# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_August 1857_S255 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Kirchlich⸗Zeitgeschichtliches. 255 begnügt sich nicht mehr am Kampfe gegen kirchliches Leben in der Anglicanischen Kirche — sie will gegen das ihr schon lange bekannte und längst verhaßte kirchliche Leben in Deutschland, — den Semipapismus der Lutheraner, wie es in ihren Engl. Meetings öfter schon genannt ist — einen Feldzug eröffnen! — Der Erfolg wird die Richtigkeit dieser Behauptung bestätigen. Wem die Engländer nicht so bekannt sind, dem werden die deutschen Namen, die wir unter den Mitgliedern der Versammlung finden werden, den Einblick in den Zweck der ganzen Versammlung ermöglichen. Wir werden Leute in der Versammlung finden, die gar seltsame Alliirte sind in einer Allianz, zu deren Statuten gehört der Glaube an die heil. Schrift als das geoffenbarte Wort Gottes und der Glaube an die Versöhnung durch JEsu Blut und Wunden, — Leute, deren Protestantismus in wenig mehr als in der Opposition und dem Donnern gegen Rom besteht, — Leute die im günstigsten Falle Einiges in der Bibel für göttliches Wort halten, Leute, die mit dem zweiten Artikel des Apost. Bekenntnisses auf keinem guten Fuße stehen und deren Glaube an den realen und unmittelbaren Zusammenhang des Leidens Christi und unserer Versöhnung mit Gott, den die Allianz in ihren Statuten klar und deutlich fordert, in der modernen Theologie ertrunken ist . . . Es ist eine schwer zu tragende Eigenthümlichkeit grade der Engländer, daß sie sich für berufen halten, das, was sie als das allein Richtige erkannt haben, nicht nur bei sich zur Geltung zu bringen, sondern auch dem Auslande als das ihm allein Heilsame aufzudringen, trotzdem daß sie von allen Nationen am wenigsten fähig sind, fremdländische Verhältnisse zu verstehen und zu durchschauen. Sie haben vor kurzer Zeit noch es in der Onkel Tom Begeisterung für ihre Pflicht gehalten, Amerika in Beziehung auf Sclaverei mitregieren zu wollen, und haben sich recht gründliche Aversion und die spitze Bemerkung, sie möchten erst vor ihrer Thür fegen und den Fabriksclaven helfen, dafür geholt, — sie machen es in der Politik so, — und jetzt wollen die verbündeten Sekten uns ihre Unkirchlichkeit aufdrängen und für ihr Sektenwesen bei uns werben, — da ist es nur Selbstvertheidigung, wenn wir nach Kräften darnach streben, uns diesen Englischen Einfluß fern zu halten.“ Großherzogthum Hessen. Daher schreibt ein Correspondent der Ev. K. Z.: „Wir haben noch immer denselben „„empfohlenen““ schlechten badischen Katechismus, der nun auch in seiner eigenen Heimath gerichtet und hinausgethan ist, ja, wie verlautet ist hier und da sein etwas hintangesetzter Gebrauch, auf eines eifrigen Gönners Vorstellung, von Neuem eingeschärft worden. Wir haben dasselbe schlechte Hessische Gesangbuch, das Ministerium hat den von einer besonderen Commission verfaßten und vom Oberconsistorium sorgfältig geprüften, wenig geänderten und zu baldiger Einführung empfohlenen Entwurf des neuen Gesangbuchs vorläufig zurückgelegt, weil — ihm der jetzige Zeitpunkt zur Einführung nicht geeignet erscheine und es Aufregung davon befürchte. So haben also die kirchlich gesinnten Geistlichen und Gemeinden des Landes die wahrhaft erschreckende Aussicht, vielleicht noch lange ein Gesangbuch gebrauchen zu müssen,*) welchem in Bezug auf Inhalt und Form unter allen noch in Deutschland gebrauchten, die Palme der größten Erbärmlichkeit schwer streitig zu machen sein dürfte. Ein interessanter Zwischenfall ist noch der Umstand, daß das Oldenburgische Kirchenregiment dem Hessen-Darmstädter neuen Entwurf großen Beifall geschenkt hat, und daß es sich leicht ereignen kann, daß die dortige Landeskirche das mit Aufwand von viel Fleiß und Kosten entstandene Buch sich aneignet, wozu ihr nur Glück zu wünschen wäre, während es der hessischen Kirche untersagt bliebe, des aus ihrem Schooße gebornen Kindleins sich anzunehmen. — Wir haben dieselbe amtliche Unordnung und Willkür im Gebrauch von Agenden. Wir haben überhaupt noch dieselbe Lehrwillkür, von einer ordentlichen ordinatorischen Verpflichtung der Geistlichen gar nicht zu reden. Daß die Universität (Gießen), insbesondere die theologische Fakultät nach Stiftung, Recht und Bekenntniß eine lutherische ist oder sein soll, davon keine Spur. Besteht auch in *) Wir sehen nicht ein, worin diese Nothwendigkeit liegen sollte. Gehörte es nicht vielmehr nothwendig zum Bekenntniß Christi, ein falsches Gesangbuch nicht zu gebrauchen und lieber das Amt niederzulegen, als sich dazu herzugeben, die Gemeinde zum Absingen falscher Lehre, und zwar zu dem großen Gott selbst gerichtet, aufzufordern? L. u. W.