# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_August 1857_S248 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 248 Der Gesangbuchsrumor in Hannover. werfen und das Banner des Schwedenkönigs in die Luft heben möchte; im Fürstenthum Osnabrück hat das neuerdings auf Befehl des Consistorii eingeführte Schulgesangbuch einen gewaltigen Lärm hervorgebracht und vieler Herzen Gedanken offenbar werden lassen. Ueber ersteren berichten wir in der nächsten Zeit ausführlicher; heute nur über letzteren. Im Fürstenthum Osnabrück ist kirchlich eines der jammervollsten Gesangbücher, die es nur geben kann, gegen Ende des vorigen Jahrhunderts eingeführt worden. Kein einziges Lied der Kirche ist unverfälscht und unverstümmelt geblieben, und Sachen sind hineingekommen, die zum Erbarmen sind. „Eine feste Burg ist unser Gott, Auf ihn steht unser Hoffen“ läßt man Luther (dessen Lieder man laut der Vorrede „in ihrer ehrwürdigen Originalität möglichst beizubehalten gesucht“ hat) singen, und statt zu bitten: „Komm heiliger Geist, HErre Gott, Erfüll mit deiner Gnaden Gut Deiner Gläubigen Herz, Muth und Sinn“ und ferner: „O HErr, durch Dein Kraft uns beteit, Und stärk des Fleisches Blödigkeit“ heißt es dort: „Komm heiliger Geist von Gott gesandt, Mach deine Kraft auch uns bekannt, Zur Wahrheit führe Herz und Sinnen, Die Christentugend zu beginnen,“ und in V. 3.: „Dies Leben dau'rt nur kurze Zeit, Mach uns zum sel'gen Tod bereit.“ Selbst in J. Heermanns „O Gott, du frommer Gott“, hat der treuherzige und doch gewiß unverfängliche Schluß von V. 7.: „Dem Leib ein Räumlein gönn' Bei frommer Christen Grab, Auf daß er seine Ruh' An ihrer Seiten hab'“ keine Gnade gefunden, und statt dessen ist zu lesen und zu singen: „Belehrend mach indeß Dem Sterblichen mein Grab, Und trockne dem, der mich Beweint, die Thräne ab.“ Es ließe sich ein dickes Buch über die wahrhaft abscheulichen, die Lehre der Kirche, dazu alle Einfalt, Poesie und Andacht verspottenden Mißhandlungen schreiben, welche die alten Lieder sich haben gefallen lassen müssen. Wie nun die neuen aussehen, läßt sich denken. Da gibt es ein 29 Verse langes Lied mit der Ueberschrift: „Der sterbende Gerechte bei dem Abschiede von den Seinigen,“ darin V. 15. lautet: „Fern, ewig fern von Zank und Streite Seid immerdar; noch hier, noch heute Umarmet euch und schaut mich an! Nie, nie befleck euch, theure Seelen, Die Höllenfreude, den zu quälen, Der heute noch wohl sterben kann. Entsetzlicher Gedanke! nein, Ich weiß, ihr werdet Brüder sein.“ Ob wohl ein Mensch, der wahrhaft „gerecht“ worden ist, diesen Vers auf dem Todtenbette den Seinen vorlesen oder vorsprechen kann? — Da findet sich im Anhange ein Lied nach der Melodie: „Ach um des Gerechten Schläfe“ — ob die noch wohl sonst in der Welt in einem Gesangbuche vorkommt? — und der erste Vers heißt: „Warten ist die Schule, die hienieden Mit dem ersten Lebenshauch beginnt, Und die selbst nicht endet, wenn im Frieden Unser Geist dem Prüfungsstand entrinnt“; in V. 6. aber ist folgendes zu finden: „Und er selbst, der Menschheit erste Krone, Glühte sich in dunkler Werkstatt aus, Nur durch lange Nächte gings zum Throne, Und durch Leiden zu des Vaters Haus.“ Auch Jacobi's bekanntes Lied am Aschermittwochen ist in einer schrecklichen Zustutzung hier aufgenommen, ebenso ein anderes