# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1847 02 09_S66 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) Wie mancher dünkt ſich ſtark zu ſein, Und glaubt, er ſehe vieles ein. Der neugebornen Kinder Artx*) — Hat ſeine Seele nicht bewahrt. Er hält ſich ſchon für reich und ſatt genug, Merkt aber nicht den heimlichen Betrug. f) *) 1 Pet. 2, 2. 1) 1 Cor. 4, 8. Er meint, weil Chriſtus in ihm ſei, Sei er von äußern Mitteln frei; Gebet und Wort und Sacrament, Das er für Kinderwerk erkennt, Sei nur der Buchſtab, den man miſſen kann, Er betet Gott im Geiſt und Wahrheit an. Wer JEſum öffentlich verehrt, Sein theures Wort in Kirchen hört, Die Sacramente braucht und liebt, Sein Bitten gern auch mündlich übt, Und die Verſammlung nicht verlaſſen kann, Den hält ein ſolcher noch für keinen Mann. Col. 3, 16. 4, 2. Matth. 6, 9— 13. Ebr. 10, 25. O Jammer! wenn das männlich heißt, Daß man durch ſeinen eignen Geiſt Sich ſelbſt in Sicherheit erhöht, Und Gottes Wege nicht mehr geht, Die er für alle Gläubige beſtellt. Ach prüfe dich! biſt du nicht ſchon gefällt? Dort ſagt ein Andrer frei heraus: Mich treibt der Beichtſtuhl von euch aus, Wo man die Vöſen abſolvirt, Wo faſt ein Ablaßkram regiert, Ja wo ſo vielerlei Gewiſſensnoth Den treuen Hirten ſammt den Schafen droht. Der Mißbrauch mag zur Hölle gehn. Nur laſſet den Gebrauch beſtehn. Wer ſagt, daß Eſſen ſchädlich iſt, Weil mancher ſich zu Tode frißt? So müßte Gottes milder Gnadenſchein, Ja alle ſeine Gaben ſündlich ſein. Gott Lob, daß dieſe Schule bleibt, Die manchen noch zu IEſu treibt. Hier wird der Fiſch an's Netz gebracht. Hier übt man die empfang'ne Macht.“) Hier gibts ſo mancherlei Gelegenheit, Die uns zum Seelenheil die Hände beut. *) Joh. 20, 23. Ja, ſprichſt du, warum kündigt man Den Böſen die Vergebung an? Freund, weil man nicht die Herzen kennt, Weil ſich der Heuchler Sünder nennt, Ja, wie er ſagt, die Schuld mit Ernſt bereut, Und ſo durch Chriſti Blut um Gnade ſchreit. Denn wer noch frei in Sünden lebt Und Gott vor Augen widerſtrebt, Auch keine Beſſerung verſpricht, Den abſolvirt man billig nicht. Daß mancher Miethling anders handeln kann, Das ſieht die Kirche mit Bejammern an. Doch freuet ſich ein treuer Knecht, Wenn er die Seligkeit mit Recht, Mit Vollmacht und mit Freudigkeit Dem ganzen Haufen anerbeut, Ja ſeine Hand auf jeden legen kann; Das iſt das Heil, ſo nehmt es doch nur an! Denn Moſis Boten ſind wir nicht. Wir dienen nicht dem Zorngericht. Wir ſagen, Friede ſei mit euch! Hier naht ſich Gottes ganzes Reich! Allein verachtet ihr den Gnadenblick, So kehrt der Friede gleich auf uns zurück. Du denkſt: Wenn nur der Miethling nicht Die heilige Vergebung ſpricht, Der ſelbſt noch nicht Vergebung hat! Mein leeres Herz wird ſo nicht ſatt. Die Ehrfurcht, Zuverſicht und Inbrunſt weicht; Da hab' ich dann ſo viel als nichts erreicht. — 1 Cor. 11, 23. 