# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_August 1857_S250 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 250 Der Gesangbuchsrumor in Hannover. es am Ende leicht, das Volk, welches namentlich in unserer Gegend mit großer Zähigkeit selbst am schlechten alten hängt, in das Schlepptau zu nehmen und fort zu ziehen. So konnten denn die Zeitungen bald von großer Theilnahme berichten, die die Machinationen gegen das Gesangbuch gefunden, und wenn sie auch die Sache gehörig übertrieben, so blieb doch noch leider Wahres genug daran. Denn wenn auch die 30,000 Unterschriften, welche angeblich unter jenen Petitionen stehen sollten, bei Lichte besehen auf 6700 zusammenschrumpfen, und wenn auch aus einer Zahl von Gemeinden nicht eine einzige Unterschrift sich findet, aus anderen ein paar, die durch Emissaire zu Wege gebracht sind; so läßt es sich doch nicht leugnen, daß an etlichen Orten die Widerspenstigkeit einen hohen Grad erreicht hat und sich gegen mißliebige Pastoren auf allerlei Art Luft macht. Gegenwärtig hat diese Renitenz eine erwünschte Hülfe gefunden in dem Zittel'schen Sonntagsblatte, welches eine seiner Nummern der Besprechung dieses Gegenstandes gewidmet hat und natürlich das Verfahren des Consistorii, wie die Beschaffenheit des Gesangbuches, gleich verwerflich findet. Jenes ist durch und durch unprotestantisch, dieses voll Anschauungen, die dem geläuterten Geschmack, dem durch wissenschaftliche Forschung aufgehellten religiösen Bewußtsein zuwider laufen. Wie wir hören, soll die betreffende Nummer des Blattes im Osnabrückschen geflissentlich verbreitet werden. Weshalb will man denn das Gesangbuch nicht? Die Frage bedarf kaum einer Beantwortung. Weil man den Glauben nicht will, den die Kirche in ihren Liedern, die sich hier treu und unverfälscht finden, bekennt und rühmt. Denn um jene Reden von Sprachwidrigkeiten und Geschmacklosigkeiten bei Seite zu lassen, die sich in dem Munde von Leuten thöricht und lächerlich genug ausnehmen, die in ihren eigenen Artikeln sattsam zeigen, daß sie auf dem sprachlichen Gebiete gänzliche Ignoranten sind, und in Dingen des Geschmacks ein in der That kaum zu erwartendes und kaum zu glaubendes Philisterthum an den Tag legen, so laufen doch die banalen Phrasen von religiöser Aufklärung, geistreichem Fortschritt u. s. w. darauf hinaus, daß man das Bekenntniß los sein will. Mancher merkt, — davon sind wir überzeugt, — nicht, daß hier der Cardinalpunct liegt; es gibt aber auch genug, die es recht gut wissen, und weil sie klug genug sind, zu erkennen, daß ein directes Angreifen des Bekenntnisses, welches von der kirchlichen Behörde zu Osnabrück jetzt wieder auf den Leuchter gestellt ist, nichts helfen, vielleicht sogar gefährlich werden würde, so versuchen sie es hier, und man muß gestehen, daß sie ihr Terrain gut ausgesucht haben. Bei dem unversöhnlichen Widerspruche, in welchem das alte Gesangbuch zu der gläubigen, bekenntnißtreuen Predigt steht, und bei der fast absoluten Autorität, die die Gesangbücher bei uns zu Lande unter dem Volke haben, ist hier am leichtesten zu schaden. Dazu kommt vielleicht auch noch die Hoffnung, das Consistorium, falls die Einführung des Gesangbuches vereitelt