# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1847 02 09_S65 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) Der Lutheraner. „Gottes Wort und Luthers Lehr' vergehet nun und nimmermehr.“ Herausgegeben von C. F. W. Walther. Jahrgang 3. St. Louis, Mo., den 9. Februar 1847. No. 12. Bedingungen: Der Lutheraner erſcheint alle zwei Wochen einmal für den Subſcriptionspreis von Einem Dollar für die auswärtigen Unterſchreiber, welche davon die Hälfte vorauszubezahlen und das Poſtgeld zu tragen haben. — In St. Louis wird jede einzelne Nummer für 5 Cents verkauft. Woltersdorfs Anrede“) an die Secten, die des evangeliſch-lutheriſchen Zions in ſeinem Falle ſpotten, und an alle die⸗ jenigen, die ſich von der lutheriſchen Kirche tren⸗ nen und ſich zu den Secten wenden. Er iſt doch noch in ſeiner Stadt,“ ) Wiewohl ſie tauſend Lücken hat; Er, deſſen Gnadengegenwart Uns immer noch den Ruhm geſpart, Daß wir bei allem Jammer, der ſich find't, Des Vaters und des Sohn's Gemeine ſind. *) Pſ. 46, 5. 6. Wir wiſſen's wohl, wir leugnen's nicht, Daß unſer äußres Angeſicht, Durch Satans große Liſt und Macht O leider ſchon ſo weit gebracht, Daß wir, wo blinde Thorheit Platz gewinnt, Dem Heidenvolk nur allzu ähnlich ſind. Was ſchwarz iſt, heißen wir nicht Licht. Was thut's, daß mancher anders ſpricht, Der weder Gott noch Luthern kennt, Und ſich doch Lutheraner nennt? Die echten Glieder weinen deſto mehr, Gott weiß! wir klagen manchem gar zu ſehr. Der Schade Joſephs iſt uns klar; Wir ſehn den Gräuel offenbar. Der Hausſtand wird ein Sündenhaus; Die Jugend ſieht erbärmlich aus; Und was die Schande noch am größten macht, Iſt, daß kaum hie und da ein Wächter wacht. Was Luthers Herz und Mund gelehrt, Das hält man jetzo für verkehrt. Man ſieht als neue Lehren an, Was Gottes Wort beweiſen kann. O Lutherthum, du biſt das alte nicht, Wenn deine Zunge ſo verwegen ſpricht! Wenn mancher gute Werke thut, So braucht er keines JIEſu Blut;*) Er dünkt ſich noch vor andern rein; Der Himmel muß ſein eigen ſein. Ein anderer wälzt ſich in dem Koth herum; Und glaubt doch ſo ) ans Evangelium. *) Nehmlich nach ſeinen elenden Gedanken. ) Mit einem Heuchelglauben. Man iſt getauft und rühmt ſich's auch, Allein man lebt nach altem Brauch, Da man dem Taufbund widerſtrebt. Der alte Menſch regiert und lebt. Viel denken, wenn ſie nur zum Altar gehn, So müſſen ſte bei Gott in Gnaden ſtehn. *) Wir haben mit Abſicht gerade dieſes Zeugniß von Woltersdorf gegen die Secten gewählt, da dieſer Mann bei denſelben noch in einigem Anſehen ſteht. D. H. Wie mancher beichtet hundertmal, Und redet Lügen ohne Zahl. Er hält nicht, was er zugeſagt, Wenn er ſich gleich zum Frommſein plagt. Er fängt das Spiel von vornen wieder an, Da er ſich ſelbſt nicht beſſern will noch kann. So nimmt man JEſu recht zum Hohn Die theure Abſolution, Und tröſtet ſich, *) o Heiland, dein Bis in die Hölle ſelbſt hinein. Man nimmt, und fragt nicht, wer es haben ſoll; Von ſolchen Leuten iſt die Kirche voll. *) Man glaubt, IEſus ſei dazu da, daß man getroſt fort⸗ ſündigen könne. Wer IEſu Worte glaubt und hält, Den läſtert unſre blinde Welt. Wer Luthers Lehre ſchmeckt und thut, Den ſchilt ſie eine Ketzerbrut. Wer ſich zu IEſu kleiner Heerde macht, Der ſoll nicht luth'riſch ſein, und wird verdacht. So tief liegt man im Sündenkoth Und denkt, es habe keine Noth. Man rühmt, daß man von Irrthum frei Und Gottes wahre Kirche ſei: O unverſchämte Mäuler, ſchweigt! und wißt: Daß ſolch ein Volk der Kirche Schandfleck iſt. HErr IEſu, ja, ſo ſiebt es aus!, Und weicheſt du von uns hinaus, Wie dort dem Judenvolk geſchah, Und ließeſt nicht noch Samen da, Und hätteſt auch kein Kürbishüttlein ſtehn: So wären wir wie Sodom anzuſehn.