66 — — 5 O iiebes Herz, du ſchadeſt dir. Dein Heiland fordert: glaube mir! Genug, das Wort und Amt iſt ſein. Der Diener mag ein Schalksknecht ſein. Ein König theilt das Brod fürs Armenhaus Sehr oft durch ungetreue Diener aus. Du ſprichſt vielleicht, was beicht' ich doch? Was nutzt mir dieſe Anſtalt noch? Was ſoll die Abſolution? Ich habe die Vergebung ſchon. Was hol' ich ſie denn erſt von Menſchen her? Für Gottes Kinder ſchickt ſich das nicht mehr. O ja, mein Lieber, weißt du nicht, Was Ieſus zu den Jüngern ſpricht?“) Wie? oder ſteht dir das nicht an, Was Chriſti Weisheit ordnen kann? Sie läßt die Gaben, die bei ihm beſtehn, Aus Liebe durch der Menſchen Hände gehn. *) Joh. 20, 23. Matth. 18, 18. Vergebung findet Jedermann, Der IEſum redlich bitten kann; Doch daß man feſt verſichert ſei, So ſind der Siegel mancherlei: Nicht nur das Wort, der Geiſt, das Sacrament, Auch dieſes, was man Abſolviren nennt. Ei danke doch dem HErrn dafür, Daß ſeine Güte mir und dir So viele Gnadenſiegel ſchenkt; Denn wer auf feſtes Gründen denkt, Der iſt ja billig deſto mehr erfreut, Je mehr ihm Gott zum Glauben Hülfe beut. Du wirſt doch noch ein Sünder ſein, Und täglich um Vergebung ſchrein. Denn das iſt aller Heil'gen Art.“) Und wer ſein Herz nicht klein bewahrt, Den trifft gewiß das klägliche Gericht: Die Starken dürfen unſers Arztes nicht. *) Pſ. 32, 6. Die neuen methodiſtiſchen Heiligen haben dieſe Art nicht. Ein Anderer eifert ungemein, Daß unter uns Gebräuche ſein, Die man beim Gottesdienſt begeht, Vielleicht, weil er ſie nicht verſteht; Hier tauft man ſeinem Sinne nach nicht recht. Dort hält man es beim Abendmahl zu ſchlecht. OFreunde! laßt das Aeußre ſein, Denn JEſus ſieht in's Herz hinein, Was nur an ſich nicht ſündlich iſt, Das thu und laſſe jeder Chriſt, So fern er's in geſetzter Ordnung thut. Den Reinen iſt ja alles rein und gut. Dort ſah ich einen von uns gehn, Und unter fremder Heerde ſtehn. Des guten Hirten Angeſicht Und Weide ſucht und kennt er nicht. Doch denkt er, daß er IEſu ſchon gefällt, Allein, weil er ſich andern zugeſellt. Ein Andrer geht von uns hinaus Und ſucht ein freies Seelenhaus. Er glaubt, wir ſein zu eingeſchränkt Und ſein Gewiſſen ſei gekränkt; Ihn lacht ein Schein der beſten Freiheit an, Er denkt nicht, daß er ſich betrügen kann. Der Sinnen Blendwerk geht vorbei. Er merkt, daß er gebunden ſei. Ißt nun ein knechtiſch Seelenbrod; Gewiſſensfreiheit leidet Noth, Die Freiheit, die ihm JEſu Blut verdient, Die Freiheit, die, Gott Lob! bei uns noch grünt. An m. Wie Vieles von Gott Unverbotenes wird den Me⸗ thodiſten zum Gewiſſen gemacht! Ihr aber, die ihr von uns geht, Und nicht in wahrer Beugung ſteht, Ihr, die ihr uns ein Babel nennt, Und euer Babel ſelbſt nicht kennt; Ihr, die ihr alles ſo verächtlich ſchätzt: Wer hat denn euch zu Richtern eingeſetzt? . Ihr Armen! laßt den Splitter ſein. Geht doch in euer Herz hinein. Schafft euern Balken erſt hinaus. Durchſucht und fegt das eigne Haus. Dann kommt, und ſucht mit liebevollem Sinn, Und werft das Kind nicht mit dem Unflath hin. Von manchen gilt Johannes Wort: Sie gehn aus unſrer Mitte fort; Was wird uns dardurch offenbar? „Sie waren nicht von unſrer Schaar.