ebendaselbst, die „Schöpfung in den Tagewerken sei am ehesten als ursprüngliche Poesie zu begreifen.“ In Betreff der Authentie des Alten Testaments kann man B. II. S. 237 lesen: „Von Bileams Eselin sei nur so viel erwähnt, daß — die Abfassung des Stückes einer spätern Zeit angehören muß, wo das geschichtliche Factum, das unbestritten bleibt, von sagenhaften Anschauungen nicht mehr frei geblieben ist.“ Luthers herrliche Auslegung des Vaterunsers ist bekannt. Dagegen lehrt B. IV. S. 688 z. B., daß das Reich in der zweiten Bitte „das Reich sei, welches der Herr bei seiner Wiederkunft aufrichten will“, d. h. Chiliasmus.