“) *) Jeſ. 1, 8. 9. Dir aber, HErr, und deiner Macht Sei ewig von uns Dank gebracht, Daß doch nicht alle todt und blind, Und von Dir abgewichen ſind. — Denn, wenn Elias denkt, er ſei allein, So ſagſt du ihm, daß ſieben tauſend ſei'n. 1 Kön. 19, 10—18. Halleluja! Halleluja! Der HErr iſt ganz gewiß noch da; Sein Wort wird noch bei uns gehört; Die Lehre wird hier nicht verkehrt. So wirkt der Geiſt durchs Wort und Sacrament, Daß man die Gegenwart des Sohn's erkennt. Wir haben Wort und Lehre rein; Ein jeder kann verſichert ſein, Daß er ſich nichts zum Schaden glaubt, Weil man ihm nicht die Prüfung raubt. Und daß man unſ're Glaubensbücher)) ſchilt, Verachten wir, weil der Beweis nicht gilt. *) Hier ſind die ſomboliſchen Bücher, oder die Bekenntniß⸗ ſchriften der luth. Kirche gemeint, als da ſind: das apo⸗ ſtoliſche, athanaſianiſche und nicäniſche Symbolum. die Augsburgiſche Confeſſion, deren Apologie, die Katechis⸗ men Luthers, die ſchmalkaldiſchen Artikel und die Con⸗ cordienformel, was man zuſammen das Concordienbuch nennt, und was die Schwärmer oft unſern eiſernen Pabſt ſchelten. n üien der Die Bibel, Gottes heil'ges Wort, Ein Schutzwehr wider Satans Mord, Liegt unter uns vor jedermann, Daß ſie ein Kind betrachten kann. Sie gilt allein. Ein Kluger lieſt und ſpürt, Ob ihn der Lebrer rechte Wege führt. 2 Tim. 3, 15. Apoſtelg. 17, 11. Wir lehren und bekennen frei, Daß nichts in Erd und Himmel ſei, Waseinen Sünder ſelig macht, Als der, den man am Kreuz geſchlacht't, Der ſeines Vaters ganzen Willen that, Und zur Verſöbnung Blut vergoſſen hat. Apoſtelg. 4, 10—12. Wir taufen, wie der HErr gelehrt. Das Abendmahl wird nicht verkehrt. Und wenn man beides übel braucht, Hat's uns noch niemals gut gedaucht. Wir ſeh'n es mit wahrhaftem Kummer an, Und ſeufzen, daß man es nicht ändern kann. Man wirft uns unſer Unkraut vor. Allein wir öffnen hier das Ohr, Und hören, was der HErr geſagt, Als ihn die Knechte ſelbſt gefragt: Willſt du, ſo geh'n wir hin und raufen's aus? „O nein! ihr würf't den Weizen mit hinaus.“ Matth. 13, 28—30. Ihr Kinder, warum geht ihr aus, Und ſchändet eurer Mutter Haus? Ihr ſeid von ihr ſo rein gelehrt. Ihr ſeid in ihrem Schooß bekehrt. Sie läßt euch Freiheit, Wort und Sacrament; Was iſt die Urſach, die euch von uns trennt? Ihr wollt aus unſerm Babel gehn, Und laſſet Zion ledig ſtehn. Wir ſind ja kläglich zugericht't, Doch Babel heißen wir noch nicht. Seht uns als ein zerrißnes Zion an, Weil Gott uns ſelbſt noch nicht verwer ſen kann. Wenn man die Lehre rein behält, Iſt mancher, dem es nicht gefällt. Doch, lieber Freund, was erntet man, Wo man nicht Weizen ſäen kann? Und ſchaden uns des Irrthums Nächte nicht, So heißt die Schrift vergeblich unſer Licht. Von blinder Ketzermacherei Sind unſte Glaubensbücher frei. Was mancher blinder Eifrer thut, Das heißt die Kirche gar nicht gut. Ein Herz, das wo aus Schwachheit irrt und fehlt, Wird darum nicht den Ketzern zugezählt. Bewahrt man Chriſti Lehre rein Und ſucht im Glauben Eins zu ſein, Und redet nur nach einer Art, So wird der lautre Sinn bewahrt, Den uns die Schrift nrit Ernſt und Nachdruck lehrt, Und der zu Zions Veſtungsbau gehört. 1 Cor. 1, 20. Phil. 3, 16. 2 Tim. . 13. 14. 2, 15— 18. Tit. 3, 10. Eph. 4, 14.