“ Denn ſtimmten ſie in IEſu mit uns ein, So würden ſie ja bei uns blieben ſein. 1 Joh. 2, 19. Jagt Andre Furcht und Trockenheit, So treibt ſie Selbſtgefälligkeit. Da iſt das Wort und Werk zu ſchlecht. Kein treuer Lehrer macht es recht. Sie ſehen alle Sachen beſſer ein; Und wollen unberufen Meiſter ſein. Oft hörts ein armer Blöder an, Wie Mancher ſo viel rühmen kann; ) Er wird verwirrt, betrübt, erſchreckt; Es wird ihm Luſt dazu erweckt. Er ſucht die Seligkeit, er hört, er läuft, Und merkt nicht, daß er aus dem Wege ſchweift. *) Die Schwärmer rühmen auch jetzt viel von der Gewiß ⸗ heit und Freudigkeit ihres Gaubens und bethören da⸗ durch manchen Einfältigen. Ein Andrer hört dem Rühmen zu — Er hat ſchon Glauben, Gnad und Ruh — Allein er iſt ein zartes Kind, Das ſich ſo ſchleunig nicht beſinnt; Er traut ſich nicht, er denkt: es könnte ſein! Verläßt den Grund und geht ins Fremde ein. Er ſpricht das Richten Andern nach, Und thut es JEſu ſelbſt zu Schmach; Er wirft ſo manche Schafe hin, Und ſchlägt den Hirten ſelbſt darin, Und deren Sünde kann er doch nicht ſehn, Die jetzt am allernächſten um ihn ſtehn. Ihr wahren Jünger, meinet nicht, Als ſei der Streit auf euch gericht't. ) Wir lieben Chriſti Glieder ſehr, Drum ſchmerzt die Trennung deſto mehr. Wir lieben euch, ihr ſeid auch wer ihr ſeid, Und freuen uns ob eurer Seligkeit. *) Auch unter den Secten gibt es Kinder Gottes, denen das Verderben derſelben verborgen bleibt. Ihr aber, die ihr nicht bedenkt, Was IEſu Brüder drückt und kränkt; Ihr, die ihr nur das Eure ſucht, Wo bleibt denn da des Geiſtes Frucht? Ihr ſammelt Seelen, aber nicht für Ihn. Iſts recht, die Kinder von der Mutter *) ziehn? *) Von der Kirche, die ſie durch die heilige Taufe Chriſto gezeugt hat. Ihr feindet IEſu Glieder an, Die euer Mund verleumden kann. Was meint ihr? fühlt es nicht das Haupt, An welches ihre Seele glaubt? Wo ſtehts, daß der dem HErrn nicht angehört, Den ſeine Gnade ohne euch bekehrt? Ihr lockt durchs Evangelium, Kehrt aber bald die Herzen um. Sie kommen ins Geſetz hinein, Und wiſſen ſelbſt nicht, wer ſie ſei'n. Und wenn ſich Jemand je beſinnt und fragt, Wird er noch tiefer in den Zwang gejagt. Ihr rühmt das Evangelium. Was lehrt denn unſer Lutherthum? Habt ihr es nicht von uns gelernt? Wie kommts, daß ihr euch ſo entfernt? Ihr reißet Weid und Schafe von uns los, Und macht euch denn mit fremder Arbeit groß. Wie manchem nehmt ihr ſeinen Grund, Und macht ihm doch nichts Neues kund. Wie kommts, daß er ſich drüber freut? — Die Sache trägt ein neues Kleid.