# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_August 1857_S249 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Der Gesangbuchsrumor in Hannover. 249 Lied von ihm: „Wiedersehn, mit raschen Schlägen Klopft die Brust dir warm entgegen,“ nach dessen Melodie auch gesungen werden soll: „Erdentöchter, Erdensöhne, Seid nicht stolz auf Kraft und Schöne.“ Mit Ausnahme des Hessen⸗Darmstädtischen und des Oldenburgischen ist uns, obwohl wir glauben, in der hieher gehörigen Literatur ziemlich bewandert zu sein, noch kein schlechteres Gesangbuch vorgekommen und selbst diese stehen nicht unter, sondern neben ihm. Schon vor mehreren Jahren wurde in einer Gemeinde des Fürstenthums Osnabrück auf Abschaffung Bedacht genommen. Mit Genehmigung des königlichen Consistorii zu Osnabrück veranstaltete die Gemeinde Hoyel⸗Riemsloh einen Abdruck von 217 Liedern zum kirchlichen Gebrauche. Weiter geschah freilich noch nichts, und das wird denjenigen, welcher es weiß, mit wie viel Schwierigkeiten die Abschaffung eines alten und die Einführung eines neuen Gesangbuches verbunden ist, nicht befremden. Ohne alle Abänderung jedoch diesen Greuel an heiliger Stätte noch länger fortbestehen zu lassen, glaubte die kirchliche Behörde nicht verantworten zu können, und edirte deshalb zum Gebrauch in den Volksschulen im November v. J. ein Büchlein von 20 Nummern nach der Ordnung des Katechismus, das wir im ganzen als ein durchaus treffliches mit Lehre der Kirche durchweg stimmendes und zur Erbauung sehr diensames bezeichnen müssen. Als Termin der Einführung wurde der 1. Jan. d. J. bestimmt. (Ob dieser Zeitraum nicht etwas kurz gesetzt war und es nicht besser gewesen wäre, das Datum der zwangsweisen Einführung weiter hinauszuschieben, ist eine Frage, die vielleicht nicht unbedingt zu verneinen sein dürfte.) Nun erhob sich der Sturm gegen das Buch und leider war es, wie meistens so auch hier, die sogenannte gebildetere und reichere Schicht der Bevölkerung, welche sich wider die Einführung auflehnte. Zuerst wurde der Kostenpunct vorgeschoben, und als der Ungrund dieses Vorwandes doch zu augenfällig hervortrat, mußte der Inhalt des Buches herhalten. Alle liberalen Zeitungen, welche jetzt, da ihnen das Wühlen auf politischem Gebiete gelegt ist, auf dem kirchlichen ihre Lust büßen und auf Nachrichten, die ihnen in ihren Kram passen, förmlich Jagd machen, stießen in das Horn und füllten ihre Spalten mit langen Verzeichnissen der schrecklichen Sprachwidrigkeiten und Geschmacklosigkeiten, von denen das Gesangbuch wimmele; im Lande zogen Emissaire von Haus zu Haus, von etlichen sogenannten Protestanten instruirt, und erregten oder schürten den Widerwillen gegen die Neuerung, durch die aller religiöse Fortschritt gehemmt, die Priesterherrschaft befestigt und die Brücke zum Katholicismus geschlagen werden solle; Versammlungen wurden unter dem Vorsitze von allerlei Leuten, denen viel eher ein Platz in irgend einer Uhlichschen Versammlung als in einer lutherischen Kirche gebührte, gehalten und in ihnen Petitionen und Deputationen nach Hannover an das Cultusministerium und an Se. Majestät den König beschlossen. Wo dergleichen Mittel in Bewegung gesetzt wurden und — daß wir es sagen müssen! — gerade die Höhergestellten dazu die Hand boten, war